Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?1609
  • 03. September 2004 24 3 Min.

Die Psychotherapeutin, Autorin und Mitherausgeberin des "Rheinischen Merkurs" warnt vor den "Gefahren der homosexuellen Lebensweise".

Von Dirk Jung

Mit fast 80 Jahren ist man nicht mehr ganz so schnell – auch nicht Christa Meves, die berühmte Psychotherapeutin, Autorin und Mitherausgeberin des "Rheinischen Merkurs". Dennoch schafft sie es, mit einem Kommentar in der "Tagespost" noch mal das Sommerloch-Thema "Homokunde" aufzugreifen. Und natürlich würde sie nicht unsere Homo-Gurke bekommen, hätte sie sich sachlich und in Maßen mit dem Thema beschäftigt.

Aufklärung über Homo- und Heterosexualität, das ist für Meves (bisher 96 Buchpublikationen, Gesamtauflage in deutscher Sprache fünf Millionen) in erster Linie ein "Kampf um die Beeinflussung von Jugendlichen an staatlichen Schulen", mindestens genauso schlimm wir die Einführung des Sexualkundeunterrichts Anfang der siebziger Jahre. Nun fürchtet Meves sogar, dass die Deutschen aussterben könnten: "Wenn denn erst Homokunde in den Schulen erfolgreich 'flächendeckend' eingeführt ist, können wir damit rechnen, dass noch mehr Jungen und Mädchen unter der jetzt bereits zusammengeschmolzenen Schar der Jugendlichen in der normalen, entwicklungsbedingten homoerotischen Phase stecken bleiben und es manche auch in dieser 'Spielart' mit anderen freimütig geouteten Mitschülern proben werden, ja, womöglich dabeibleiben – auf jeden Fall aber, mit der Vorstellung im Kopf, 'andersrum' zu sein, es von vornherein aufgeben, weiterhin die Gründung von Familie im eigenen Lebensplan zu haben."

Immerhin widerspricht sich die Kinderpsychologin in ihren geschwurbelten Ausführungen selbst: Wenn es denn eine "entwicklungsbedingte homoerotische Phase" gibt, die "normal" ist, warum kann diese Phase nicht ein Leben lang anhalten? Wie kann Meves behaupten, dass diese Phase eine zeitliche Begrenzung haben muss? Es gibt sehr viele schwule Männer, die berichten, schon lange vor der Pubertät sexuelle Phantasien mit dem gleichen Geschlecht gehabt zu haben. Dies ist kein Nachweis, dass Homosexualität angeboren sein muss, woran Meves nicht glaubt. Eher ein Hinweis. Aber ob Homosexualität angeboren ist oder nicht, interessiert sowieso weniger die Schwulen und Lesben als Heteros…

Um "unschuldige Kinder ohne Lebenserfahrung" zu retten, würde Christa Meves "Homokunde" zumindest in den Abgangsklassen erlauben, freilich nur, wenn dort die "Wahrheit" über die Schwulen verkündet würde. Die verwechselt die Autorin allerdings mit dem "Wissen über die Gefahren, die mit homosexueller Lebensweise verbunden sind, über die vermehrte Ansteckungsmöglichkeit mit Aids und Hepatitis C, über den unzureichenden Schutz von Kondomen, über die so viel geringere Lebenserwartung von homosexuell lebenden Männern, über die innere Unruhe, die auch dann nicht weicht, wenn alle Menschen sie deshalb besonders anerkennenswert fänden, weil sie homosexuell sind."

Unruhig werden wir eigentlich nur, wenn wir solche abstrusen Kommentare einer bekannten Psychotherapeutin lesen. Für Christa Meves deshalb die "Homogurke" und an die lieben Kolleginnen und Kollegen an den Schulen folgende Bitte: Outet euch, zeigt, dass es selbstbewusste fröhliche Lesben und Schwule gibt, und macht Euren Schülerinnen und Schülern damit Mut, so zu leben, wie ihnen phasenweise nach ist!

3. September 2004

-w-

#1 wolfAnonym
  • 03.09.2004, 19:21h
  • also bei mir kann ich sicher sein : ICH BIN SCHWUL GEBOREN !!!
    ich hatte schon mit 6 jahren homoerotische gefühle und träume und wusste noch nicht mal was sex ist. hatte auch noch das unglück frühreif zu sein und mit gleichaltrigen gefummelt, ohne zu wissen was schwul ist. bis mich dann ein mitfühlender lehrer an einem konfessionellen gymnasium in der sexta aufklärte, über diese ansteckende krankheit !!
    frau meves hat erschreckende nähe zu diesen fachleuten aus unserer vergangenheit, diesem 12 jahre dauernden 1000jährigen reich.

    einfach unerklärlich, das solcher schrott noch verlegt wird. oder doch wieder ein beweis dafür, dass unsere gesellschaft in einen gefährlichen, krankhaften konservativismus abgleitet.
  • Direktlink »
#2 homopeter aus koelnAnonym
  • 03.09.2004, 22:08h
  • ...da die schwulen-feindlichen Artikel von Ch. Mevesen schon eine lange Tradition haben - hätte sie diese "Auszeichnung" schon vor über 30 Jahren haben müssen...
  • Direktlink »
#3 JanAnonym
  • 04.09.2004, 00:20h
  • Also das passt doch jetzt wunderbar. Und außerdem: es ist niemals zu spät und selten zu früh!
  • Direktlink »