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  • 11. Januar 2012 20 3 Min.

Reisebausteine für Schwule und Lesben: Dertour hat seinen ersten Gay-Katalog veröffentlicht

Konkurrenz für die kleinen Szene-Veranstalter: Dertour, Deutschlands Marktführer für Bausteinreisen, hat ein gezieltes Angebot für Schwule und Lesben auf den Markt gebracht.

Der neue Katalog "Gay Travel" stellt auf 92 Seiten rund 140 Hotels und Resorts sowie "Erlebnisbausteine" in insgesamt 30 Ländern vor. "Wir sind stolz, dass wir als erster großer deutscher Reiseveranstalter einen kompakten Gay-Katalog produziert haben. Die Idee stand schon lange im Raum", erklärte der selbst schwule Initiator Dietmar Malcherek. Es habe "einige Anstrengung" gekostet, die Entscheidungsträger im Konzern davon zu überzeugen, räumte der Dertour-Produktleiter Mittelmeer ein. Malcherek war jedoch immer fest davon überzeugt, dass das schwul-lesbische Programm das Dertour-Portfolio "perfekt ergänzt". Die Reisearrangements aus "Gay Travel" gelten für das Jahr 2012 und können mit allen anderen Angeboten aus sämtlichen Dertour-Programmen kombiniert werden.

Für die bisherigen Anbieter von Gay-Reisen bedeutet der Dertour-Vorstoß eine gefährliche Konkurrenz, da das große Unternehmen natürlich mit ganz anderen Margen kalkulkieren kann - den homo­sexuellen Reisenden dürfte der neue Wettbewerb hingegen freuen. "Bislang waren diese Reisen nur buchbar über Internetseiten, bei kleinen Veranstaltern oder direkt in den Hotels", räumt Dieter Malcherek ein. "Dies zeigt klar, dass ein richtiger Katalog fehlte, in dem die besten Adressen für Schwule und Lesben weltweit zusammengefasst werden."

"Gay Only", "Gay Friendly" oder "Hetero Friendly"

Das schwul-lesbische Dertour-Programm ist in drei Themenbereiche unterteilt: "City Street Life", "Beach & Nature" und "Adventure, Fun & More". Die Orientierung innerhalb des Kataloges ist mit Piktogrammen übersichtlich strukturiert: "Gay Only": Das Hotel ist ausschließlich schwulen und/oder lesbischen Gästen vorbehalten. "Gay Friendly": In diesem Haus sind schwule und lesbische Gäste besonders herzlich willkommen. "Hetero Friendly": Ein Haus primär für Gays, heterosexuelle Kunden sind ebenfalls gern gesehene Gäste. Viele Angebote im neuen Katalog sind als Mitglied der International Gay & Lesbian Travel Association (IGLTA) ausgewiesen. Auch Dertour selbst ist der IGLTA beigetreten.

Vorbildlich: Staaten wie Dubai oder Marokko, in denen Homosexualität unter Strafe steht, hat Dertour nicht in den Gay-Katalog aufgenommen. Überproportional vertreten sind dagegen eher tolerante und beliebte Reiseziele wie Spanien und die USA. Angesprochen fühlen von "Gay Travel" sollen sich laut Dietmar Malcherek sowohl schwul-lesbische Paare wie Einzelreisende.

Erhältlich ist der kostenlose Katalog, der in einer Auflage von 100.000 Exemplaren gedruckt wurde, ab 13. Januar in bundesweit rund 10.000 Partner-Reisebüros von Dertour. Nach Auskunft von Pressesprecherin Antje Günther soll er dann auch zum Download auf der Homepage des Unternehmens bereit stehen.

Vor Dertour war bereits TUI im Gay-Reisesegment aktiv

Vor Dertour hatte sich mit TUI bereits ein weiterer großer Anbieter auf dem schwul-lesbischen Reisemarkt versucht: Von 2007 bis 2010 veröffentlichte das Unternehmen insgesamt viermal das Heft "Gay & Travel - weltweit unterwegs", das vor allem über die Stadtmagazine der Publigayte-Gruppe vertrieben wurde (queer.de berichtete). Im vergangenen Jahr stellte TUI die Mischung aus Katalog und Magazin jedoch ein. (cw)

aktualisiert um 14:55 Uhr

-w-

#1 ClarissaAnonym
  • 11.01.2012, 13:19h
  • Ich stehe zwar selber weniger auf diesen "Gay-only-Ghetto"-Urlaub, aber ich kann durchaus verstehen, dass schwule Männer in den schönsten Wochen des Jahres keinen Bock auf schreiende Blagen am Pool und assige Heten-Pärchen haben.

    Wobei man solches natürlich mit der Buchung in einer entsprechend hohen Hotel-Kategorie ohnehin vermeiden kann.

    Insofern ist ein solcher Katalog durchaus zu begrüßen - ich fürchte indes, dass sich dort nur Angebote aus dem hochpreisigen Segment wiederfinden, gemäß dem Motto: "Schwule haben viel Kohle, also immer her damit!".

    Dass es auch genug Schwule gibt, denen das Geld für eine dreiwöchige Karibik-Kreuzfahrt nicht so locker sitzt, dürfte klar sein. Ob auch die in dem neuen Katalog auf ihre Kosten kommen werden?

    Mein Mann und ich werden uns das Teil in jedem Fall holen und dann mal ganz vorurteilsfrei prüfen. Denn eines ist klar: Nur, weil "gay" oder "gayfriendly" draufsteht und sich ein Hotel eine Regenbogenfahne zulegt, muss das natürlich nicht automatisch ein gutes und empfehlenswertes Reiseziel sein.

    Man kann gerade in "Gay-Only-Resorts" auch ganz schön ins Klo greifen. Die Gästebewertungen im Internet sprechen da eine deutliche Sprache.
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#2 timoAnonym
  • 11.01.2012, 14:00h

  • Und wie sieht es mit Leben aus, haben die kein Interesse Urlaub abseits von Familien zumachen? Witzig das sich Frauen über gay only Urlaube Gedanken machen und das gay only kritisieren, aber nur von Schwulen schreiben. Wie man an dem Lesbenfestival sieht gibts das bei Frauen genauso, nur nicht so häufig vielleicht.
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#3 JoonasAnonym
  • 11.01.2012, 14:20h
  • Auch wenn ich persönlich nicht so viel davon halte (wenn wir akzeptierter Teil der Gesellschaft sein wollen, müssen wir auch Teil der Gesellschaft sein und uns nicht in schwule Ghettos zurückziehen), so ist das dennoch ein gutes Zeichen.

    Es zeigt, dass langsam auch die Wirtschaft unsere Marktmacht entdeckt und uns nicht weiter ignoriert. Dennoch würde ich persönlich, wenn ich schon so einen schwulen Urlaub buche, lieber bei einem kleinen schwulen Anbieter buchen, der das immer schon anbot und nicht erst jetzt, wo die Großen auch dieses Geschäftsfeld entdecken.
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