Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?15968
  • 21. Februar 2012 12 4 Min.

Studien zufolge gibt es ein erhöhtes Suizidrisiko unter homo­sexuellen Jugendlichen (Bild: Digiart2001 | jason.kuffer / flickr / by-sa 2.0)

Felix Imhofs und Mario Mylls Roman "Wenn kleine Wölfe heulen ... und sie niemand hört" - die Fortsetzung von "Marderbach - Mörderbach" - thematisiert Suizid unter homo­sexuellen Jugendlichen.

Von Angelo Algieri

Suizid bei Jugendlichen, die aufgrund ihrer Homosexualität gemobbt werden, ist eine traurige Tatsache. Nicht nur in den USA, wo es in den letzten Monaten zu gehäuften Selbstmorden kam (queer.de berichtete), auch im deutschsprachigen Raum gibt es ein erhöhtes Suizidrisiko unter homo­sexuellen Jugendlichen: Wie eine Studie analysierte, liegt sie vier- bis siebenmal höher als bei gleichaltrigen heterosexuellen Jugendlichen.

Um die Themen Homosexualität und Suizid geht es auch im Jugendroman "Wenn kleine Wölfe heulen ... und sie niemand hört" vom bewährten Autorenduo Felix Imhof und Mario Myll. Der zweite Band um den Protagonisten und Jugendlichen Rafael (queer.de rezensierte den ersten Band Marderbach - Mörderbach) ist ebenfalls im Schweizer Verlag Edition Lan erschienen.

Zu Beginn der 1990er Jahre kommt der mittlerweile 13-jährige Rafael nach einem Heimaufenthalt in der Pflegefamilie Feuz in Walchwil, in der Nähe der Stadt Zug, unter. Die wohlhabende Familie hat zwei Söhne. Der ältere und 16 Jahre alte Rodney hat es faustdick hinter den Ohren. Vor den Eltern ist er ein Lämmchen.,Doch wenn er mit Rafael allein ist, "experimentiert" er mit ihm. Rodney erpresst ihn, testet seine Loyalität aus, und bei Nichteinhaltung wird er bestraft. Auf der anderen Seite ist Rodney der einzige, der Rafael versteht: Er merkt sofort, dass der Neue in der Familie schwul ist und dass er auf den Mitschüler Wolfgang steht...

Die wütende Mutter prügelt auf Wolfi ein wie eine Furie


Homosexualität im Jugendroman: Wolfi geht mit seinem Schwulsein sehr offensiv um - bis die Mutter ausrastet und Rafael sich von ihm abwendet

Wolfgang, Wolfi genannt, ist später in die Klasse gekommen - Rafael und einige der Mitschülerinnen finden ihn interessant und sexy. Auf der Geburtstagsparty seines zwei Jahre jüngeren Stiefbruders Chris kommen sie sich näher, verbringen darauf viel Zeit miteinander, küssen sich. Und bald haben sie auch Sex miteinander - bei einem Skiaufenthalt, den sie gemeinsam mit Wolfis Eltern verbringen. Die beiden gehen mit dem Schwulsein sehr offensiv um: Sie halten im Bergdorf Händchen, küssen sich vor der Bäckerei - und Wolfi erzählt beim Frühstück den Eltern, dass er schwul ist und Rafael sein Freund.

Das war zu viel: Die wütende Mutter prügelt auf Wolfi ein wie eine Furie. Rafael flüchtet und wird von der Pflegemutter abgeholt. Steht das Beziehungsglück nun auf der Kippe? Für Rafael ist Wolfi einfach zu aggressiv, zu selbstbewusst. Außerdem ist er sich nicht sicher, ob er wirklich schwul ist. Denn Michèle hat sich in ihn verguckt. Wolfi ist eifersüchtig. Schließlich macht Rafael Schluss mit ihm.

Das trifft Wolfi hart und er wird von der Klasse immer mehr isoliert. Rafael hingegen steigt zu den Coolen auf. Vor allem als er mit Michèle beim Fummeln erwischt wird. Doch auf Klassenfahrt im Schweizer Jura kommen Rafael und Wolfi wieder zusammen - nach leidenschaftlichem Outdoor-Sex. Doch dann unternimmt Wolfi einen Suizidversuch...

Ein Roman, der an jeder Schule gelesen werden sollte


Bereits im Vorgänger-Roman "Marderbach - Mörderbach" des Autoren-Duos Imhof und Myll ging es um das Thema Coming-out

Den Autoren Imhof und Myll gelingt es erneut meisterlich, eine spannende und einfühlsame Geschichte zu erzählen. Wie im ersten Band fühlen sie sich in das Denken und Handeln des Ich-Erzählers und Jugendlichen Rafael bestens ein. Leider verzichten sie wieder auf intime Körperlichkeit. Allerdings ist hervorzuheben, dass die anderen Figuren ambivalenter und facettenreicher gezeichnet sind. Das Gut-Böse-Schema ist glücklicherweise allen Figuren nicht zuordenbar.

Vom Inhalt her macht diese Story zweierlei deutlich: Zum einen wie eine homo­sexuelle Beziehung unter Jugendlichen aufgrund sozialer Normen zerbricht. Ignoranz, Vorurteile und Unbeholfenheit von Lehrern tragen dazu bei. Zum anderen zeichnen die Autoren genau nach, wie subtil die Gemeinschaft eine Hetero-Anpassung des Einzelnen fordert: Rafael glaubt zwischenzeitlich, mit einer Freundin besser zu fahren, da er sieht, wie viele Probleme das Schwulsein bringt. Allerdings merkt er bald, dass er weiterhin Wolfi liebt. Doch dieser hat den Entschluss schon längst gefasst: Obwohl er Rafael auch liebt, möchte er als Schwuler nicht weiter leben.

Wie Wolfi ergeht es leider vielen homo­sexuellen Jugendlichen. Laut einer Statistik hat jeder zweite homo­sexuelle Jugendliche an Selbstmord gedacht. Somit ist der symbolische Wert dieses Buches hoch anzurechnen. Ob mit diesem Buch wenigstens ein Jugendlicher vom Selbstmord bewahrt werden kann, wie die Autoren sich im Nachwort erhoffen, ist fraglich, aber wünschenswert. Dazu müsste aber dieser Roman an die Stellen gebracht werden, wo Jugendliche sind: in die Schulen. Trauen sich Lehrer das Thema freiwillig anzusprechen, wenn etwa "schwul" als Schimpfwort in den Pausenhöfen gebraucht wird? Klar ist: Es bedarf mutiger, umsichtiger Lehrer und einen Lehrplan, der queere Jugendliteratur zulässt und vorschreibt.

Der Publizist Imhof und der 20-jährige Psychologie-Student Myll bieten mit dieser Lektüre eine treffende Diskussions-Grundlage!

Felix Imhof/Mario Myll: Wenn kleine Wölfe heulen ... und sie niemand hört, Roman, 256 Seiten, Edition Lan, Bäretswil 2012, 19,95 €, ISBN 978-3-906691-60-2.

Informationen zu Amazon-Affiliate-Links:
Dieser Artikel enthält Links zu amazon. Mit diesen sogenannten Affiliate-Links kannst du queer.de unterstützen: Kommt über einen Klick auf den Link ein Einkauf zustande, erhalten wir eine Provision. Der Kaufpreis erhöht sich dadurch nicht.

-w-

#1 FoXXXynessEhemaliges Profil
#2 KritikerAnonym
#3 leserAnonym
  • 21.02.2012, 23:22h
  • gut das sich jemand dieses (tabu)themas annimmt und darüber schreibt.
  • Direktlink »