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Kommentare zu:
One-Night-Stands mit der Kirchenorgel


#1 le_waldsterbenProfil
  • 22.01.2012, 09:44hBerlin
  • In Berlin findet keine Gentrifizierung statt?
    Da ist der gute Mann wohl nicht auf dem Laufenden.
    In Prenzlauer Berg wohnt so gut wie kein Berliner mehr. Kreuzberg wird gerade gentrifiziert. Die Leute fliehen nach Neukölln, dem Bezirk der Zukunft.
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#2 BurgerBerlinProfil
  • 22.01.2012, 11:53hBerlin
  • Antwort auf #1 von le_waldsterben
  • Was ist denn ein "Berliner" - ein vor 25 Jahren zugezogener, der die Welt verbessern wollte und heute einen langen grauen Zopf trägt und durch einen grauenvoll angelernten Pseudo-Berliner-Dialekt auffällt - und gegen alles ist? Oder ist es doch dieses kalorienhaltige Fettgebäck - was schwer im Magen liegt und immer wieder unangenehm "hochkommt".
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#3 le_waldsterbenProfil
#4 BurgerBerlinProfil
  • 22.01.2012, 12:50hBerlin
  • Antwort auf #3 von le_waldsterben
  • Selbstverständlich ist dies nicht meiner Aufmerksamkeit entgangen. Der Ursprung der grauen Zöpfe und grauenvoll angelernten Pseudo-Dialekt-Sprechern - liegt ja eher in Kreuzberg. Ein "gegen alles sein", wäre im Prenzlauer Berg vor 25 Jahren sicherlich mit Knast beantwortet worden. Obwohl so mancher in Kreuzberg der politischen Ausrichtung eher dem "sozialistischem System" zugewandt war.
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#5 carolo
#6 Expert OrganistAnonym
  • 22.01.2012, 14:56h
  • Antwort auf #5 von carolo
  • @ Carolo:

    Du hast vollkommen recht.

    Carpenter mag so etwas wie "Kunst" fabrizieren. Ich mag diese "Kunst" aber einfach nicht.

    Bach klingt bei ihm auf der Orgel wie eine Nähmaschine auf Ecstasy. Nein danke ...

    Dazu die völlig übertriebene Optik: Hautenge Oberteile, Glitzerschühchen mit Pailletten ... nun ja ...

    Da wird die Musik zur Nebensache!
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#7 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 22.01.2012, 15:13h
  • Johann Sebastian Bach hätte - wenn er noch leben würde - seine reine Freude an Cameron Carpenter gehabt!
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#8 carolo
  • 22.01.2012, 15:37h
  • Antwort auf #6 von Expert Organist
  • > Bach klingt bei ihm auf der Orgel wie eine
    > Nähmaschine auf Ecstasy.

    Herrlich. Danke für den Brüller des Tages. :-)

    > Dazu die völlig übertriebene Optik: Hautenge
    > Oberteile, Glitzerschühchen mit Pailletten ...
    > nun ja ...

    Der kann sich von mir aus anziehen, was er will, solange die Musik OK ist.

    Ich habe eben mal auf Youtube nachgesehen, was es da von ihm gibt. Seine Revolutionsetude ist mit Verlaub eine alberne Kombination aus Riverdance und Liberace.

    Seine Bilder einer Ausstellung gingen schon nur noch in Auszügen. Mehr konnte ich mir davon nicht antun.

    Dann lieber die Aufnahme vom ollen Blarr aus Düsseldorf.

    Aber wenn es denn die Hallen füllt...

    Carolo
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#9 Organ ExpertAnonym
  • 22.01.2012, 15:44h
  • Antwort auf #8 von carolo
  • Es mag die Hallen füllen, gewiss.

    Aber Künstler vom Format eines Carpenter versetzen der Orgelmusik endgültig den Todesstoß. Und sie erzeugen ganz unrealistische Klangerwartungen bei den Laien, die ihn schon einmal an einer riesigen Digitalorgel gehört haben.

    Irgendwann verlagen die Leute dann, dass der Dorforganist um die Ecke ein Stück "wie der Carpenter" spielt.

    Es ist halt alles irgendwie "Event" heutzutage. Sorry, aber dafür bin ich zu alt - und wohl auch zu konservativ. Ein Musiker ist für mich auch immer ein (Ver)mittler von Musik - und kein exaltiertes Früchtchen, das sich gebärdet wie ein irrer Derwisch, der zuviel gekokst hat.
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#10 GeooAnonym
  • 22.01.2012, 16:09h
  • Ich find die Mukke geil. Zum ersten Mal gehört und begeistert.

    Dazu hatt er mit dem was er im Interview sagt auch noch so verdammt Recht.

    "Ich finde es nicht richtig, wenn mich Szenemedien so vereinnahmen. Dort haben viele ein Problem mit dem breiteren Konzept. Besonders Männer, die Sex mit Männern und Frauen haben, werden oft als Menschen dargestellt, die ihre Identität verleugnen. "

    Fazit: Talentierter, intelligenter junger Mann.
    Von dem will ich mehr hören!
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#11 Organ ExpertAnonym
  • 22.01.2012, 16:40h
  • Antwort auf #10 von Geoo
  • @ Geoo:

    "geile Mukke" - jo, Alda, total endkrass geile Mukke.

    Da können die ganzen Schwuchteln wie J.S. Bach oder Marcel Dupré aber echt einpacken, die alten Looser-Spacken!

    Wenn so ein endgeiler Tastengott wie Carpenter die Bühne betritt und aus ihren verstaubten Werken den G-Punkt herauskitzelt, da schwanken die Kirchenfenster!

    Jo, Alda, von nun an geht's bergauf mit der Musik! Aber sowas von endkrass!
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#12 carolo
  • 22.01.2012, 17:03h
  • Antwort auf #11 von Organ Expert
  • > Wenn so ein endgeiler Tastengott wie
    > Carpenter die Bühne betritt und aus ihren
    > verstaubten Werken den G-Punkt
    > herauskitzelt

    Aufhören... Erbarmen... mein Zwerchfell... :-)

    Aber so ist das heute. Kommerzialisierter Kitsch für die Mehrzweckhalle. Riverdance, Afrika! (nur echt mit dem Ausrufezeichen), Nokia Night of the Proms, Cameron Carpenter. Eingängig, bombastisch, gut zu verkaufen.

