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Beschneidung

Cut oder uncut?

  • 01. Januar 2012 59 3 Min.

Diese Statue von Gomateshwara in Indien ziert ein unbeschnittenes Schniepelchen (Bild: Wiki Commons / Abhishek Mishra / CC-BY-SA-3.0)

Das Thema "Vorhaut" wird nirgendwo so heiß diskutiert wie in der schwulen Szene - wir nennen die Vor- und Nachteile der Beschneidung

Von Carsten Weidemann

Die Amerikaner tun es, die Moslems sowieso und die Juden haben diesbezüglich ebenfalls eine lange Tradition: Die Beschneidung (Zirkumzision) des Schwanzes ist in vielen Kulturen fest verankert.

Gründe für eine Beschneidung können neben religiösen und rituellen auch kosmetische, hygienische oder ästhetische sein. Man geht davon aus, dass weltweit jeder vierte Mann beschnitten ist. Wie der Blinddarm ist auch die Vorhaut aus der Entwicklungsgeschichte des Menschen übrig geblieben und erfüllt heute eigentlich keinen notwendigen Zweck mehr.

Seinerzeit als unsere menschlichen Vorfahren noch über Bäume kletterten oder leicht beschürzt durchs Gebüsch jagten, konnten die Fortpflanzungsorgane durch die Vorhaut vor Verletzungen und Verunreinigungen besser geschützt werden. Da wir heute nicht nur aufrecht gehen, sondern auch in Städten leben und in der Regel Kleidung auf dem Körper tragen, ist dieser Schutz nicht mehr zwingend nötig.

Vorteile und Nachteile der Beschneidung


Schon die alten Ägypter säbelten gern die Vorhaut ab: Zeichnung eines Grabreliefs um 2300 v. Chr.

Eine Beschneidung hat besonders im hygienischen Bereich Vorteile: Die Reinigung lässt sich einfacher vornehmen, es sammeln sich kaum mehr Rückstände am Schwanz an und auch unliebsame Gerüche werden dementsprechend einfacher eliminiert. Die Beschneidung beeinträchtigt in der Regel weder die Potenz noch die sexuelle Erregbarkeit. Manche Schwule berichten im Gegenteil von intensiveren Orgasmen und größerer Ausdauer.

Durch den Kontakt mit der Luft und besonders dem Reiben an der Kleidung verliert die ungeschützte Eichel allerdings an Empfindlichkeit. Auf der vormaligen Schleimhaut bildet sich eine Keratinschicht, die mit der Zeit zur Desensibilisierung beiträgt. Für Jungs, die sich in erster Linie aus optischen Gründen die Vorhaut entfernen lassen wollen, bleibt Folgendes zu bedenken: Etwa 80 Meter Nerven und rund 1.000 Nervenenden stecken in den durchschnittlich 75 Quadratzentimetern Vorhaut eines erwachsenen Mannes.

Mit Vorhaut in oder out?


Eine Beschneidung erfolgt in vier Schnitten - sie sollte immer vom Arzt durchgeführt werden

Ob nun mit Pelle oder ohne, das Thema "Vorhaut" wird nirgendwo so heiß diskutiert wie in der schwulen Szene. Mittlerweile kann man schon von einem richtigen Fetisch sprechen. Der eine mag es überlang und legt wert darauf, dass besonders viel Haut zu sehen ist, der andere will es ganz ohne, damit die Eichel auch besonders gut zur Geltung kommt. In Chat-Communitys wie Gayromeo haben sich längst eigene Clubs für das hautfreie Vergnügen gebildet.

"CUTclub" mit über 3.500 Mitgliedern ist der größte Club für Beschnittene auf den blauen Seiten: "Hier könnt ihr mit anderen Cut-Typen in Kontakt tretten und euch austauschen", heißt es in der Selbstdarstellung: "Diskutiert darüber ob es mit oder ohne Vorhaut besser ist. Wann und warum ihr beschnitten seit, und wie ihr nun mit eurem besten Stück umgeht."

User mit Vorhaut, die noch überlegen, das "lästige Übel" loszuwerden, haben auf Gayromeo ein Club-Forum, das schlicht "Beschneidung" heißt.

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#1 GastAnonym
  • 01.01.2012, 15:42h
  • Wie passt das denn zusammen?

    "Etwa 80 Meter Nerven und rund 1.000 Nervenenden stecken in den durchschnittlich 75 Quadratzentimetern Vorhaut eines erwachsenen Mannes."

    "Wie der Blinddarm ist auch die Vorhaut aus der Entwicklungsgeschichte des Menschen übrig geblieben und erfüllt heute eigentlich keinen notwendigen Zweck mehr."

    Wenn die Vorhaut einfach nur eine sinnlose Hauthülle darstellt, wieso ist sie dann voller empfindsamer Nerven?

    Ich finde den Artikel ziemlich einseitig.

    Und im übrigen: In den USA gibt es einen starken Trend, kleinen Jungs nicht mehr "einfach so" die Vorhaut zu amputieren. Das führt in den Küstenstaaten dazu, dass mittlerweile die Mehrzahl der Jungs intakt belassen wird.
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#2 chris
  • 01.01.2012, 16:00hDortmund
  • Die unfreiwillige Beschneidung aus medizinisch nicht notwendigen Gründen ist in meinen Augen Körperverletzung und gegen die Würde des Menschen. Keine Religion und keine Gesellschaft sollte das Recht haben, einen Menschen direkt nach seiner Geburt derart sinnlos zu verstümmeln. Wer sich freiwillig dafür entscheidet kann das gerne machen, aber nicht gegen seinen Willen bzw. ohne die Möglichkeit der Entscheidung zu haben. Persönlich finde ich unbeschnittene Schwänze schöner. Aber ich werde daran ganz bestimmt keine Sexpartner festmachen :-)
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#3 FelixAnonym
  • 01.01.2012, 16:04h
  • Antwort auf #1 von Gast
  • Dass in den USA (zumindest in den moderneren Gegenden) der Trend dazu geht, Jungen nicht zwangsweise zu beschneiden, wenn es nicht nötig ist, habe ich auch schon gelesen. Da wurde ja früher fast jedes Kind automatisch beschnitten.

    Ich sehe das ähnlich:
    Beschneiden sollte man nur bei medizinischer Notwendigkeit, aber nicht einfach so. Dafür gibt es weder aus medizinischer Sicht noch aus hygienischen Gründen Veranlassung.

    (Früher erzählte man sich ja, das sei gesünder, hygienischer, etc. Aber das ist mittlerweile alles als falsch bewiesen. Ob man eine Vorhaut hat oder nicht, hat keine Auswirkungen auf die Gesundheit oder die Hygiene. Das hängt vom Waschen ab, nicht von der Anatomie.)

    Und irgendwelche Religionen sollten erst recht kein Grund zur Beschneidung sein.
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