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  • 31. Januar 2012 71 4 Min.

Matthias Steuckardt sieht sich (noch) nicht für Polyamorie zuständig

Der Berliner LSU-Chef Matthias Steuckardt beschreibt im queer.de-Interview, warum mit der Union gute Queer-Politik zu machen sei und was er gegen "taz"-Leser hat.

Die Berlinwahlen haben vergangenes Jahr zu einer neuen Regierungskoalition geführt. Klaus Wowereits Sozialdemokraten arbeiten in der Hauptstadt nun mit der Union zusammen, die sich in Homo-Fragen zurückhaltender als früher gibt. Im Szene-Bezirk Tempelhof-Schöneberg führt mit dem Berliner LSU-Chef Matthias Steuckardt ab sofort sogar ein CDU-Mann den neu gegründeten "Ausschuss für Frauen und Queer". queer.de-Redakteur Dennis Klein hat mit Steuckardt darüber gesprochen, welche Aufgaben ihn erwarten, warum er sich in der "homofeindlichsten" der fünf großen Parteien zu Hause fühlt, wo die Grenzen der Union liegen und was er gegen "taz"-Leser hat.

queer.de: Als Ausschuss-Chef sind Sie jetzt auch für "queere" Menschen verantwortlich. Für wen genau sind Sie zuständig?

Steuckardt: Hier muss ich aufpassen, dass ich niemand vergesse: Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans­sexuelle und Intersexuelle - gerade letzteres wird zunehmend zum Thema, auch weil es hier noch viele Berührungsängste gibt. Das Thema Trans/Inter ist einfach noch nicht so gegenwärtig in der Gesellschaft. Hier besteht erheblicher Aufklärungsbedarf.

"Queer" steht ja heutzutage auch für andere Konzepte, etwa die Polyamorie, also die Beziehung von drei oder mehr Personen. Machen Sie auch für diese Menschen Politik?

Das haben wir noch gar nicht so ausdiskutiert. Aber ich sehe das eher nicht als Aufgabe eines solchen Ausschusses. Langfristig könnte es natürlich ein Thema werden, wenn Menschen zunehmend so leben wollen. Derzeit ist das aber sicherlich kein anerkanntes Familienbild, das kann sich aber ändern.

Veränderungen gibt es gerade viele, in der Bundespolitik ist die Union beim Thema Homo-Rechte die Fraktion, die die Gleichstellung immer wieder blockiert. Fühlen Sie sich angesichts dessen in dieser Partei überhaupt wohl?

Ich weiß nicht, ob man das Blockieren nennen kann. Die Union versucht, ein traditionelles Familienbild zu schützen. Wir müssen da häufig erklären, dass gleichgeschlechtliche Partnerschaften keinen Angriff auf dieses Familienbild darstellen. Viele Funktionsträger und vor allem ganz normale Mitglieder in der CDU sagen uns bereits in Gesprächen, dass sie sich im Prinzip alles vorstellen können, auch die Öffnung der Ehe. Die Bandbreite ist bei uns riesig, das macht die Partei interessant.

Von der Forderung nach Öffnung der Ehe habe ich aber noch nichts aus der Union gehört.

Das würde gerade auch keiner offen auf der Bühne sagen. Wenn sie das täten, würden sie von der Szene wahrscheinlich nur die Forderung nach mehr zu hören bekommen, aber aus unserer Fraktion würden die Hardliner diesen Politiker kritisieren. Das macht es natürlich schwieriger. Bei der Frage der Öffnung der Ehe gibt es ja auch in der LSU keinen Konsens. Wir fordern die Gleichstellung von eingetragenen Partnerschaften mit der Ehe, aber nicht ausdrücklich die Öffnung. Für mich ist die Ehe eigentlich auch eine Verbindung zwischen Mann und Frau. Mit dieser Vorstellung bin ich aufgewachsen. Hier besteht aber natürlich noch Diskussionsbedarf, übrigens auch innerhalb der Szene. Ich sehe nicht, dass alle Lesben und Schwulen hinter der Forderung nach einer Ehe-Öffnung stehen.

In Schweden hat ja eine konservative Regierung die Ehe für Schwule und Lesben geöffnet. Ist das auch in Deutschland möglich?

Nach einem Diskussionsprozess ist das möglich, aber ich kann mir das hier nicht vorstellen.

In welchen Bereichen können Homo-Paare dann in diesem oder im nächsten Jahr gleichgestellt werden?