    Carolo
  • Antworten » | Direktlink » | zu #11 springen »
#13 Organ ExpertAnonym
  • 22.01.2012, 17:17h
  • Antwort auf #12 von carolo
  • "Aber so ist das heute. Kommerzialisierter Kitsch für die Mehrzweckhalle. Riverdance, Afrika! (nur echt mit dem Ausrufezeichen), Nokia Night of the Proms, Cameron Carpenter. Eingängig, bombastisch, gut zu verkaufen."

    ---------------------

    Jawohl, Carolo - so ist das heute.

    Aber so war es auch schon früher. Denken wir nur an "panem et circenses" der Römer. Scheiße für die Massen, nach dem Motto "MIllionen Fliegen können nicht irren".

    Insofern: Nichts neues unter der Sonne.

    Nicht, dass Carpenter nun "scheiße" wäre. Das wäre zu hart. Aber er ist weit davon entfernt, ein ernstzunehmender Künstler zu sein. Für mich ist er ein Blender. Ein virtuoser, gewiss. Aber eben ein Blender.
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#14 gayboy123Anonym
  • 22.01.2012, 17:18h

  • Und ich dachte immer queer heißt alles abseits von hetero. wenn es laut ihm aber ein synonym für bisexualitat Ist, dann bin ich anscheinend nicht queer. Gibt halt Männer die nicht auf Frauen stehen, aber heute ist es ja üblich sich nur entweder als hetero oder queer, sprich bisexuell, bezeichnen zu dürfen. ich bin schwul und das ist gut so!
  • Antworten » | Direktlink »
#15 finkAnonym
  • 22.01.2012, 17:35h
  • mir gefällt es immer am besten, wenn ein musiker sich und sein talent mit gesunder demut in den dienst der musik stellt und nicht das stück als egoprothese missbraucht. viele, die in der kunstszene als "enfant terrible" bezeichnet werden, sind in meinen augen wirklich genau das: nervige blagen. denen sollte man besser nicht auch noch eine trompete oder blechtrommel in die hand geben.
    wenn ich musik höre, möchte ich musik hören und nicht einer öffentlichen therapiesitzung beiwohnen. aber das ist offenbar geschmackssache. es soll ja auch leute geben, die jan garbarek mögen...
  • Antworten » | Direktlink »
#16 DarmflöteAnonym
  • 22.01.2012, 17:42h
  • Antwort auf #11 von Organ Expert
  • "schwanken die Kirchenfenster? Der "obergeile" Typ spielt doch nicht/kaum in Kirchen, und wenn doch, muss vorher der Herrgott rückstandslos vertrieben werden ("du sollst keine anderen Götter neben...").
    Wundert mich, dass er mal nicht mit seinen andauernden First-Class-Flügen prahlt.
    Dass der technisch so total besonders sein soll, kann ich nicht nachvollziehen. Wer sich in der Orgelszene auskennt, dem fallen auf Anhieb mindestens ein Dutzend wirkliche Persönlichkeiten (dazu gehört auch reflektieren, - nein, nicht über one-night-stands, sondern die Musik) ein, die es locker mit seinen Hampelmann-Auftritten aufnehmen können. Und dass es mit seiner Musikalität nicht weit her ist, davon zeugen ja die youtube-Späßchen. Und zu seinem Fanclub: hauptsächlich auf den Durchbruch wartende, pseudo-hippe Irgendwas-mit-Medien-Heinriche und alte Weiber mit Bürojob, die ihre heimlichen Sehnsüchte auf ihn projizieren. Ahnung haben weder die einen noch die anderen.

    Einfach nur noch lächerlich. Leider schadet er dem Instrument ganz enorm.
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#17 DarmflöteAnonym
  • 22.01.2012, 18:03h
  • Antwort auf #7 von FoXXXyness
  • Johann Sebastian Bach hätte - wenn er noch leben würde - seine reine Freude an Cameron Carpenter gehabt!
    ...

    Ja klar, der hätte sofort abgespeckt, sein holdes Weib verlassen und an der nächsten Autobahnraststätte gecruised! Außerdem hätte er seinen Kompositionsstil radikal verändert - dem Herr Zimemrmann (sooo ein langweiliger Name!!) gefällt ja keine "intellektuelle" Musik, jedenfalls nicht, solange sie nicht mit "ck" geschrieben wird. Die Perücke wäre auch geliftet worden...
    Gottseidank kam alles anders!
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#18 puschel tvAnonym
#19 carolo
#20 RoggeAnonym
  • 22.01.2012, 18:48h
  • Ich habe Carpenter live in einem Orgelkonzert erlebt.
    Technisch ist Carpenter brillant - leider mangelt es ihm an Ausdruck und die entsprechende Tiefe.
    Ein Musikstück muß geistig durchdrungen werden, um es angemessen zum Ausdruck bringen zu können.
    Es fehlt bei seinem Spiel einfach die Seele !
  • Antworten » | Direktlink »
#21 alexander
  • 22.01.2012, 19:09h
  • ich muss zugeben, seine interpretationen "klassischer vorgaben", klingen schon sehr "interessant"!
    ich erinnere noch sehr gut den disput, anfang der 60ziger jahre, bis in die 70ziger (teilweise bis heute) wie man alte meister zu interpretieren habe ! damals wurde durch die bank weg alles klassische: akademisch, in ehrfurcht versinkend und "bierernst" interpretiert ! in der annahme, nur so sei diese musik korrekt (eben deutsch!) wiederzugeben und keinesfalls anders, das bezog sich besonders auf die tempi der interpretationen !
    das ergebnis war zumeist langeweile und beinhaltete, dass sich die wenigsten menschen für klassik überhaupt interessierten, geschweige begeistern konnten ! warum auch ?

