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Don´t ask, don´t shoot
Homo-Gurke für Schützenbruderschaft
- 12. März 2012 3 Min.

Nicht nur die Schützenbruderschaft eignet sich ideal zum Konservieren.
Der katholische Schützenverband hat am Sonntag mehrheitlich dafür gestimmt, dass an der Seite eines schwulen Schützenkönigs bei offiziellen Anlässen nur eine Frau sein darf.
Von Christian Scheuß
Ob sich Franz Fürst und Altgraf zu Salm-Reifferscheidt-Dyck, der erste "Hochmeister" vom "Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften" wohl in den vergangenen Monaten deutlich vernehmbar im Grabe gedreht hat? Da schießt im Sommer 2011 nicht nur ein schwuler Mann im westfälischen Münster bei der Bruderschaft St-Wilhelmi-Kinderhaus den Vogel ab! Nein, der erdreistet sich auch noch, bei den Festivitäten seinen Lebenspartner an der Seite zu haben! Ob das mit dem bis heute geltenden Motto "Für Glaube, Sitte, Heimat" zu vereinbaren ist?
Ganz offensichtlich nicht. Der katholisch "unterwanderte" Dachverband mit seinen insgesamt 300.000 Mitgliedern hat - wie angekündigt (queer.de berichtete) - im Märzen anno 2012 beschlossen: Schwul sein darf man auch als Schützenbruder, nur zeigen darf man es nicht. "Das öffentliche Auftreten als gleichgeschlechtliches Königspaar oder Prinzenpaar ist mit der christlichen Tradition der Bruderschaften nicht vereinbar", heißt es in dem am Sonntag in Leverkusen auf der Bundesvertreterversammlung beschlossenen Antrag. Das Votum ist eindeutig: 450 stimmten dafür, nur 28 dagegen, 18 enthielten sich.
Homosexuelle Emanzipation in der Höhle des Spießer-Löwen

Der Schützenbund publiziert Schriften, die in "jede Schützenfamilie gehören" (Bild: bund-bruderschaften.de)
Nun mag Franz Fürst wieder Ruhe geben in der Gruft, und wäre es beispielsweise das Jahr 1960, könnte man das Ganze mit einem tuntigen Achselzucken abtun: Selbst schuld, wenn sich ein Schwuler in die Höhle des Spießer-Löwens begibt, was soll man da anderes erwarten? DAFÜR haben wir schließlich nicht gekämpft.
Aber was immer man auch von einer Freizeitbeschäftigung halten mag, in der man Holzfiguren auf hohen Stangen durch stundenlanges Beschießen mit kleiner Munition herunterholt, bei der man das richtige Fahnenschwenken nach Rheinischer Art erlernen kann; Bei einem Verband, der einem das Schützen-Betbuch ans Herz legt, weil es "in jede Schützenfamilie gehört": Hier wird eine weitere Diskriminierung-Front der katholischen Kirche aufgemacht. In Tarnfarben gestrichen natürlich, denn wie ein Sprecher des Bundes betonte: "Wir diskriminieren keine Homosexuellen". Nun ja....
Der schwule Schützenkönig Dirk Winter, der seinen Partner Oliver Hermsdorf mit Einverständnis seines lokalen Vereins zur Königin erkor, war sich bewusst, dass dies (noch) etwas Ungewöhnliches war (queer.de berichtete). Diesen Beschluss können beide jedoch nur als persönliche Demütigung auffassen. Schwul sein ist für die Mehrheit seiner Mitbrüder nur dann ok, wenn es unter der Decke bleibt. Öffentliche Auftritte als König sind nur dann möglich, wenn man das Versteckspiel mitmacht. Die Königin selbst darf dabei aber ruhig lesbisch sein.
Dem Erotik-Fachhandel empfehlen wir, in der Reihe aufblasbarer weiblicher Puppen künftig noch ein Modell "Schützenkönigin" ins Portfolio aufzunehmen. Wir schließen uns außerdem der Forderung von Volker Beck an, dass sich nun die Antidiskriminierungsstelle des Bundes einschalten sollte.
Ansonsten überreichen wir hiermit feierlich an den "Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften", der den Schuss ganz offensichtlich nicht gehört hat, die wohlverdiente Homo-Gurke...
Links zum Thema:
» Website des Bundes der Bruderschaften














