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  • 01. März 2012 19 2 Min.

Will das Münchner Jugendamt lesbische und schwule Pflegeeltern abschrecken? (Bild: Wiki Commons / Plywak / CC-BY-SA-2.0)

In der bayerischen Landeshauptstadt müssen homo­sexuelle Paare, die eine Pflegefamilie bilden wollen, ein so genanntes Zusatzblatt mit intimen Fragen ausfüllen.

Auf dem bundesweit vermutlich einmaligen Homo-Fragebogen
sollen die Bewerber u.a. Angaben über die Reaktionen des sozialen Umfeldes auf ihre Homosexualität machen. Außerdem müssen sie offenbaren, ob es jemanden gibt, dem sie ihre Partnerschaft verheimlichen und dies gegebenenfalls begründen. Die schwul-lesbischen Paare sollen ferner darlegen ob es aus ihrer Sicht einen Unterschied macht (für sie selbst, das Kind und die Herkunftsfamilie), wenn das Kind zu einem gleich­geschlechtlichen Paar vermittelt wird. Für heterosexuelle Bewerber gibt es keinen entsprechenden Fragebogen.

Der Münchner Stadtrat Thomas Niederbühl von der Rosa Liste verlangte die sofortige Einstellung dieser Praxis. "Die Einführung dieses Fragebogens vermittelt den Eindruck, dass es im Stadtjugendamt keinerlei Bewusstsein für die Tragweite und Bedeutung einer solchen Sonderbehandlung einer über weite Epochen der Geschichte verfolgten Minderheit gibt", sagte Niederbühl: "Dieses Zusatzblatt stellt eine massive Verletzung aller Anti­diskriminierungsbestrebungen der letzten Jahre dar. Eine solch diskriminierende Haltung widerspricht völlig der erfolgreichen Gleichstellungspolitik der letzten Jahre."

Die rosa liste fragt nach der Rechtsgrundlage


Politisch verantwortlich für das Zusatzblatt: Sozialreferentin Brigitte Meier (SPD) (Bild: SPD München)

Darüber hinaus forderte Niederbühl umfassende Aufklärung über die Rechtsgrundlage für dieses Vorgehen. Darüber hinaus soll die Stadtverwaltung offen legen, ob entsprechende Fragebögen auch für andere Minderheiten wie etwa Menschen mit Behinderung oder Menschen mit Migrationshintergrund bestehen und mit welcher Methode die Antworten ausgewertet wurden.

Auch die Grünen, die mit der Rosa Liste eine gemeinsame Fraktion bilden, kritisierten das Zusatzblatt. "Aus der vom Bundesjustizministerium herausgegebenen Studie 'Kinder in gleich­geschlechtlichen Lebenspartnerschaften' geht klar hervor, dass sich Kinder in solchen Familien bestens entwickeln können", heißt es in der Stellungnahme der Fraktionsvorsitzenden Lydia Dietrich: "Offenbar ist dieser Kenntnisstand noch nicht bis ins Münchner Jugendamt vorgedrungen, wo gleich­geschlechtlichen Pflegeeltern mit diesem Fragebogen spezielle Defizite und Probleme unterstellt werden." Die Grünen-Chefin vermutet: "Anscheinend werden diese Bewerber vom Jugendamt besonders kritisch betrachtet und sollen jedenfalls nicht ermutigt werden."

Pikant an dem bayrischen Lokalskandal: Die Fraktion Die Grünen - Rosa Liste stellt 12 von 80 Sitzen im Münchner Stadtrat und bildet zusammen mit der SPD (33 Sitze) die Münchner Stadtregierung. Politisch verantwortlich für das Zusatzblatt ist die sozialdemokratische Sozialdezernentin Brigitte Meier. (cw)

-w-

#1 ClaudiaAnonym
  • 01.03.2012, 16:45h
  • Die sollen doch froh sein, wenn es vernünftige und liebende Menschen gibt, die Pflegekinder aufnehmen wollen. Stattdessen wird weiter diskriminiert und erniedrigt. Übel.
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#2 SaskiaAnonym
  • 01.03.2012, 18:41h
  • Ein Wahnsinn!!

    Das gibt es aber nicht nur in München!
    Auch im "ach so toleranten und weltoffenen Köln" liegt da einiges im argen.

    Als lesbischen, oder auch schwules Paar hat man da echt zu kämpfen
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#3 MariaRatzinger
  • 01.03.2012, 18:55hMünster
  • Dieser Fragebogen ist sehr sinnvoll. Es kann doch wohl keiner abstreiten, dass es -leider- immer noch Diskriminierungen von Schwulen und Lesben gibt und sich deshalb viele von ihnen aus der Gesellschaft zurück ziehen. Es mag sogar im Einzelfall schwule oder lesbische Paare geben, die aus dieser Isoliertheit heraus Kinder aufnehmen wollen. Für Kinder aber ist es wichtig, dass sie mit den verschiedensten Menschen zusammen kommen und nicht nur mit den schwulen bzw lesbischen Freunden/Innen ihrer Pflegeeltern.
    Dieses reflexartige Geschrei über eine angebliche Diskriminierung nervt nur noch!
    Auch diese Frage muss man vorrangig aus Sicht des schwächsten Teils betrachten, und das sind nunmal die Kinder. Das Jugendamt trägt die Verantwortung, dass die Kinder optimal untergebracht werden.
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