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Start der US-Vorwahlen
Farbloser Kandidat schlägt Homo-Hasser
- 04. Januar 2012 3 Min.

Mitt Romney und Rick Santorum liegen in Iowa Kopf an Kopf
Mit nur acht Stimmen Vorsprung hat sich der als gemäßigt geltende Mitt Romney bei den Vorwahlen im US-Bundesstaat Iowa gegen den erzkatholischen Konservativen Rick Santorum durchgesetzt.
Update am Ende des Artikels: Nach Neuauszählung der Stimmmen doch Sieg für Santorum
Romney gewann mit 30.015 Stimmen (24,55 Prozent) gegen Santorum, der bei den Wahlen am Dienstagabend 30.007 Stimmen (24,54 Prozent) auf sich vereinigen konnte. An dritter Stelle folgte der libertäre Ron Paul mit 22 Prozent. Für die weiter hinter platzierten Politiker Newt Gingrich (14 Prozent), Rick Perry (elf Prozent) und Michele Bachmann (fünf Prozent) könnte das schlechte Abschneiden in Iowa das baldige Aus ihrer Kandidatur bedeuten, auch weil sie nicht über die finanziellen Mittel verfügen, den teuren Vorwahlkampf (und dann den noch teureren Präsidentschaftswahlkampf) durchzustehen.
Überraschend ist insbesondere das starke Abschneiden von Rick Santorum bei den Wahlversammlungen im Bauern-Staat: Der frühere Senator aus Pennsylvania hatte insbesondere bei den evangelikalen Konservativen um Stimmen geworben, indem er deren Lieblingsthemen besetzte: Abtreibung und Homo-Rechte. So drohte er noch am Wochenende damit, die Ehen von bereits verheirateten Schwulen und Lesben nach einem Wahlsieg zwangsannulieren zu lassen. Auf diese Weise konnte er Umfragen zufolge seinen Stimmenanteil in Iowa binnen weniger Tage vom einstelligen Bereich bis fast an die Spitze des Feldes steigern. Während Santorum in ländlichen Bezirken bis zu zwei Drittel der Stimmen erhielt, lag Romney im urbaneren Polk County – dem größten Bezirk des Staates – 1.500 Stimmen (oder sieben Prozentpunkte) vor Santorum. Analysten gehen nun davon aus, dass Romney mit Rückenwind aus Iowa einen leichten Sieg im liberaleren Neuengland-Staat New Hampshire einfahren wird. Diese Wahl findet am kommenden Dienstag statt.
Großer Einfluss von konservativem TV-Sender

Wahlwerbung auf dem Land
Santorum erhielt in den letzten Wochen auch Rückendeckung vom einflussreichen konservativen Meinungssender Fox News, der erst vor wenigen Wochen den Favoriten Romney in einem Interview zu demontieren versuchte – Moderator Bret Baier warf dem Mormonen vor, bei vielen Themen wie der Gesundheits- oder Einwanderungspolitik seine Meinung wiederholt geändert zu haben. Viele Parteifreunde halten den 64-Jährigen für einen Langweiler, der sein Fähnchen immer nach dem Wind dreht. Santorum dagegen erhielt unter anderem warme Worte von Fox-Korrespondentin Sarah Palin und Fox-Besitzer Rupert Murdoch. Der Milliardär twitterte, Santorum sei der einzige Kandidat, der ein "authentisches und großes visionäres Konzept für das Land" habe.
Konservative Blogger beschuldigten Romney ferner, ein "homo lover" zu sein, weil er schwul-lesbische Rechte in der Vergangenheit nicht deutlich genug verurteilt habe. Zwar gilt Romney im Rennen als einer der homofreundlichsten Politiker – auch weil er 2003 bis 2007 als Gouverneur des weltoffenen Bundesstaates Massachusetts die von der republikanischen Basis vertretenen Thesen nicht vertreten konnte. Allerdings hatte auch er in dieser Funktion gegen die von einem Gericht angeordnete Öffnung der Ehe gekämpft, indem er etwa versuchte, die Eheschließungen mit einem längst vergessenen Gesetz einzuschränken, das gegen interrassische Hochzeiten eingeführt worden war (queer.de berichtete).
Präsident Barack Obama steht bereits als Kandidat der demokratischen Partei fest – der Profi-Wahlkämpfer hat bereits über 60 Millionen Dollar an Spenden für seine Kampagne gegen den Sieger der Republikaner gesammelt. Die Demokraten hoffen, dass der bislang recht chaotische Vorwahlkampf der Republikaner länger andauert und sich die Kandidaten selbst zerfleischen. Bereits in Iowa wurde der Ton rau: So griff ein Romney-Werbespot Gingrich persönlich an und warf ihm unter anderem vor, Ehebruch begangen zu haben (der konservative "Family Values"-Kandidat ist zum dritten Mal verheiratet). Gingrich nannte daraufhin seinen Parteifreund in Interviews unter anderem einen Lügner. (dk)
Update: 16 Tage nach der Vorwahl in Iowa konnte Rick Santorum doch noch einen Sieg feiern: Nach einer Neuauszählung der Stimmen liegt de Homo-Hasser knapp vor Mitt Romney. Santorum erhielt demnach 29.839 Stimmen (24,56 Prozent), Romney kommt auf 29.805 Stimmen (24,53 Prozent). Santorums Vorsprung beträgt demnach 34 Stimmen.













