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- 10. Februar 2012 3 Min.

Das Gesetz soll die Zahl von Adoptionen durch Homosexuelle reduzieren (Bild: nerdcoregirl / flickr / by-sa 2.0)
Ein Gesetz aus Virginia entsetzt Homo-Aktivisten und das Weiße Haus: Dort dürfen Adoptionsvermittlungen künftig aus religiösen Gründen Homo-Paare ablehnen.
Das Gesetz ist am Donnerstag im Senat mit 22 gegen 18 Stimmen verabschiedet worden. Bereits letzte Woche hatte das Repräsentantenhaus den Entwurf mit 71 zu 28 Stimmen verabschiedet. Alle Republikaner und einige Demokraten stimmten in beiden Häusern für den Entwurf. Der republikanische Gouverneur Bob McDonnell hat bereits angekündigt, das Gesetz unterschreiben zu wollen. Ein ähnliches Gesetz war zuvor in North Dakota beschlossen worden.
Die Neuregelung nimmt Homosexuelle, die adoptieren wollen, ausdrücklich von den Antidiskriminierungsrichtlinien aus. Private oder kirchliche Adoptionsvermittlungen dürfen demnach Homo-Paare wegen "religiösen oder moralischen Überzeugungen" ablehnen. Die Republikaner argumentierten, dass dadurch die Religionsfreiheit und das Interesse der Kinder gewahrt bleibe.
Gegner argumentieren, dass die neue Regelung lediglich die Rechte von Homosexuellen einschränken solle: "Das Gesetz richtet sich besonders gegen junge Schwule, Lesben und Bisexuelle, die besonders oft auf ein neues Zuhause warten. Jetzt wird den Adoptionsvermittlungen erlaubt, diese an Eltern abzugeben, die Homosexualität grundsätzlich ablehnen", erklärte der demokratische Senator Adam Ebbin, der einzige offen schwule Abgeordnete in Virginia.
Auch das Weiße Haus, das sich sonst selten zu regionalen Gesetzesinitativen äußert, kritisierte den Entwurf aus Virginia: "Der Präsident weiß, dass Adoptionsfamilien sehr verschieden sein können und dass wir erreichen müssen, dass möglichst alle Kinder qualifizierte Bezugspersonen erhalten", erklärte Obama-Sprecher Shin Inouye.
25 Prozent der Waisenkinder wächst in Heimen auf
Die Kinderschutzorganisation Child Welfare League of America kritisierte das Gesetz ebenfalls: "Diese Kinder mussten schon so viel durchmachen", erklärte Christine James-Brown, die Vorsitzende des Vereins. "Es ist grausam, dass man ihnen ein sicheres Zuhause in einer qualifizierten Familie verweigert, weil die religiösen und moralischen Ansichten anders sind als die einer Adoptionsvermittlung." Die Gruppe "Childrens Rights" schätzt, dass mehr als ein Viertel der Waisenkinder in Virginia in Heimen und nicht in einer Familie aufwächst. Diese Kinder, so die Organisation, würden später mit weit höherer Wahrscheinlichkeit an psychischen Krankheiten leiden oder kriminell werden als Kinder, die in Familien untergebracht werden. Es gibt mehreren Studien zufolge "keine signifikanten Unterschiede" zwischen Adoptivkindern, die bei Homo- oder Heteropaaren aufwachsen (queer.de berichtete).
Besondere Lobbyarbeit für die Gesetzesänderung hat die katholische Kirche geleistet, die auch in anderen US-Bundesstaaten gegen Homo-Rechte vorgeht. So schloss die Kirche in Washington D.C. einen Sozialdienst für Pflegekinder, weil die Stadt die Ehe für Schwule und Lesben geöffnet hatte (queer.de berichtete). Auch hatte die Kirche damit gedroht, Obdachlosenheime zu schließen, wenn das Parlament homofreundliche Gesetze verabschiedet (queer.de berichtete).
In den USA ist die gesetzliche Lage dennoch besser als in Deutschland, wo Adoptionen durch gleichgeschlechtliche Paare generell verboten sind. Lediglich die Stiefkindadoption ist möglich, also die Adoption des leiblichen Kindes des Partners. Auch Einzelpersonen dürfen adoptieren, es hat allerdings viele Nachteile für das Kind, wenn nur ein Partner eines gleichgeschlechtlichen Paares diesen Schritt wagt: So ist es mit einem seiner Elternteile nicht verwandt, was bei Erbschaften zu höheren Steuern führt oder beim Tod des Adoptivelternteiles zu rechtlicher Ungewissheit. (dk)















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www.advocate.com/News/Daily_News/2012/02/09/Md_Religious_Lea
ders_Want_Marriage_Equality
Da ist selbst die us-amerikanische Advocate neutraler und berichtet sowohl die negativen als auch positiven Meldungen aus dem Sektor Religion. Schade liebe Queer-Autoren Ihr berichtetet religionsthematisch sehr einseitig und das ist mir schon seit Jahren bei Euch aufgefallen.