Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?15870
  • 03. Februar 2012 8 2 Min.

Weinbergers Schwarz-Weiß-Fotografie "Fischer mit Hut" entstand ca. 1960 auf Sizilien (Bild: The Estate of Karlheinz Weinberger in care of Patrik Schedler, Zürich)

Karlheinz Weinberger veröffentlichte seine Männer-Fotografien ab den 1940er Jahren in der Homo-Zeitschrift "Der Kreis" - das Museum für Gegenwartskunst in Basel widmet ihm eine Ausstellung.

Von Carsten Weidemann

Die Fotografien von Karlheinz Weinberger (1921-2006) werden nur selten gezeigt. Um so mehr ist Museum für Gegenwartskunst in Basel dafür zu loben, dass es dem schwulen Künstler eine eigene Ausstellung widmet. Zusammen mit Magazinen und einer Auswahl von Vintagekleidung dokumentiert es eine Jugendkultur in Zürich, die sich in der Folge des Zweiten Weltkrieges bildete, um die zeitgenössischen Vorstellungen von "Schweizer Korrektheit" zu untergraben.

Die meiste Zeit seines Lebens arbeitete Weinberger als Lagerist bei Siemens-Albis in Zürich. In seiner Freizeit widmete er sich als Autodidakt der Fotografie, und portraitierte seine Liebhaber und Menschen auf der Strasse. Ab den späten 1940-er Jahren veröffentlichte er unter dem Pseudonym "Jim" seine Fotografien regelmässig in der international beachteten Homo­sexuellen-Zeitschrift "Der Kreis" (erschienen von 1943 bis 1967 in Zürich). 1958 begann er die Arbeit an einem grösseren Projekt, für das er eine Gruppe Teenager, die so genannten Halbstarken, über einen längeren Zeitraum hinweg fotografierte.

Der Fotograf in der Rolle des vertrauten Fremden

Mit einem immer respektvollen Blick fing Weinberger den Nonkonformismus der "Halbstarken" gegenüber den gesellschaftlichen Konventionen sowie deren Spiel mit maskulinen und femininen Stereotypen ein, das sie am augenscheinlichsten durch ihre Art sich zu kleiden veräusserten. Mit bestickten Jeansjacken und überdimensionierten Gürtelschnallen mit dem Konterfrei von Idolen wie Elvis oder James Dean, präsentieren sich die Heranwachsenden in Gang-artiger Manier an öffentlichen Plätzen. Fotografien, wie jene vom Zürcher Knabenschiessen auf dem Albisgütli, zeigen sie am Boden liegend, zwischen Jahrmarktständen und Kleintransportern, und veranschaulichen die Unangepasstheit der "Halbstarken" gegenüber dem traditionsreichen Zürcher Volksfest.

Neben den Fotografien im öffentlichen Raum fotografierte Weinberger in seinem improvisierten Wohnzimmerstudio. In spärlicher Bekleidung posieren vornehmlich junge Männer, mal in selbstbewusster Pose mit kurzen Jeans-Shorts und Hut, mal verletzlich kauernd in die Kamera blickend. Weinberger nimmt dabei die Rolle eines "Intimate Stranger" ein, eines vertrauten Fremden, der die Haltung einer Generation und deren periphere gesellschaftliche Positionierung unvermittelt einfängt und die Fotografien der Objekte seiner Faszination im eigenen Fotolabor entwickelt.

Während seines langjährigen Schaffens bildete Weinberger ab, was hinter den Kulissen der bürgerlichen Schweiz der 1960-er Jahre verborgen lag, und verstand es, das Konzept der Andersartigkeit zu dokumentieren, ohne die Protagonisten zur Schau zu stellen.

Noch bis 15. April 2012 im Museum für Gegenwartskunst, St. Alban-Rheinweg 60, 4010 Basel, Schweiz, Öffnungszeiten: Di-So 11-18 Uhr, Mo sowie vom 27.-29.02. geschlossen

-w-

#1 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 03.02.2012, 17:55h
  • Ein Stück schwule Zeitgeschichte in Bildern!
  • Direktlink »
#2 DaveAnonym
  • 04.02.2012, 08:28h

  • BestImmt eine interessante Ausstellung
  • Direktlink »
#3 Leo20mal6Anonym