    insofern ist es mehr als zu begrüssen, dass junge künstler (ich rede von den letzten 50 jahren) sich aufmachten, um diese "gesetze" in frage zu stellen und sogar zu durchbrechen ! was der klassik allgemein mehr als phantastisch bekommen ist ! denn man hinterfragte den heute so oft bemühten ZEITGEIST DER JEWEILIGEN EPOCHE UND DIE PERSÖNLICHEN BEFINDLICHKEITEN DER KÜNSTLER und schaffte es dadurch, interpretationsmöglichkeiten sehr persönlicher art (auf den komponist zugeschnitten) zu entwickeln !
    [es würde jetzt bei weitem zu weit führen hier noch beispiele anzuführen.]
    plötzlich begann klassische musik zu leben und wurde interessant, es lässt sich zum teil mit dem sprechtheater vergleichen, dass auch zu neuen ufern fand und z.b. ein shakespeare nicht mehr stinklangweilig in seinen versen verstaubte.
    man hatte wieder begriffen, dass diese alten kunstformen, ehemals "tagesgeschäft" waren, also "gebrauchsartikel" ohne "heiligenschein !
    insofern begrüsse ich auch die interpretationen von cameron carpenter, einfach weil sie neue möglichkeiten aufzeigen, denn gerade orgelmusik braucht neue impulse, egal welcher art ! ob es dafür nun pailletten oder pumps braucht, sei dahingestellt ? (aber wer mag schon die "modernen" 12 ton kompositionen ?)

    für mich ist jeder neue einfluss als kreative entwicklung zu sehen, egal ob ich sie schön finde oder nicht, "volksnähe" und "mainstreamlook" (oder ist das heute schon lifestyle) gab es zu allen zeiten in entsprechender form.

    ich persönlich ziehe meinen bach auch auf einer tollen orgel von einem "bachfreundlichen" organisten vor ! (ich verstehe darunter einen bachspezialisten der moderne, z.b. prof. helmut walcha an der frankfurter, von ihm entworfenen orgel der dreikönigskirche !)
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#22 alexander
#23 antosProfil
#24 OrgelAnonym
  • 22.01.2012, 19:42h
  • Antwort auf #18 von puschel tv
  • Aber nichts für Herrn Carpenter. Der hat nämlich was gegen alte, staubige Orgeln, die seinem Geschwindigkeitsdrang physikalische und sinnvolle Grenzen setzen.
    Stattdessen will er ja auf der schon gefühlte Jahrzehnte angekündigten Super-Duper-Digitalorgel brausen. Das sei die "Orgel" der Zukunft. Die Klänge leiht man sich dann aber doch wieder gerne vom Original. Reine Verarsche, man stelle sich mal ein Geiger-Sternchen mit eine Plastik-E-Geige und 50 Lautsprechern vor.

    Er hat auch eine äusserst schlechte Anschlagskultur - einen Ton zu formen ist ihm völlig fremd, darüber täuscht auch seine Show und das schiere Tempo nicht hinweg.
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#25 carolo
  • 22.01.2012, 21:04h
  • Antwort auf #20 von Rogge
  • > Ein Musikstück muß geistig durchdrungen
    > werden, um es angemessen zum Ausdruck
    > bringen zu können. Es fehlt bei seinem Spiel
    > einfach die Seele !

    Ganz grausam fällt das bei seiner Version der Bilder einer Ausstellung auf.

    Der hat die Noten genommen und sein Ding damit gemacht. Vom Werk Mussorgskis (oder meinetwegen auch Ravels) kommt dabei rein garnix herüber. Schade.

    @antos:
    Leute wie Wendy Carlos, Isao Tomita - oder Jacques Loussier - haben zu ihrer Zeit Sachen gemacht, die es so vorher noch nicht gegeben hatte. Das kann man beim besten Willen nicht vergleichen.

    Alles, was Carpenter uns heute atemlos um die Ohren haut, ist längst vor ihm schon x mal auf Orgeln oder Synthesizern gespielt worden, und zwar besser. Neu ist bei ihm nur der alles erschlagende Showeffekt.

    Wend Carlos hat übrigens eine sehr interessante Website:

    www.wendycarlos.com/

    Die Artikel zu Bob Moog und zu Surround sind hochinteressant.

    Carolo
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#26 EnyyoAnonym
  • 22.01.2012, 22:47h
  • Ui, hier im Forum haben sich ja die "richtigen" Klassikspezialisten gefunden: ich kann mir Euch gut vorstellen, wie Ihr Interpretationen von "Hurz" lauscht und dabei einen Abgang kriegt.

    www.youtube.com/watch?v=RAx0P-8n5K4

    Bloss nichts Modernes, keine Innovationen und Neuinterpretationen - dass ein Cameron Carpenter dann auch noch internationalen Erfolg geniesst dürfte eigentlich gar nicht sein.

    Es mag sein, dass die o.g. Künstler für Insider "besser" sind - wenn ein Cameron Carpenter aber für eine Renaissance der Orgelmusik und Interesse bei jungen Zuhörern sorgen kann, ist das aber natürlich "pfui", schliesslich ist das ja noch ein junger Mann und kein "ehrwürdiger" Professor.

    Sorry Leute, Ihr bestätigt mit dieser Diskussion mal wieder meine schon mehrfach schmerzlich gemachte Erfahrung, dass extreme Klassikfreunde auf gewisser Ebene einen mehr oder weniger großen Schlag haben!
  • Antworten » | Direktlink »
#27 Gay PrideAnonym
  • 22.01.2012, 23:19h
  • Antwort auf #14 von gayboy123
  • In Zeiten, in denen das Geschäftsmodell des Hetero-Sexismus immer aggressiver zuschlägt, muss das Rad der schwulen Emanzipation eben wieder gewaltig zurückgedreht werden.

    Solche kommerziellen "Leitfiguren" merken dabei noch nicht einmal selbst, wie sehr sie durch und durch im Würgegriff einer reaktionären Gesellschaft gefangen sind.

