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Rede für Neonazi-Opfer
Merkel vergisst Schwule und Lesben
- 23. Februar 2012 2 Min.

In einer Rede hat sich Bundeskanzlerin Angela Merkel am Donnerstag in Berlin bei den Angehörigen der Neonazi-Mordserie entschuldigt. "Die Morde sind eine Schande für unser Land", erklärte die Kanzlerin in einer bewegenden Ansprache. Sie rief darin auch dazu auf, dass in Deutschland alle Menschen friedlich zusammenleben sollten und niemand vorverurteilt werden sollte. Interessant ist ihre Aufzählung von Gruppen, die zu diesem Land gehören, aber noch Diskriminierung erfahren. In der 22 Minuten dauernden Rede sagte sie, man gehe gegen die entschieden vor, "die andere wegen ihrer Herkunft, Hautfarbe, Religion verfolgen". Sexuelle Minderheiten ließ die Kanzlerin aber aus:
Wir leben hierzulande von Verschiedenheit, von den unterschiedlichsten Lebenswegen. Deutschland - das sind wir alle; wir alle, die in diesem Land leben; woher auch immer wir kommen, wie wir aussehen, woran wir glauben, ob wir stark oder schwach sind, gesund oder krank, mit oder ohne Behinderung, alt oder jung.
In der gleichen Rede beklagt Merkel interessanterweise auch die Gleichgültigkeit, die "eine schleichende, aber verheerende Wirkung" habe.
Die Opfer des rechten Terrors haben hierfür offenbar ein besseres Gespür. So erklärte die 25-jährige Semiya Simsek, deren Vater 2000 an seinem Blumenstand erschossen worden war, in der selben Veranstaltung:
In unserem Land, in meinem Land, muss sich jeder frei entfalten können, unabhängig von Nationalität, Migrationshintergrund, Behinderung, Geschlecht oder sexueller Orientierung.
Leider kehrt die couragierte Frau Deutschland den Rücken: Simsek will nach wiederholten Demütigungen im Sommer in die Türkei auswandern. Die 25-Jährige litt jahrelang an den Verdächtigungen der deutschen Polizei, die stets vermutete, dass der Vater mit Drogen gehandelt und deshalb von anderen anderen Kriminellen erschossen worden war. Freunde und Familienangehörige hatten sich wegen der haltlosen Anschuldigungen von der Familie abgewandt. (dk)















Merkel ist die Chefin einer konservativen Partei, deren inhaltliche Positionen sie in einem wirklich atemberaubenden Tempo mehr oder minder modernisiert hat. Dafür erntet sie bereits parteiinternen Widerstand, bspw. im Berliner Kreis.
Die totale Ablehnung von Homosexuellen ist eine der letzten, erzkonservativen Positionen, die die Union noch hat: Merkel kann mit dieser Haltung einerseits ihre internen Kritiker beruhigen und andererseits beim homophoben Teil der Bevölkerung auf Stimmenfang gehen, weil keine andere Partei uns noch derart ablehnend gegenüber steht.
Merkel wird die Ablehnung von Homosexuellen nicht aufgeben, selbst wenn sie persönlich anderer Auffassung sein sollte oder es nur um einen Aufruf zu Toleranz und Akzeptanz geht.
Hört auf, Mutti zu unterschätzen: sie ist nicht schusselig, nicht vergesslich - sie will ihre Macht erhalten.