Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?1563
  • 27. August 2004 15 1 Min.

Miami/Berlin Der umstrittene Reggaesänger Beenie Man ist von einem Konzert im Vorfeld der MTV Music Video Awards ausgeschlossen worden. Man wolle nicht, so eine Sprecherin von MTV, dass ein derartiger Auftritt "ein so großartiges Wochenende der Musik" überschatte. Damit wird Protesten der Homo-Organistation Save Dade aus Florida und der britischen Gruppe Outrage nachgegeben. Textpassagen der Beenie-Man-Songs "Damn" und "Bad Man Chi Chi Man" enthalten Aufforderungen, Schwule umzubringen. Die MTV Video Music Awards finden am kommenden Sonntag in Miami statt. Hierzulande drängt der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) darauf, die Konzerte von Buju Banton in Bremen am Sonntag und in Berlin am 1. September abzusagen. Das Berliner Konzert Bantons, der ebenso wie Beenie Man in seinen Liedern offen zum Mord an Schwulen aufruft, wird von der durch den Berliner Senat finanzierten Konzertagentur Consens veranstaltet. Im Beisein eines LSVD-Vertreters soll sich Banton öffentlich entschuldigen, andernfalls werde das Konzert abgesagt, so Torsten Wöhlert von der Senatsverwaltung. (dj/pm)

#1 wolfAnonym
  • 27.08.2004, 15:13h
  • was gibts da zu diskutieren ? rechtsradikale gruppen werden kontrolliert,
    warum nicht auch diese herrschaften ?
    gehen wir mal davon aus,dass die veranstalter (auch im senat) die texte verstehen, dann ist es geradezu absurd in berlin ect. einen konzerttermin zu vereinbaren.
    wir brauchen mit sicherheit keine hasstiraden durch die hintertür, zumal ja reggae eine weltanschauung verkörpert.
    nicht umsonst ist diese musik musikalisch,
    so anspruchslos.
  • Direktlink »
#2 MezzoAnonym
  • 27.08.2004, 16:22h
  • Das Problem ist jedoch nicht gelöst, indem man dem ein oder anderen Jamaikaner hier Auftrittsverbot erteilt. Man muss das Übel an der Wurzel packen. Und das ist in diesem Fall der Staat Jamaika, so schön sich der Name anhört. Im folgenden ein Bericht aus dem Oserver über das Leben von Schwulen in Jamaika.
    Danach kann es nur noch heissen Jamaika in jeder Weise zu boykottieren.

    Es ist die Hölle,
    schwul zu sein in Jamaika.
    Frei nach "Jamaican gays flee to save their lives" von Tony Thompson, The Observer vom 20.10.2002

    David ist 26. Jede seiner Narben erzählt eine andere grauenhafte Geschichte: eine Narbe am Hals von dem Versuch einer Gang, ihm die Kehle zu zerschneiden, Narben am Arm, der ihm mehrmals gebrochen wurde, Narben am Handgelenk von einem Versuch, ihm die rechte Hand mit einer Machete abzuhacken, Male an seinen Füssen, ein durchlöchertes Trommelfell und unendliche seelische Narben. Und alles, weil er schwul ist.

    Für viele jamaikanische Männer ist die Anschuldigung, schwul zu sein, die grösstmögliche Beleidigung. Dementsprechend wurden bei der letzten Wahlkampagne gegen alle politischen Führer entsprechende Vorwürfe von der Gegenseite erhoben.

    In Jamaika ist homosexueller Geschlechtsverkehr ein Verbrechen. Analverkehr wird mit bis zu 10 Jahren Gefangenschaft mit harter Arbeit bestraft. Treffen kann das jeden, denn definiert wird das von jedem Polizisten selbst. So mancher landete in der Vergangenheit schon im Gefängnis für Händchenhalten, beschuldigt wegen grob unsittlichen Verhaltens. Wer 'batty boy' oder 'chi chi man' genannt wird, muss mit dem Schlimmsten rechnen.



    Nachdem David einmal in einer Cruisinggegend ein Messer in den Rücken gestochen worden war, weigerte sich die Taxifahrer, "the faggot" ins Krankenhaus zu transportieren.

    Eine der einflussreichsten Radiotalkshows des Landes hetzte kürzlich: "Sie möchten unsere Kinder verderben und ihnen erklären, ist sei o.k., unmoralisch und eklig zu leben". Jamaikas Präsident P.J. Patterson setzte letztes Jahr den Ausschluss von Schwulen bei den Pfadfindern durch und erklärte weiterhin, mit seiner Regierung werde es die von "Amnesty International vorangetriebene Legalisierung von Homosexualität" jedenfalls nicht geben. 1997 versuchten Kingstoner Gefängnisbehörden, Kondome an die Insassen zu verteilen. Der Versuch endete in einer Gefängnisrevolte, bei der 16 angebliche Schwule ermordet und 40 weitere ebenfalls angebliche Schwule verletzt wurden.

    David berichtete über jamaikanische Gefängnisse: Er wurde "des Analverkehrs verdächtigt". Der Polizist stiess ihn in eine Gemeinschaftszelle mit 15 anderen Gefangenen mit den Worten: "Geh rein ‚batty boy" Innerhalb von Sekunden wurde David bewusstlos geschlagen, verlor für immer sein Gehör auf einem Ohr.

    Letzte Woche bekam David in Großbritannien Asyl aufgrund der britischen Einsicht, dass Homophobie in Jamaika eine "Bedrohung" für Leib und Leben darstelle.