    Ich bin SCHWUL und stolz darauf!

    Und brauche deshalb auch keine neuen Versteck-Labels, die mich bei der heteronormierten Gesellschaft im Geschäft halten.
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#28 carolo
  • 22.01.2012, 23:28h
  • Antwort auf #26 von Enyyo
  • Klar doch. Der Link wäre aber nicht nötig gewesen. Diese olle Klamotte ist schon länger bekannt.

    Irgendwelchen Kram effektheischend in einem Affenzahn herunterzuspielen, war schon zu Paganinis Zeiten weder innovativ noch neu.

    Mit einer Renaissance der Orgelmusik hat das soviel zu tun, wie Andre Rieu mit einer Renaissance des Streichkonzerts.

    Carolo
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#29 maaaartinAnonym
#30 GAY PRIDEAnonym
  • 23.01.2012, 12:33h
  • Antwort auf #29 von maaaartin
  • Du liest, wie so oft, oberflächlich und unvollständig (auch meinen Kommentar).

    Ich schrieb: Ich brauche und will keine Labels, die mich bei der heteronormierten Gesellschaft im Geschäft halten.

    Wer im Blick behält, wie sich die real existierende Freiheit junger Männer in unseren ach so coolen, pseudo-fortschrittlichen "queeren" Zeiten entwickelt, sollte allmählich ins Grübeln kommen.

    [Ich erwarte nach gefühlt 20-maligem Posten weiterhin keinerlei ernsthaftes Interesse von Schwulen an dieser dramatischen Negativ-Entwicklung.]

    img163.imageshack.us/img163/6361/bzgadiagramm3.jpg

    img513.imageshack.us/img513/5179/bzgadiagramm2.jpg

    Es ist kein Zufall, dass "schwul" schon wieder nicht schwul sein soll und darf. Nein, es ist Audruck des herrschenden Rollbacks und der sich weiter zementierenden sexuellen Herrschaftsverhältnisse.

    Wie sollen junge Menschen, denen von kleinauf in noch nie dagewesener Aggressivität eine noch nie dagewesene heterosexistische Bilderflut eingehämmert wird, auch jemals die ihnen indoktrinierte Heteronormiertheit ablegen?

    Da bleibt als "Fluchtweg" - um nicht in Ungnade zu fallen oder gar Opfer brutalen Mobbings zu werden - ja nur noch ein krampfhaftes sich-irgendwie-ins-Reich-der-heterosexuellen-"Norm"-Einordnen-bzw.-diesem-Unterordnen!

    Also, nur weiter mit der "queeren" Re-Sozialisierung, ähm, -Heterosexualisierung!
  • Antworten » | Direktlink » | zu #29 springen »
#31 EnyyoAnonym
  • 23.01.2012, 14:07h
  • Antwort auf #28 von carolo
  • Es gibt hier sicher Leser, die den jungen und noch nicht mit der Herrschaftsklasse buhlenden Hape Kerkeling noch nicht so gut kennen.

    Abgesehen davon richtete sich meine heftige Kritik an dieser Diskussion an Leute, denen es schwer zu fallen scheint, über ihren Tellerrand zu schauen.

    Nirgends steht, dass David Cameron ein klassischer Organist ist/sein möchte, der werksgetreu Bach-Oratorien (usw.usf.) spielen möchte.

    Deshalb finde ich seine Herabsetzung hier unfair und schrieb von Renaissance, weil Künstler wie DC durchaus dafür sorgen können, dass bisher Unbedarfte den Kontakt zur klassischen Musik finden.

    Meinen Zugang zur instrumentalen Klassik bekam ich als Teenager durch John Williams und die Boston Pops und deren Filmmusiken!

    So entdeckte ich nach und nach auch klassische Komponisten und schätze nach wie vor Symphonien aber auch Kammerstücke.

    Also, wenn durch einen André Rieu oder einen David Cameron jemand die klassische Musik entdeckt, haben die Genannten doch wohl alleine schon deshalb ihre Daseinsberechtigung!

    Und nicht jeder Zuhörer ist in der Lage (oder müsste es gar sein), bspw. Partituren zu lesen und kann dennoch (und vielleicht gerade) die Musik geniessen - rate, für welche Zuhörer die Komponisten lieber arbeiten bzw. ihre Werke geschaffen haben?
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#32 Organ ExpertAnonym
  • 23.01.2012, 14:56h
  • Antwort auf #31 von Enyyo
  • Enyyo,

    zunächst einmal: Der Mensch heißt "Cameron Carpenter", nicht "David Cameron". Du verwechselt den jungen Organisten mit dem englischen Premierminister.

    Und dann: Es geht mir überhaupt nicht darum, ob ein Interpret klassische Musik "werkgetreu" aufführt - im Gegenteil. Bach klingt auch an spätromantischen oder modernen Orgeln, auf Flügeln und E-Pianos spitze - ein klares Zeichen dafür, dass seine Musik als solche quasi "unkaputtbar" ist.

    Ich habe auch nichts dagegen, DASS Bach auf einer Digitalorgel oder im Konzertsaal zum Besten gegeben wird - aber ich habe etwas gegen das WIE. Gegen die Art der Interpretation.

    Cameron Carpenter nutzt die Notenvorlagen der Komponisten nicht als Inspirationsquelle, um der Musik Seele und Leben einzuhauchen, sondern randaliert im Notentext herum wie ein Berserker. Da bleibt kein Stein auf dem anderen - und was ich da im Carpenterschen Endprodukt als "Bach NEU" oder "Mussorgsky NEU" hören muss, überzeugt mich einfach überhaupt nicht.

    Ein Komponist wie John Williams ist genial, aber seine Werke werden mehr oder minder "werkgetreu" aufgeführt. Ich habe jedenfalls noch nie erlebt, dass seine Originale von sog. "Künstlern" bis zur Unkenntlichkeit verwurstet worden wären.

