https://queer.de/?16094
- 13. März 2012 3 Min.

Weihbischof Heiner Koch findet markige Worte gegen den "Missbrauch" durch Schwule (Bild: Wiki Commons / Rabanus Flavus / CC-BY-SA-3.0)
Der Kölner Weihbischof Heiner Koch wirft schwulen Mitgliedern vor, katholische Schützenbruderschaften "missbrauchen" zu wollen. Unterdessen überprüft die Antidiskriminierungsstelle des Bundes das Verbot homosexueller Paare.
Koch ist der Chef des Bundes der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften (BHDS), der am Wochenende schwulen Schützenkönigen verboten hatte, bei offiziellen Anlässen mit seinem Lebenspartner aufzutreten (siehe Homo-Gurke). Im Interview mit dem Domradio rechtfertigte der 57-Jährige das Verbot mit der "besonderen Bedeutung der Ehe". Ein schwules Königspaar sei daher ein "Missbrauch zu Demonstrationszwecken", da der Eindruck entstehen könne, dass deren Beziehung gleichwertig mit einer heterosexuellen Ehe ist: "Wir möchten verhindern, dass das öffentliche Auftreten als 'Schützenkönig und -königin' als Demonstration missbraucht wird, dass jede partnerschaftliche Beziehung gleichwertig und gleichartig ist." Koch erklärte weiter, Homosexuelle dürften weiterhin in katholisch dominierten Schützenvereinen aktiv sein, sie gehörten seiner Meinung nach "weiterhin zu uns" - bei dem Verbot sei es den katholischen Würdenträger nur "um den Missbrauch" gegangen.
Antidiskriminierungsstelle prüft

Volker Beck: Schützenkönige sind keine Pfarrer
Inzwischen beschäftigt sich die Antidiskriminierungsstelle mit der Dachorganisation der Schützenbruderschaften: "Wir prüfen derzeit, ob die neue Satzung einen Verstoß gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz darstellt", erklärte Leiterin Christine Lüders, die das Verbot als "intolerant und einen Akt der Wirklichkeitsverweigerung" bezeichnete. "Wir leben doch nicht mehr im 19. Jahrhundert", so Lüders empört.
Die Schützenbrüder könnten sich dabei nicht auf die Ausnahmeregelungen für Kirchen im Gleichbehandlungsgesetz berufen, argumentiert auch der grüne Fraktionsgeschäftsführer Volker Beck, der den "hinterwälderlischen" Beschluss scharf kritisierte: "Der Schützenverein begründet seinen Schritt mit seinem katholischen Selbstverständnis. Schützenkönige sind aber keine Pfarrer, die die katholische Lehre in die Welt tragen müssen", so Beck. "Der Verein wird nicht von der katholischen Kirche getragen, also gilt für ihn das ganz normale Antidiskriminierungsrecht." Er sei froh, dass Schwule und Lesben "heute selbstbewusst und mit Segen des Staates gegen derartige Diskriminierungen vorgehen" könnten.
Großes Medieninteresse
Bundesweit haben Zeitungen, Radio- und Fernsehsender über die Entscheidung des BHDS diskutiert. Dabei kommen auch BHDS-Mitgliedsorganisationen zu Wort, die gegenüber queer.de eine Stellungnahme abgelehnt haben. An den Aussagen der Basis zeigt sich, dass hier schwulen Schützen offenbar noch viel Abneigung entgegen schlägt - mit markigen Worten: "Zwei Männer in der Kutsche, das kommt nicht infrage, so lange ich Oberst bin. Notfalls fährt der König eben allein", erklärte etwa Schützenoberst Günther Pannenbecker vom Düsseldorfer St.-Sebastianus-Schützenverein gegenüber der "Westdeutschen Zeitung". Natürlich habe er "einige homosexuelle Freunde, die unseren Verein auch als König niveauvoll vertreten könnten", so Pannenbecker. "Niveauvoll" heißt hier aber offenbar für den Traditionsschützen, dass Schwule in der Öffentlichkeit ihre Sexualität und ihren Lebenspartner verleugnen müssen. (dk)















"(...) Der Kölner Weihbischof Heiner Koch wirft schwulen Mitgliedern vor, katholische Schützenbruderschaften "missbrauchen" zu wollen ..."
Wenn ich gerade nicht so furchtbar lachen müsste, würde ich Ihnen ganz ernsthaft zurufen wollen:
"Wer im Glashaus sitzt (siehe massenhaften sexuellen Mißbrauch von Kindern durch katholische Geistliche und die Verschleierung der Taten durch deren Vorgesetzte ...) klirr, klirr , sollte nicht mit Steinen werfen ..."
Wieviele Jahre, Jahrzehnte, Jahrhunderte hat es gedauert, bis die Katholische Kirche ihre Leugnung der Erkenntnis, dass sich nicht die Sonne um die Erde dreht, sondern die Erde um die Sonne, korrigierte?
Sollen auch wir schwulen Männer sooo lange warten?