    Übrigens feiert jamaikanische Musik häufig das Schlagen und die Tötung von Schwulen. Anfang der 90er schaffte Buju Banton es mit 'Boom Bye Bye' ganz nach oben in die Verkaufscharts, unter anderem mit den Zeilen: 'Batty boy get up and run ah gunshot in ah head man'. Im März 2001 war T.O.K. acht Wochen lang die Nummer 1 der World Reggae Charts mit "Chi Chi Man". Die Jamaican Labour Party machte den Reggae-Song mit den brennenden Schwulen im Refrain zur Wahlhymne.

    Am Rande: Die einschlägige Musikpresse beschwichtigt kritische Reggae-Hörerinnen gerne damit, die Homophobie in den Reggae-Texten sei doch nicht SO gemeint und im Grunde genommen eigentlich nicht ernster zu nehmen als die Gewalt in einem Bond- oder Van-Damme-Film.
  • Direktlink »
#3 lsvdAnonym
  • 27.08.2004, 19:26h
  • Keine Hass-Songs auf Berliner Bühnen!
    Aktionsbündnis ruft für den 1.9. (19 Uhr) zur Demonstration vor der Kulturbrauerei auf.

    Medieninformation des LSVD Berlin-Brandenburg

    Berlin (27.08.2004). Viele Reggae-Stars aus Jamaika hetzen in ihren Songs gegen Lesben und Schwule. Dies schürt Hass und Gewalt. Im Juni wurde z.B. der Mitbegründer der jamaikanischen Lesben- und Schwulenorganisation J-Flag, Brian Williamson, brutal ermordet. Erst im Mai hatte Williamson im Jamaica Observer geschrieben: "Wir Schwule gelten hier als Kinder des Teufels und werden auf die andere Straßenseite verbannt oder von unseren Mitbürgern zu Tode geprügelt."

    Am 1.9. soll der homophobe Dancehall-Künstler Buju Banton im Kesselhaus der Kulturbrauerei singen. Ein breites und parteiübergreifendes Bündnis will dies nicht länger ignorieren, nachdem bereits viele Konzerte in Deutschland, Schweden und England auf Druck von Lesben und Schwulen abgesagt worden sind: Das Aktionsbündnis ruft zur Demonstration gegen diese Hass-Songs am Mittwoch, 1.9., um 19.00 vor der Kulturbrauerei (Sredzkistraße 1) auf.

    Buju Banton fordert in seinem Song "Boom bye bye" aus dem Jahre 1992 auf, Homosexuelle z.B. durch Kopfschuss zu töten. Entgegen anders lautender Berichte aus den Medien (z.B. der Berliner Zeitung) oder dem Umfeld des Künstlers hat sich Buju Banton bisher weder von seinem Song distanziert noch öffentlich entschuldigt. Die CD mit dem beanstandeten Song wird weiterhin weltweit - z.B. über amazon.com - vertrieben. Zudem bestehen auch die Vorwürfe, der Interpret habe sich kürzlich persönlich an einem antihomosexuellen Überfall auf Jamaika beteiligt. Das Management des Künstlers hat die Frist verstreichen lassen, sich bis heute 12:00 Uhr zu entscheiden.

    Das Berliner Aktionsbündnis appelliert an den Konzertveranstalter Consense, das Konzert unverzüglich abzusagen. Sie fordern Berlins Kultursenator Flierl auf, dafür Sorge zu tragen, dass Banton und andere Dancehall-Sänger, wie z.B. Sizzla, Capleton, T.O.K. oder Beenie Man, keine Hass-Songs mehr auf Berliner Bühnen singen dürfen.

    Elephant Man und Bounty Killers heißen weitere extrem schwulenfeindliche Bands, die in den 90er Jahren die US-amerikanischen Charts eroberten. Die jungen Interpreten, meist in den 70er Jahren geboren, traten zunächst in jamaikanischen Dancehalls immer wieder mit offen schwulenfeindlichen Liedern auf und erlangten bei lokalen Festivals erstes Ansehen. Die Dancehall-Interpreten Elephant Man, Beenie Man oder Capleton entwickelten zudem Ende der 90er Jahre eine starke Beziehung zur amerikanischen Hip-Hop-Szene und traten gemeinsam mit Stars wie Janet Jackson oder Mariah Carey auf. In ihren aggressiven Texten rufen vor allem Beenie Man und T.O.K. offen zu Gewalt und Mord an Homosexuellen auf.

    Ein vom Veranstalter Consense vorgeschlagenes Gespräch mit Buju Banton kommt nun nur dann noch in Frage, wenn der Interpret sich persönlich entschuldigt (z. B. vor der TV-Kamera) und sich namentlich von seinen Gewaltaufrufen gegen Homosexuelle distanziert und dafür Sorge trägt, dass seine CDs mit Hasstexten aus dem Verkehr gezogen werden und sich verpflichtet, künftig keine solchen Texte mehr zu produzieren und zu performen.

    Das Berliner Aktionsbündnis:

    * Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD) Landesverband Berlin-Brandenburg e.V.
    * Landesverband und Landesvorstand Bündnis 90/Die Grünen Berlin
    * Abteilung SchwuLesBische Lebensweisen Bündnis 90/Die Grünen Berlin
    * Lesben und Schwule in der Union (LSU), Landesverband Berlin-Brandenburg
    * Maneo - Schwules Überfalltelefon und Opferhilfe Berlin im Mann-O-Meter e.V.
    * Junge Liberale (JULIs) Berlin
    * LiSl (Liberale Schwulen und Lesben Berlin)
    * Andreas Günter, Mitglied des Landesvorstands der Berliner PDS und Sprecher der AG queer der Berliner PDS
    * Lesben und Schwule in der Berliner SPD (SCHWUSOS)
  • Direktlink »