https://queer.de/?15741
Heißes Thema
Lesben-Talk im Dschungelcamp
- 16. Januar 2012 4 Min.

Ramona und Micaela am Lagerfeuer: Intime Bekenntnisse im Busch, es hören nur ein paar Millionen zu. (Bild: RTL)
Wie verlief das lesbische Coming-out von Ramona Leiß, und wie ist das mit den schwulen Profifußballern? Wir dokumentieren Ramonas Lagerfeuer-Plauderei mit Erotik-Model Micaela. Ailton leistete sich unterdessen einen homophoben Ausrutscher.
Von Carsten Weidemann
"Du hast doch eine Freundin, oder? Aber du hast auch einen Sohn, also hast du auch mal Männer geliebt. Wie kommt das eigentlich, dass man von hetero auf einmal auf bi...", erkundigt sich Erotik-Model Micaela (28) bei Ramona (54) am Morgen des dritten Camp-Tages. Das ist endlich mal ein Thema für die ältere MDR-Moderatorin, die bislang nur durch ständiges Genörgel über das dreckige Camp unangenehm auffiel. Es entspannt sich ein interessantes Gespräch über lesbische Liebe und weibliche Sexualität, das wir hier dokumentieren.
Ramona: "Ich glaube, dass in jedem Menschen Bi-Anteile drin sind."
Micaela: "Ja das stimmt - allerdings."
Ramona: "Ich kenne viele Frauen, die schon immer in sich die Sehnsucht tragen - also das sagen sie einem dann, wenn sie ehrlich sind - einmal mit einer Frau zusammen zu sein. Ich hab halt festgestellt, dass mir das lieber ist. Das ist ganz anders als mit einem Mann. Es ist irgendwie gleicher. Das Verständnis ist so selbstverständlich in jeder Alltagslage. Den weiblichen Körper, die Sexualität finde ich einfach auch schöner. Hast du das schon mal ausprobiert?"
Micaela: "Nee! Also ich hab schon mit Frauen rumgeknutscht - aber das war nur so Spaß."
Ramona: "Ich mag bei Frauen das Anschmiegsame, da ist viel mehr Zärtlichkeit. Und es ist sehr viel entspannter - gerade beim Sex. Bei Sex mit Männern hatte ich immer das Gefühl: okay, da gibt es ein Vorspiel, dann wird darauf zugearbeitet, dass jetzt der große Akt kommt. Bei Frauen ist das so nicht. Man kennt den Körper der Frau einfach besser, weil man ja selber eine Frau ist. Und dadurch, dass es entspannter ist, funktioniert es auch sehr gut."
Micaela: "Könntest du dir jetzt vorstellen, dich noch mal in einen Mann zu verlieben?"
Ramona: "Nein, im Moment kann ich mir das nicht vorstellen. Platonische Liebe ja, aber sexuell bin ich zurzeit gar nicht interessiert an Männern."

Fröhliches Pressefoto: In der Dschungelkulisse fürs Shooting war es nicht so dreckig (Bild: RTL)
Micaela: "Wie war das so für deine Angehörigen, für deinen Sohn?"
Ramona: "Für meine Eltern war es leider sehr schwierig. Sie haben es im Geheimen akzeptiert, wollten aber nicht dass ich es öffentlich mache. Und ich hab mir damals auch gesagt, vielleicht ist das für den Jungen, der wird dann in der Schule angesprochen... man weiß es ja nicht. Irgendwann habe ich dann gesagt, jetzt möchte ich mich nicht mehr verstecken. Ist ja auch beruflich irgendwie ein Problem. Ich habe ja reine Familienunterhaltung gemacht und nicht im Talk-Show- oder journalistischen Bereich gearbeitet - wo es ja akzeptiert ist - sondern in der braven Unterhaltung. Und da hab ich Angst gehabt, dass es Probleme gibt. Und das ist auch so. Das hatte für mich schon Nachteile. Ich hab dann schon meine Sendung verloren - so vor zwei Jahren. Die sagen einem natürlich nicht warum. Ich habe mich erst geoutet als ich 50 war."
Micaela: "So spät und du hast es so lange ausgehalten!"
Ramona: "Ja, das war nicht schön. Das tut schon weh, wenn du immer einen Teil von dir verschweigst. Ich kenne viele Schauspielerinnen, die sich auch nicht outen, weil sie Angst haben, nicht mehr für die heterosexuellen Rollen gebucht zu werden. Wie bei den Boygroups und den Fußballern."

Zwischen peinlich und homophob: Für Ailton sind Schwule und Lesben "auch nur Menschen", aber schön findet er "das" dennoch nicht. (Bild: RTL)
Micaela: "Ich frage mal den Ailton. Ailton, es sind doch viele Fußballer schwul, oder?"
Ramona: "Die haben doch große Probleme?"
Ailton: "Groß. In meine Mannschaft, wo ich spiele, ich hab nicht gesehen. Wenn schwule Spieler, es ist immer professionell. In Kabine oder bei Training - ist ein normal Mensch."
Ramona: "Es gibt bei lesbischen Frauen auch immer viele Vorurteile. Zum Beispiel, einer ist immer die Frau und einer der Mann. Ich bin ja gerade deswegen mit einer Frau zusammen, weil ich ja keinen Mann will. Wenn du zum Beispiel Anne Will siehst - das hat mir zum Beispiel geholfen beim Outing - sie ist eine tolle Frau, ihre Freundin ist auch super - da hab ich mir gedacht, jetzt kann ich mich auch outen. Nicht so wie Hella von Sinnen, die ja so ein bisschen die Klischees bedient - wobei die Hella ist menschlich ein ganz eine Nette, ganz sensibel."
Später wird Ailton nochmal vor der Kamera zum Thema Homosexualität befragt und lässt da dann seine Hosen runter: "Schwul mit schwul ist für mich nicht schön. Und Frau mit Frau ist auch nicht. Ich muss akzeptieren, aber für mich ist das nicht schön." So ganz vorurteilsfrei scheint auch der Magier Vincent Raven nicht zu sein. Er schimpfte bereits in der ersten Folge über die rote "Schwuchtelfarbe" der Kleidung, die sie im Camp tragen müssen.















Das sich die Boulevardpresse und mitlerweile auch die "seriöse" Presse Fotos halbnackter Frauen und voyeuristisches Lesbensexgetratsche als Aufmacher für Artikel bedient kennt man ja.
Aber warum muß auch in einem queeren Magazin noch so eine Überschrift sein?
Jetzt kommt bestimmt wieder von einigen
( komischerweise weniger von Lesben, sondern eher von Bisexuellen und MzF- Transsexuellen) das Argument das Artikel über Schwule bei queer.de nicht anders aufgebaut sind.
Dazu 2 Sachen:
Erstens wird in der allgemeinen Presse nie in der gleichen Art über männliche Erotik berichtet wie über weibliche.
Zweitens sind queere und schwule Medien die Einzigen, die in Puncto Erotik nicht den weiblichen Körper vor den männlichen Stellen.
Überschriften wie "Lesbische Liebe und Sex im Dschungelcamp" wirken auch nicht als wären sie für Lesben gemacht...eher wie ein Aufhänger um bisexuelle Männer usw anzuziehen... nur das gibt es wie gesagt, schon zu genüge im WWW