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Republikanische Vorwahlen
USA: Wahlkampf gegen Homo-Rechte
- 02. Januar 2012 3 Min.

Das offizielle Bild des US-Kongresses von Senator Rick Santorum
Am Dienstag findet im ländlichen Iowa die erste Vorwahl der Republikaner statt, mit der die Partei ihren Präsidentschaftskandidaten bestimmt - die Kandidaten stellen derzeit heraus, wie sehr sie Homosexuelle verachten.
Von Dennis Klein
Kurz vor dem "Caucus" in Iowa wird es knapp: Laut der neuesten Umfrage des Lokalblattes "Des Moines Register" liegt Mitt Romney, der Favorit des republikanischen Establishments, mit 24 Prozent vor Ron Paul (22 Prozent) und Rick Santorum (15 Prozent). Santorum, der vor wenigen Tagen noch im einstelligen Bereich verweilte, soll aber in den letzten beiden Tagen der knapp einwöchigen Umfrage Paul noch überholt haben, meldet die Zeitung. Damit geht das Spiel der wechselnden Favoriten weiter: In den letzten Monaten waren schon Michele Bachmann, Rick Perry und Herman Cain als Favoriten ausgerufen worden - alle drei machten sich aber entweder mit absurden Äußerungen oder mit Sexaffären nach einigen Wochen lächerlich. Auch Newt Gingrich, der als Mehrheitsführer im Kongress einst das Ehe-Verbot für Schwule und Lesben im Bundesrecht etablierte, scheint nach einem kurzen Hoch wieder zu schwächeln.
Der insbesondere vom konservativen Meinungssender Fox News Channel gehypte Santorum sieht in Iowa seine Chance, Wähler vom rechten Rand aufzusammeln. Dabei will er vor allem Homo-Hasser ansprechen: So schreckte er Schwule und Lesben vor wenigen Tagen in einem NBC-Interview auf, in dem er mit der Aberkennung aller bereits geschlossenen Homo-Ehen drohte. Als Präsident würde er das in der US-Verfassung festschreiben: "Wenn die Verfassung dann die Ehe definiert, werden alle Ehen, die nicht verfassungsgemäß sind, aberkannt", erklärte Santorum, der von 1995 bis 2007 im US-Senat tätig war und dort wiederholt von Homogruppen als homofeindlichster Senator bezeichnet wurde.
Ron Paul taucht spät in homophoben Sumpf ein

Der als liberal geltende Ron Paul hat erfolgreich seinen Stimmenanteil gesteigert, indem er gegen Homosexuelle und Aids-Kranke polemisiert (Bild: Gage Skidmore / flickr / by-sa 2.0)
Aber auch andere Kandidaten, die bislang als relativ homofreundlich galten, biedern sich den konservativen Iowa-Republikanern an - und hoffen durch einen Sieg auf Rückenwind ("Momentum") für die nächsten Vorwahlen. Besonders der Kongressabgeordnete Ron Paul, der bislang in gesellschaftlichen Fragen als liberal galt, buhlt erfolgreich um evangelikale Stimmen: So freute er sich überschwänglich über die Unterstützung durch den protestantischen Pfarrer Glen E. Bandel, der die Todesstrafe für Schwule fordert.
Am Sonntag beschuldigte er außerdem im Fox News Channel Aids-Kranke, an ihrem Schicksal selbst schuld zu sein und den Steuerzahlern wegen der Kosten für die Medikamente auf der Tasche zu liegen: "In einer freien Gesellschaft tun Leute dumme Sachen, aber anderen, unschuldigen Menschen sollten dadurch keine Kosten entstehen", sagte der Texaner. Paul gilt als besonders erbitterter Gegner der Gesundheitsreform von Präsident Barack Obama, mit der die bislang 50 Millionen unversicherten Menschen eine Krankenversicherung erhalten sollen.
Alle gegen den Favoriten Romney

Als Mitt Romney Gouverneur von Massachusetts war, wünschte er CSD-Teilnehmern noch ein schönes Wochenende - heute lasten ihm das seine Konkurrenten an
Feindbild für praktisch alle Kandidaten ist Mitt Romney, den konservative Blogger stets als "homo lover" verunglimpfen. Als früherer Gouverneur von Massachusetts war Romney vergleichsweise wenig ideologisch. Allerdings hatte auch er gegen die von einem Gericht angeordnete Öffnung der Ehe gekämpft - Massachusetts war 2003 der erste Bundesstaat, in dem die Gleichbehandlung von Schwulen und Lesben angeordnet wurde (queer.de berichtete). Als damaliger Gouverneur versuchte Romney unter anderem, die Eheschließungen mit einem längst vergessenen Gesetz einzuschränken, das einst gegen interrassische Hochzeiten eingeführt worden war (queer.de berichtete).
Nach dem "Caucus" in Iowa finden im Januar mit je einer Woche Abstand noch Vorwahlen in Massachusetts, South Carolina und Florida statt. Nachdem der Sieger feststeht, wird sich dessen Rhetorik voraussichtlich entschärfen. Denn dann will der Sieger Wechselwähler gewinnen, die von allzu harschen Ausbrüchen eher abgeschreckt werden. Präsident Barack Obama, der bei der letzten Präsidentschaftswahl von praktisch allen Homogruppen unterstützt wurde, kann nur hoffen, dass sich die republikanischen Kandidaten bis dahin selbst zerfleischen. Der Profiwahlkämpfer, der sich in den demokratischen Vorwahlen vor vier Jahren überraschend gegen Hillary Clinton durchsetzte, könnte dann möglicherweise als einer der wenigen amtierenden Präsidenten in einer Wirtschaftskrise wiedergewählt werden.