    Auch André Rieu ist ein Künstler - gewiss ein relativ seichter, aber einer, der den Respekt vor dem Werk an sich nicht verloren hat. Die Instrumentierungen und Bearbeitungen klassischer Werke gehen am Kern des Stücks eigentlich nicht vorbei.

    Nur Carpenter, für den ist das alles nicht genug. Er meint, künstlerischen Esprit und Tiefe durch oberflächliches Virtuosengehampel vortäuschen zu können. So wie bei diversen Klavierbearbeitungen der Romantik, wo selbst die simpelsten Vorlagen zu titanenhaften und rauschhaften Transkriptionen wurde, oft hart an der Grenze zum Kitsch - und natürlich auch zur Spielbarkeit. Wem solche Tastenderwische gefallen, bitteschön. Nicht meine Welt.

    Ich brauche keinen Organisten, dem die "beats per minute" wichtiger sind als der geistige Gehalt eines Stückes. Die Tempi bei Carpenter sind fast immer aberwitzig und machen alles kaputt.
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#33 carolo
  • 23.01.2012, 15:07h
  • Antwort auf #31 von Enyyo
  • > Nirgends steht, dass David Cameron ein
    > klassischer Organist ist/sein möchte

    Ich denke auch, der ist mit seinem Amt als britischer Premierminister gut ausgelastet.

    > Und nicht jeder Zuhörer ist in der Lage (oder
    > müsste es gar sein), bspw. Partituren zu lesen

    Das kann ich auch nicht. Ich muß aber auch kein gelernter Chefkoch sein, um zu schmecken, wenn jemand mit einer Überdosis Glutamat nachgeholfen hat.

    Das Ärgerliche ist, daß sich die Leute daran gewöhnen, wenn man ihnen an allen Ecken diesen weichgespülten Bombast vorsetzt, und daß sie irgendwann den Sinn dafür verlieren, wie es eigentlich sein sollte.

    Carolo
  • Antworten » | Direktlink » | zu #31 springen »
#34 His ManagerAnonym
  • 23.01.2012, 15:21h
  • Dieser Ich-bin-auch-hetero-Clown scheint wirklich jeden einzelnen Blog im Internet durchscannen zu lassen, um jede etwaige Fehldarstellung als "Schwuler" umgehend zu unterbinden.

    Das spricht doch für das "queere" Selbstbewusstsein solcher Leute.

    GOOGLE ALERT!

    >> Thank you so very much for writing about me on your blog, which was forwarded to me by MY MANAGER, who keeps a GOOGLE ALERT set up to watch for just such posts.

    I appreciate the positive coverage and the concern, but I think you should read the article on me in The Advocate, Issue 1020 (downloadable as a PDF here:
    cameroncarpenter.com/buzz.html)


    in which I go to some length to explain my sexuality,

    which while decidedly queer is not exclusively gay.

    I appreciate being represented accurately and fairly, as I try to do with others.

    To say that I am gay is, strictly speaking, inaccurate.

    Part of standing together for GLBTI rights is recognizing each other's differences, too."
  • Antworten » | Direktlink »
#36 gaylord2Anonym
  • 23.01.2012, 18:05h
  • Antwort auf #34 von His Manager
  • komm wir stellen dich mal überall als hetero da.
    findest du bestimmt lustig als schwuler wa? ^^

    ansonsten zeigt sich übrigens in den kommentaren wie recht carpenter hatte mit seiner aussage bezüglich der tatsache das menschen die sex mit männern und frauen haben so dargestellt werden als würden sie ihre identität verleugnen.

    viele hier leben die konkrete ausgrenzung vor.
    wer die schwule norm nicht zu 100 prozent erfüllt wird angefeindet.

    na und nachher wird wieder geheult wenns ne hete genauso mit den schwulen macht.
    ganz arm.
  • Antworten » | Direktlink » | zu #34 springen »
#37 EnyyoAnonym
  • 23.01.2012, 18:37h
  • Antwort auf #32 von Organ Expert
  • Danke Dir und Carolo #33 für die Richtigstellung mit meiner leider passierten Namensverwechslung.

    Auch Deine Argumentation kann ich nun nachvollziehen - ich kenne Cameron bisher nur von ein paar Youtube-Stücken und einer Reportage in Aspekte, TTT oder einem vergleichbaren ÖR-Kulturmagazin und fand ihn daraufhin beeindruckend.

    Sollte sich die Gelegenheit bieten einmal einem Konzert von CC beiwohnen zu können, werde ich das tun, nur so ist schliesslich eine faire(re) Meinungsbildung möglich.
  • Antworten » | Direktlink » | zu #32 springen »
#38 DoKoAnonym
  • 24.01.2012, 10:14h
  • Was ich bisher von CC gesehen und gehört habe wird mich in nächster Zeit sicherlich nicht zum heiß glühenden Fan der Orgel machen. Aber ich erkenne die große Handfertigkeit an, die ein CC wie jeder andere Organist beherrschen muss, um das Instrument in seiner Gänze ausschöpfen zu können.

    Die Frage nach dem Wie seiner Interpretation sei mal ganz dahingestellt. Da gibt es sicherlich diejenigen, die seinen neuen Wind schätzen und die anderen, die "ihren Bach und Mendelssohn Bartholdy" geschändet sehen. Aber CC liefert definitiv Neuinterpretationen, die ihr Publikum finden und damit einen großen Beitrag dazu leisten, klassische Orgelmusik für eine breite Masse wieder salonfähig zu machen.

    Ist das Kunst? Ja, und wenn auch vielleicht keine hoch musikalische, dann doch eine darstellerische. CC inszeniert sich als einen avantgardistischen Lebemann und schafft damit eine hohe Künstleraura um sich.
    Maria Callas und Anna Netrebko mach(t)en da nichts anderes, Vanessa Mae und Lang Lang genauso wenig. Was sich bei denen verkauft ist die Marke, das Aussehen, der Charme.
    Über den avantgardistischen Lebenswandel eines Mozart werden auch heute noch Stücke geschrieben und Filme produziert, denn ein Enfant terrible verkauft sich immer besser als ein perfekter Schwiegersohn - und deshalb wird über einen CC in der Presse berichtet und über einen Harald Feller halt eben nicht.