Nach den aktuellen Urteilen muss das Einkommensteuerrecht angepasst werden. In Teilen der Union wächst auch die Unzufriedenheit darüber, dass das Finanzministerium das bisher nicht in Angriff genommen hat. Erst das Urteil eines Gerichts abzuwarten ist kein guter Stil. Es ist Aufgabe der Politik zu gestalten und nicht die Aufgabe von Gerichten.


LSU-Wagen auf dem CSD (hier in Stuttgart) (Bild: Wiki Commons / Ecelan / CC-BY-SA-3.0,2.5,2.0,1.0GFDL)

Von den fünf großen Parteien hat die Union am meisten Probleme mit der Gleich­behandlung von Schwulen und Lesben. Warum sind Sie als offen schwuler Mann dann ausgerechnet in diese Partei eingetreten?

In der LSU sagt man, das ist wie ein Blumenstrauß, in dem eine Blume welk ist. Weil mir dieser Blumenstrauß aber sonst gefällt, setze ich mich dafür ein, diese welke Blume zu entfernen und kaufe mir keinen neuen Strauß. Meine Begeisterung für die CDU hängt vor allem mit der Wende 1989/90 zusammen. Ich komme aus Thüringen, damals war ich zehn Jahre und habe hautnah miterlebt, welche Veränderung durch Politik möglich ist. Hier hat mich der Einsatz von Helmut Kohl und der CDU am meisten beeindruckt.

Was unterscheidet in Ihrem Empfinden heute die CDU positiv von anderen Parteien?

In der CDU schätze ich die Werte, die sie vertritt und den Respekt, der Individuen entgegengebracht wird. Ich erkläre das an einem Beispiel: Wenn einem in der S-Bahn jemand mit einem Fahrrad über die Hacken fährt und sich nicht entschuldigt, kann man fast sicher sein, dass er gleich eine "taz" auspackt. Das bedeutet natürlich nicht, dass alle "taz"-Leser so sind, es ist aber eine Tendenz. Der Respekt gegenüber anderen - zum Beispiel einfach mal danke oder bitte zu sagen - ist in der CDU weiter verbreitet als anderswo.

-w-

#1 MariaRatzinger
  • 31.01.2012, 09:19hMünster
  • "Wir fordern die Gleichstellung von eingetragenen Partnerschaften mit der Ehe, aber nicht ausdrücklich die Öffnung. Für mich ist die Ehe eigentlich auch eine Verbindung zwischen Mann und Frau. Mit dieser Vorstellung bin ich aufgewachsen. "

    Dies ist eine sehr vernünftige Position!

    Die LSU sollte eine gesunde Alternative zu den seltsamen Forderungen der übrigen Schwulenbewegung darstellen.
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#2 decisionneurotic
  • 31.01.2012, 09:23h
  • das mit dem fahrrad und der taz hat er nicht gesagt, oder? gibt es ja wohl nicht.

    da sieht man wieder, die cdu schätzt nicht nur alte werte sondern ist nicht in der Lage Vorurteile abzubauen. Und diese Partei diskutiert "intern" die Gleichstellung? Ich lache! Wieso überhaupt ist es ein Frauen und Queer-Ausschuss und kein Gleichstellungsausschuss. Diese Blasphemie...
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#3 Timm JohannesAnonym
  • 31.01.2012, 09:43h
  • Die FDP ist zu Oppositionszeiten lautstark damit angetreten, in Regierungsverantwortung die Gleichstellung in der Einkommenssteuer durchzusetzen. Sollte dies die FDP nicht bis 2013 durchsetzen, wird sie unter die Fünf-Prozent stürzen, weil sie keine Wählerstimmen homosexueller Menschen erhält.

    Und die CDU/CSU sollte sich schämen, dass sie immer noch die Gleichstellung in der Einkommenssteuer blockiert.

    2013 wird daher die CDU/CSU und insbesondere die FDP aufgrund gebrochener Wahlversprechen bei der Gleichstellung in der Einkommensssteuer abstürzen.

    Nur wenn die FDP gemeinsam bis 2013 die Gleichstellung in der Einkommenssteuer durchbringt, hat die Regierungskoalition eine Chance bei homosexuellen Wählern -andernfalls aber dürften Grüne, SPD und Linkspartei die Wählerschaft der homosexuellen Menschen komplett abräumen und das dürfte vor allem der FDP gewaltig 2013 Stimmen kosten.

    Daher FDP und die Regierung sind gut beraten, wenn sie bis 2013 die Gleichstellung in der Einkommenssteuer umsetzen.
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