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Anti-Aging
Damit die Lust im Alter nicht nachlässt
- 07. Januar 2012 5 Min.

Auch im Alter kann man noch Spaß haben: Teilnehmer bei der Züricher Street Parade (Bild: Tambako the Jaguar / flickr / by-nd 2.0)
Sex im Alter gilt als Tabu. Dabei gibt es keinen Grund, warum man nicht auch mit 70 noch kräftig rumferkeln sollte. Es ist gesundheitsfördernd und stärkt das Selbstbewusstsein.
Von Carsten Weidemann
Machen wir uns nichts vor: Sex mit 70 ist anders als Sex mit 20. Mit dem Alter nehmen Beschwerden und Wehwehchen zu. Auch bei einem völlig gesunden Mann lässt die Potenz nach.
Hier einige Auwirkungen:
• Das Verlange nach Sex wird geringer, weil der Körper weniger Testosteron ausschüttet.
• Spontane Erektionen werden selten.
• Mehr Stimulation ist nötig, um erregt zu werden. Während ein 20-Jähriger nur an Johan Paulik denken muss, um hart zu werden, muss der 50-Jährige schon selbst Hand anlegen.
• Die Lusttropfen, der aus dem Schwanz bei Erregung austritt, wird immer kleiner - und verschwindet womöglich im hohen Alter ganz.
• Erektionen sind nicht mehr so hart, wie sie es einst waren.
• Bei einer Erektion steht der Schwanz nicht mehr wie eine Eins nach oben gerichtet, sondern wird immer flacher.
• Nicht bei jeder Erektion, bei der eine Ejakulation angestrebt wird, gibt es auch den ersehnten Schuss. Jungspunde müssen sich nicht einmal richtig anstrengen, um abzusahnen. Mit zunehmendem Alter wird das stressiger: Manchmal rubbelt man einfach vor sich hin, ist einigermaßen erregt - aber man erreicht nie den Höhepunkt.
• Der Orgasmus fühlt sich nicht mehr so stark an.
• Man braucht mehr Zeit, bis man wieder bereit ist für den nächsten Ständer.
Positives Selbstbild

Gefühle und Begehren lassen auch im Alter nicht nach (Bild: typeCARI / flickr / by 2.0)
Besonders unter Schwulen ist das Selbstbild wichtig. In Pornos und in der Werbung wird uns vermittelt, dass nur der 18-jährige Superschnuckel mit tschechischem Akzent erstrebenswert aussieht - und natürlich vernascht nur so einer pro Stunde seinen ebenfalls makellos aussehenden Handwerker und kurz drauf noch die Fußballmannschaft seines Dorfes. Bei solch einem Vergleich kann man nur verlieren. Denn die tschechischen Jungs sehen im Alter auch nicht mehr so aus. Wahrscheinlich haben sie schon mit Ende 20 zwei quengelnde Kinder, eine nervige Ehefrau und einen Bauchansatz.
Wer sich zu viel über seine eigenen Unzulänglichkeiten Gedanken macht, wird Probleme haben, die Erektion aufrecht zu erhalten. Das setzt einen Teufelskreis in Gang, denn die fehlende Härte bringt weitere Ängste mit sich.
Bedenke einfach: Das Bild, das sich andere von dir machen, ist meist besser als dein eigenes. Deswegen sei nicht so streng mit dir. Im Alter verändert sich dein Körper und nicht jede Veränderung wird als ästhetisch empfunden. Aber es bringt nichts, darüber zu lamentieren, denn so geht es jedem Menschen. Oft kommt mit der Angst vorm Alter auch die Angst vor Übergewicht und dem Abschlaffen.
Dagegen kannst du aber etwas tun, egal wie alt du bist. Ein Fitnesstraining oder eine Diät hilft auch dabei, dein bestes Stück zu reaktivieren. Denn eine gesunde Lebensweise ist gut für Arterien und Venen, die auch die Erektionsfähigkeit beeinflussen. Sprich einfach mit deinem Arzt, wie du gefahrlos fit bleiben kannst.
Raff dich auf, denn in unserer älter und aktiver werdenden Gesellschaft gibt es viel mehr Angebote als noch vor 20 Jahren. Auch die gesetzlichen Krankenkassen bieten oft Fitnessprogramme für Senioren an - und übernehmen dabei nicht selten einen Großteil der Kosten, da gesunde Versicherte weniger Arztrechnungen anhäufen als kränkelnde. Es ist nie zu spät, sein Leben zu ändern.
Nicht von Krankheiten verunsichern lassen

Für heiße Tattoos ist es nie zu spät: Viele Ältere beginnen sich für Fetische zu interessieren (Bild: FaceMePLS / flickr / by 2.0)
Im Alter nehmen auch die Krankheiten zu. Viele Beschwerden haben Einfluss auf die Libido - oft genug mit dem dramatischen Ergebnis erektile Dysfunktion. Glücklicherweise gibt es auch hier seit Ende der neunziger Jahre eine Lösung: Mit der Einführung von Viagra kann fast jedem geholfen werden. Die Wunderpille kann zur Not oft genommen werden, so dass - bei Bedarf - die alt-bewährte Fickfrequenz an einem geilen Wochenende wieder hergestellt werden kann.
Oft haben Ältere nach Problemen mit dem Herzen oder gar einem Herzanfall Angst davor, Sex zu haben oder sich gar einen runterzuholen. In diesem Fall wäre ein klärendes Gespräch mit dem Arzt angebracht. Denn Sex strengt zwar an, aber wenn das Treppensteigen noch klappt oder die Schnäppchenjagd bei Karstadt, sollte auch Sex möglich sein. Die meisten Männer machen sich dabei wegen eines minimalen Risikos Sorgen - und ihre Lebensqualität nimmt rapide ab, weil sie schlecht drauf sind.
Weitere Probleme können mit der Einnahme bestimmter Medikamente zu tun haben. Gerade blutdrucksenkende Mittel können Erektion erschweren. Auch Antihistamine, Antidepressiva oder Säureblocker haben schlechte Nebenwirkungen auf die Libido. Am besten mit dem Arzt reden, wie der Schwanz wieder auf Vordermann gebracht werden kann.
Für Abwechslung sorgen
Da im Alter die Erektionsfähigkeit abnimmt, sollte der reife Sexmaniac nicht einfach nur den Standardsex mit dem Partner runterspulen. Oft stellt sich in einer Lebenspartnerschaft Routine ein: Es wird etwas genuckelt, dann eventuell gepoppt. Und das routiniert jedes Mal aufs Neue.
Neue Spielarten wie Rollenspiele bringen bei eingeschlafenen Beziehungen wieder Schwung ins Schlafzimmer. Ob Fesseln, Cockring oder Tittentrimm - jeder muss für sich selbst herausfinden, was ihm gefällt. Gerade bei Älteren ist so etwas wie eine Frischzellenkur: So mancher wird feststellen, dass er gar nicht so "impotent" ist, wie er immer dachte. Statt als Triebabfuhr sollte der Sex als Spiel betrachtet werden. Das nimmt auch viel von der Angst vorm Versagen.
Viele Ältere beginnen sich daher auch für Fetische zu interessieren. Gerade die Lederszene ist sehr anziehend, da hier die Kleidung wie eine zweite "junge" Haut verstanden wird. Hier findet man nicht nur Sex, sondern auch eine Gemeinschaft mit ihren eigenen Regeln und Vorstellungen. Und viele diese "Ledertrinen" hätten noch vor wenigen Jahren nie gedacht, einmal dazuzugehören - und so aktiv mit Gleichgesinnten intim zu werden.