    Von daher hat CC die Musikbranche verstanden. Man kann mit ihm d'accord sein oder nicht, man muss aber neidlos anerkennen, dass er für sein Instrument derzeit eine größere Publicity schafft und den Staub aus dem Kircheninstrument klopfen kann.
  • Antworten » | Direktlink »
#39 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 24.01.2012, 10:20h
  • Habe ihn heute Morgen im ZDF-Morgenmagazin und er hat Chopin sehr beeindruckend gespielt!
  • Antworten » | Direktlink »
#40 carolo
#41 alexander
#42 Bblaubaer
  • 24.01.2012, 23:00h
  • Definitiv, das waren sie. Nicht alle, aber einige.

    CC Ansichten über schwul und queer sind interessant und man kann drüber streiten. Aber letztlich läuft er eben doch nur mit seinem Freund durch Berlin und hält sein Händchen....

    Zu seiner Kunst: Nicht jedes Werk zeichnet sich durch geistigen Tiefgang aus. Es gab schon immer Künstler, welche eher den Reiz des aberwitzigen Spielens bevorzugten (Paganini u.a.). Es ist letztlich das Problem des Zuhörers, wenn in dem was er hört keinen "Sinn" erkennen kann (aus welcher philosophischen oder religiösen Maxime das auch immer entsprungen sei).
    Ich bin selbst Organist und empfinde es als überwältigend welche Fähigkeit CC zur Analogie hat: Das was er im Kopf hört auf die Tasten oder zu Papier zu bringen! Das gelingt den wenigsten Künstlern zu ihrem eigenen Interesse (Reger hat ins Reine geschrieben, Mozart alles zehnmal durchgestrichen).
    Und sobald ein Muster aus dem Kopf für andere mitteilbar geworden ist, ist es natürlich auch Kunst!

    Die Idee seiner digitalen Orgeln entspringt dem allgemeinen Gestus des digitalen Alltags. Eine Orgel sollte digital werden? Warum nicht. Sprache, Genome, Verhaltensweisen, Lebensmittel, bildliche Kunst, Schrift.... alles ist schon digital. Dieser Drang ist nicht zu stoppen. Und wenn einer endlich den Mut hat dies auch in der Orgelszene durchzusetzen, na bitte einen Schritt vor!

    Es gibt eben auch kein Gegenargument, dass die Orgelszene stirbt. Es gibt vor allem reaktionäre Musiker....
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#43 Organ ExpertAnonym
  • 25.01.2012, 01:17h
  • Antwort auf #42 von Bblaubaer
  • @ Bblaubaer:

    Du schreibst:

    "Die Idee seiner digitalen Orgeln entspringt dem allgemeinen Gestus des digitalen Alltags. Eine Orgel sollte digital werden? Warum nicht. Sprache, Genome, Verhaltensweisen, Lebensmittel, bildliche Kunst, Schrift.... alles ist schon digital. Dieser Drang ist nicht zu stoppen. Und wenn einer endlich den Mut hat dies auch in der Orgelszene durchzusetzen, na bitte einen Schritt vor!

    Es gibt eben auch kein Gegenargument, dass die Orgelszene stirbt. Es gibt vor allem reaktionäre Musiker...."

    -----------------------------------

    Genau - wenn alles digital wird, warum sollte dann eine Orgel nicht auch digital werden? Oder eine Geige? Oder eine Oboe?

    Warum brauchen wir dann überhaupt noch lebendige Musiker, die diese digitalen Instrumente bedienen - das kann dann doch auch ein Computerprogramm übernehmen, inklusive Anblasvorgang, Ansatz, Bogenführung ... alles voll digital!

    Klassische Konzerte im Konzertsaal? Papperlapapp! Überflüssiger, veralteter Schnickschnack. Wer will sich schon einen Geiger mit so einer ollen Fidel aus dem 18. Jahrhundert anhören, wenn man all das aus der digital bearbeiteten Konserve tausendmal perfekter zu hören bekommt?

    Und dann diese schrecklichen alten Orgeln! Was die allein an Wartung und Instandhaltung kosten! Am besten, man fackelt die gleich ab (das Orgelmetall kann man ja noch beim Schrotthändler verhökern). Und dann bestellt man sich als Ersatz eine endgeile Digitalkiste für 20.000 EUR von Pisselbach, Ellen oder Ahlhorn - oder wie die Dinger heißen. Die bestückt man dann mit Monsterlautsprechern + Subwoofer vom ALDI, damit es auch gewaltig scheppert in der Kirche. 40.000 Watt, aber mindestens! Die Posaunen von Jericho können dagegen krass ablosen!

    Und dann kommt er, die Lichtgestalt, der Messias des Elektronenbeschleunigers, ähhh, Verzeihung, der Digitalorgel: Cameron Carpenter, in Strapsen, mit Glitzerpailletten und semitransparenter, regenbogenfarbener Zahnseide in der Arschritze ("No, Sir, I'm not gay - I'm queer!!") betritt er das Podium! Das erlauchte Publikum (meist mittelalte, berufsjugendliche Schwuppen sowie Studienrätinnen nach der Menopause) huldigt ihm frenetisch.

    Nachdem die ersten Töne des digitalen Hallelujavergasers verklungen sind, ist das Publikum bereits in einen kollektiven Rausch, in eine präorgasmische Phase enthusiastischen Ausmaßes gefallen. Bald, sehr bald schon wird die Carpentersche den G-Punkt erkitzelt haben. Die Studienrätinnen nach der Menopause fangen vor lauter Verzückung wieder spontan an zu menstruieren, die mittelalten Schwuppen schreien "Fuck me, Cameron!" und entblößen ihre enthaarten Hinterteile samt gebleichten Rosetten in Richtung des Orgelerlösers.

    Am Ende ist alles entfesselt: Musik, Schweiß, Blut, Tränen, Sperma und Scheidensekret mischen sich zu einer einzigen evasiven Eruption! Der Parnass ist erklommen, das Elysium zum Greifen nah! "Komm, o komm, mein Tastenreiter, mach mir den Majorprinzipal 32'! Mein Schwellwerk steht wie eine Eins, mein gewaltiger Blasebalg verlangt nach Füllung! Beglück mich mit Deinem Grobgedackt 16'! " - "O Du Retter der reaktionären Orgelszene!". Das Jauchzen und Entzücken will kein Ende nehmen!

    Was bleibt nach einem solchen Konzert? Es ist letztlich wie nach einem Fick mit einem muskulösen, perfekten Beauty-Body: währenddessen fühlte sich alles noch irgendwie geil an, aber als es vorbei war, merkte man, wie schal und austauschbar das doch alles gewesen war. Durchgestylte Schönlinge à la Carpenter und seine austauschbaren Digitalkisten blenden auf den ersten Blick - und langweilen auf den zweiten.

    Und mit seiner Abneigung gegen die Orgel als unverwechselbares Individuum mit all ihren kleinen Macken und Schwächen, mit ihren baujahrbedingten Nachteilen und Vorteilen läutet Carpenter das Totenglöckchen für die Orgel. Er will keine Abwechslung, kein behutsames Eingehen auf den ganzen Reichtum einer über die Jahrhunderte gewachsenen Orgellandschaft, sondern wünscht sich mit seiner Riesendigitalorgel eine Art Nobelstricher. Das Digitalinstrument ist der Jeff Stryker der Orgel, der immer gleich lang und gleich dick fickbereit im Raum steht.

    Ihm, dem großen Absauger zu Diensten, der weiß, wie er es innerhalb weniger Minuten zum Abspritzen bringen kann.

    Carpenter ist eine verwöhnte Glitzer-Diva ohne jeglichen kulturellen Background. Er zerschlägt, ohne aufzubauen. Er reißt ein, ohne ein neues, tragfähiges Haus zu bauen. Ein Totengräber der Orgel. Ein Totengräber mit eiskaltem Colgate-Grinsen.
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#44 antosProfil
#45 RoggeAnonym
  • 25.01.2012, 11:02h
  • Antwort auf #43 von Organ Expert
  • Bravi ! Besser könnte ich meine Abneigung gegen solche Klaviaturakrobaten nicht zum Ausdruck bringen.
    Du hast schriftstellerisches Talent - solltest Du unbedingt nutzen.
    Selbst Paganinis Violinkonzerte, mit den scheinbaren rein dem Effekt dienenden Glissandi, haben eine Schönheit, die nur empfindsamen musikliebenden Menschen offenbar wird.
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#46 DoKoAnonym
  • 25.01.2012, 13:20h
  • Antwort auf #43 von Organ Expert
  • Sehr impulsiv und mit viel literarischem Gespür hervorgebrachte Meinung, meine Hochachtung.

    Zur Aussage aber:

    Carpenters Wunsch ist nachvollziehbar. Er will für seine Tourneen eine Orgel, die er transportieren kann und die mit einer konstanten Qualität seine Musik produziert. Zum einen kann der Musiker (als was man CC dann einfach berufsbedingt bezeichnen muss) dadurch sein persönliches Instrument mitnehmen, mit ihm "verschmelzen" wie etwa der Violinist mit seiner Geige, zum anderen eröffnet ihm eine transporable Orgel ganz andere Spielorte.

    Man stelle sich die Frage, wo die Musik heute wäre, wenn man jede Neuerung direkt so inniglich verdammt hätte wie es hier mit der Digitalorgel gemacht wird.

    Kann das die Orgel ablösen? Wohl genauso wenig wie das Klavier vom Keyboard und die Violine von ihrem elektrischen Vetter abgelöst worden ist. Elektrische Instrumente schaffen sich, wenn überhaupt, ihren eigenen Raum, z.B. die E-Gitarre.

    Aber gut, auch beim Klang des ersten prähistorischen Streichinstruments wird sicherlich jemand daneben gestanden haben und über die schrille Katzenmusik den Untergang sämtlicher Kultur prophezeit haben.
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#47 Bblaubaer
  • 25.01.2012, 20:31h
  • Deine Idee zur Digitalisierung ist leider falsch.

    Durch das Digitalisieren einer Orgel wird nicht der Musiker unnütz, geschweige denn die Orgel selbst.

    Es freut mich, dass dieses Thema solch einen Aktionismus bei dir hervorruft, und dennoch hast du das Konzept dahinter nicht verstanden. Das ist wohl auch der Grund, warum fast alle Musiker sich reaktionär dagegen sträuben.

    Noch wurde die Orgel nicht begraben, und solange noch irgendwo jemand spielt und jemand anderes zuhört, wird sie dies auch nicht. CC ist genauso wenig ein Totengräber wie die Erfinder des ebooks (Befürchtung Bücher sterben), des Smartphones (Befürchtung Kommunikation stirbt), des Fernsehers (Befürchtung des gesellschaftlichen Verfalls),...

    Ich selbst bin Organist (Kirchenmusiker) und Medienkulturanthropologe. Nur am Rande gesagt fand ich deinen Artikel leider gar nicht interessant (im Gegensatz zu anderen hier, was auch okay ist), sondern nur polemisch und subjektiv aufgeladen, so richtig schön populistisch. :)
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#48 Spruch zur NachtAnonym
  • 25.01.2012, 21:18h
  • Schuster bleib' bei Deinen Leisten - Zimmermann bleib' bei Deiner (Orgel-)Prothese !
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#49 antosProfil
  • 25.01.2012, 21:54hBonn
  • Antwort auf #47 von Bblaubaer
  • "Nur am Rande gesagt fand ich deinen Artikel leider gar nicht interessant (im Gegensatz zu anderen hier, was auch okay ist), sondern nur polemisch und subjektiv aufgeladen, so richtig schön populistisch. :)"

    So kommt mir das auch vor: schön populistisch. Die Polemik verdeutlicht Organ Experts eigene Leitdifferenz von 'echter' Kunst [die, was für ein Widerspruch, mit ihren 'gewachsenen Orgellandschaften' irgendwie naturnäher daherkommt; Natur und Kultur tragen im Zirkus der sog. Kulturkritik ja gern denselben Anzug] und schlechter Massenkultur. Statt sich dem Phänomen Digitalisierung/Carpenter auch nur versuchsweise anzunähern, zum Beispiel "behutsam".
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#50 carolo
  • 26.01.2012, 01:57h
  • Antwort auf #49 von antos
  • Und Du meinst wirklich, dieser bombastische Kitsch wird erträglicher, wenn man sich ihm "behutsam" nähert?

    Ich kann es ja nochmal versuchen, will aber nichts versprechen... ;-)

    Bis dahin noch ein Hörtipp für alle, die gern den Vergleich haben möchten:

    pipedreams.publicradio.org/

    Da gibt es im Archiv beides - unser Orgel-Rumpelstilzchen (mit Interview) und auch alle anderen. Über die Suchfunktion leicht zu finden.

    Carolo
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#51 antosProfil
  • 26.01.2012, 07:10hBonn
  • Antwort auf #50 von carolo
  • "]...] kein behutsames Eingehen auf den ganzen Reichtum einer über die Jahrhunderte gewachsenen [...]"

    Naja, das Wörtchen kommt hierher - aus dem drohend aufgerichteten Phallus von Organ Experts durchgestylter Polemik ;) [Vielleicht ein Kampf Kitsch vs. Kitsch?]
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#52 Bblaubaer
  • 26.01.2012, 10:45h
  • Worüber regen wir uns hier auf?

    Sofern es darum geht, dass Instrumente ohne Bediener spielen sollen (Ist allerdings in der Regel nicht teil einer Digitalisierung): DIese Idee ist uralt. Das erste Pianola gab es bereits 1902, eine selbstspielende Orgel steht im Technikmuseum in Speyer (Welte-Orgel), halbdigitalisierte Orgeln, welche das gespielte tatsächlich speichern können und wieder abspielen können (allerdings sind dies analoge Orgeln).... Nicht zu vergessen wären die modernen Setzeranlagen: Mittlerweile werden sie unbestritten in jede neue Orgel eingebaut und sind dabei Digitalität pur. Wobei man hier ebenfalls den Einwand bringen könnte, das der gute alte Job des Registranten flöten geht....

    EIne Orgel ist nur dann eine Orgel, wenn sie jemand nutzt (spielend oder hörend). Behüten wir die Orgel "um ihrer selbstwillen", frage ich mich um wessentwillen das sein soll.

    Um es aber nochmal zu betonen: CC geht es bei seiner Idee eigentlich um etwas anderes, wie auch schon andere hier gut bemerkt haben :)
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#53 alexander
  • 26.01.2012, 19:21h
  • mir gehen digitale bass-drums mehr auf den sack, weil diese völlig leblos sind. bin selbst ein verfechter von alten instrumenten, aber das eine sollte das andere nicht ausschliessen, zumal, wie in diesem falle, nicht jeder eine kirche, samt orgel im handgepäck hat ?
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#54 Christa KochAnonym
  • 29.01.2012, 20:24h
  • Liebe Orgelfreunde, hier ist eine Stimme aus der Zuhörerschaft von CC´s Konzerten, die Euer Herr Organ Expert am 25.1. mit seinem Beitrag an dieser Stelle sehr beleidigt hat. Übelste Publikums-
    beschimpfung weit jenseits der Grenzen von Kultur, Geschmack und Anstand. Primitiv gegen-
    über einem vorwiegend intellektuellem, musika-
    lisch nicht ganz ungebildeten Publikum, das Eure
    notentreue Kirchenmusik jahrzehntelang konsumiert hat und dies auch weiterhin tun wird,
    sofern nicht Herr O.E. am Instrument sitzt mit Wut,Haß und Angst vorm Todesstoß. Da ist die Rede von Berserkerei,Derwischen,etc.-das kommt von zuviel Youtube und zuwenig Konzert
    Der Zauber von CC´s Musik, ihre Dynamik von zarter,stiller Lyrik bis zum polyphonen Gemälde ist nur in der Gesamtheit des Konzertes zu erfassen. Das ist spannend, da kommen auch die Enkel mit und Klassik bleibt lebendig. So geht auch Ihr mal hin, bevor Ihr Euch kritisierend äußert oder Eurer Gallionsfigur zum Munde redet. Gewiß empfindet auch Ihr die Freude und Leichtigkeit, die diese Musik vermittelt. Einen Orgasmus kriegt Ihr allerdings nicht. Sonst keine weiteren Enttäuschungen: kein Mensch will Pfeifenorgeln abschaffen,niemand
    verlangt, daß Ihr spielt wie CC. Dessen Fähig-
    keiten sind einmalig, der ist eine Jahrhundert- begabung. Aber wir Zuhörer können beides, zu
    CC in den Konzertsaal kommen und zu Euch in
    die Kirchen, falls Ihr uns nicht beschimpft.
    Mit Grüßen, Dr.med.Christa Koch, Ärztin
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#55 DarmflöteAnonym
  • 02.02.2012, 18:44h
  • Antwort auf #18 von puschel tv
  • >Und für die ONS endlose Kutschfahrten im Elsass.
    Über 1200 Orgeln!

    Noch - der Herr Zimmermann weiß ja ganz genau, wie die "Weiter"entwicklung dieses Instruments aussehen soll. Die staubigen Dinger werden dann einfach abgerissen, aus den Blasebälgen ließen sich eventuell noch schicke Schühchen basteln und ne Pfeife könnte man sich in die Hose stecken zwecks Volumen. Und für noch intelligentere Aussagen zur Musikgeschichte und der Kausalverbindung Fitnesstudio-Orgelbank vielleicht ein bisschen Elfenbein lutschen.
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