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Peter Probst blickte hinter die kirchlichen Kulissen (Bild: dtv / Wolfgang Balk)

Bestseller-Autor Peter Probst lässt in seinem neuen Krimi "Im Namen des Kreuzes" seinen Münchner Ermittler Anton Schwarz hinter die dunklen Kulissen der Kirche blicken. Eine Fiktion, die längst Realität ist. Nach dem Neonazi-Netzwerk in "Blinde Flecken" und den Machenschaften bei der Bahn in "Personenschaden" widmet sich Peter Probsts dritter Roman aus der Reihe "Schwarz ermittelt" dem Milieu der katholischen Kirche. Anton Schwarz ermittelt diesmal im Auftrag einer Mutter, die annimmt, ihr Sohn habe deshalb Selbstmord begangen, weil er vom Gemeindepfarrer missbraucht wurde. Kirim Schiller hat den Autor interviewt.

Hinken Sie mit ihrem Roman den Ereignissen nicht etwas hinterher?

Das Konzept für die Reihe und auch den dritten Band stand, lange bevor das Thema Missbrauch in der katholischen Kirche von den Medien aufgegriffen wurde. Nachdem man eine Weile fast jeden Tag darüber in den Zeitungen lesen konnte, habe ich mir tatsächlich überlegt, ob jetzt der richtige Zeitpunkt für meine Geschichte ist. Ich glaube, es gibt keinen besseren. Die Medien haben die Aufmerksamkeit für das Thema geschärft und von Kirchenvertretern häufig geäußerte Zweifel an bestimmten Tatbeständen widerlegt. Nun kann ein Kriminalroman die Welt, in der solche Taten möglich waren und sind, mit deutlich weniger Tabus beschreiben und in ihr eine realistische und deswegen umso spannendere Geschichte entfalten.

Die katholische Kirche wird trotzdem nicht erfreut sein.

Das kommt ganz darauf an. Die katholische Kirche ist ja keine homogene Gruppe. Es gibt sicher einige Funktionäre, die in meinem Krimi Tabubrüche entdecken werden. Sie verstehen ihre Kirche immer noch als eine Art Wagenburg, in der man sich vor der feindseligen Welt verschanzen muss. Ich weiß aber auch von vielen Gläubigen, die in der Debatte um den Missbrauch eine große Chance auf Veränderung sehen. Sie wünschen sich, dass die krassen Widersprüche zwischen Sexuallehre und Lebenspraxis endlich offen angesprochen werden.

Können Sie Beispiele nennen?

Die hohe Zahl homo­sexueller Priester zum Beispiel. Es gibt wohl wenige Berufsgruppen, in denen Schwule so stark vertreten sind. Aber darüber wird kaum gesprochen. Und dann nennt der Papst Homosexualität auch noch eine 'Zerstörung von Gottes Werk'. Durch meine Recherche weiß ich von Priestern, die im Rotlicht-Milieu unterwegs sind, um ihre Sexualität ausleben zu können. Viele haben langjährige Beziehungen mit Männern. Und am Sonntag stehen sie dann wieder auf der Kanzel und müssen predigen, dass Homosexualität Sünde sei.


Probst über Priester: "Es gibt wohl wenige Berufsgruppen, in denen Schwule so stark vertreten sind"

Was würde denn passieren, wenn sie sich offen zu ihrer Veranlagung bekennen würden?

Sie könnten nicht weiter als Pfarrer arbeiten. Wenn aber die berufliche und soziale Existenz auf dem Spiel steht, braucht es sehr viel Mut oder eine verzweifelte Entschlossenheit, um sich zu outen. Natürlich weiß oder ahnt man in vielen Gemeinden, dass der Pfarrer schwul ist. So lange er sich nicht dazu bekennt, passiert ihm auch nichts. Aber wie soll so jemand zum Beispiel für einen jungen Mann Seelsorger sein, der in einer schweren Identitätskrise steckt, weil er seine homo­sexuellen Neigungen entdeckt hat?

Schwarz kommt einem dubiosen traditionalistischen Orden auf die Spur. Ist der erfunden oder gibt es so was wirklich?

Das ist leider ziemlich nahe an der Realität. Ich habe nur die Namen und Orte geändert und aus meinen Recherchen über eine Reihe katholischer Geheimbünde und Orden meine "Sancta militia Jesu" gebaut. Diese Gemeinschaften stehen meiner Ansicht nach eindeutig außerhalb unserer Verfassung und betrachten Pressefreiheit und Demokratie als Feinde der Kirche Gottes.

Ihre Schilderungen aus der Sicht eines Jungen, der in die Fänge eines Geheimordens gerät, wirken sehr authentisch.

Aber nicht, weil ich selbst Erfahrungen mit sexuellem Missbrauch gemacht hätte. Ich kenne psychischen Missbrauch, aber keine körperlichen Übergriffe. Die Authentizität meiner Geschichte kommt wohl daher, dass ich mit Opfern sprechen konnte. Ich habe mich wie bei den ersten beiden Schwarz-Krimis auch wieder mit Psychologen und Ärzten beraten.

Warum haben Sie diesen Krimi in kirchlichen Einrichtungen spielen lassen und nicht etwa an einem Internat nach dem Vorbild der Odenwaldschule?

Das hat mit meiner Herkunft zu tun. Ich stamme aus einer sehr katholischen Familie, die ihren Glauben in vielen Bereichen wirklich bewundernswert gelebt hat. Ich war ein sehr fleißiger Ministrant und lange Jahre in der katholischen Jugendarbeit aktiv. Ich habe sogar Theologie studiert, allerdings in einer Schmalspur-Version als Nebenfach im Magisterstudium. Die Religion war für mich Werteorientierung und Heimat. Nur, je besser man die katholische Kirche von innen kennen lernt, umso häufiger wird man mit Doppelmoral und Lebenslügen konfrontiert. Irgendwann habe ich diese Widersprüche nicht mehr ertragen. Obwohl ich heute nur noch losen Kontakt zur Kirche habe, bin ich aber nicht fertig mit ihr. Deswegen und für eine Reihe aufrechter Priester und Gläubiger musste ich "Im Namen des Kreuzes" schreiben.

Peter Probst: Im Namen des Kreuzes. Schwarz ermittelt, Kriminalroman, dtv Taschenbuch, München 2012, 256 Seiten, 8,95 €, ISBN 978-3423213509

Lesungen mit Peter Probst

Leipzig, Fr, 16. März, 12:30 Uhr, Buchmesse Halle 5, Stand C510
Leipzig, Fr, 16. März, 20:45 Uhr, Landgericht Leipzig, Harkortstr. 9
Flensburg, Sa, 14. April, Flensburger Landgericht / Schwurgerichtssaal, Südergraben 22
München, Fr, 20. April, 14:45 Uhr, M,O,C Veranstaltungscenter München / Raum K3, Lilienthalallee 40

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#1 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 14.03.2012, 17:12h
  • So wie ich den Vatikan kenne, landet das Buch mit Sicherheit auf deren Index!
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#2 panzernashorn
  • 14.03.2012, 18:31h
  • Antwort auf #1 von FoXXXyness
  • Das bedeutete ja dann nicht mehr, als dass dieses sehr lohnenswert zu lesen sei..............



    Soll doch die Kirche in der ihr eigenen Weise dagegen wettern - dadurch erhöht sie lediglich das Interesse und sorgt dafür, dass das Buch keinesfalls übersehen wird.
  • Direktlink »
#3 Timm JohannesAnonym
  • 15.03.2012, 07:34h
  • ..."Sie könnten nicht weiter als Pfarrer arbeiten. Wenn aber die berufliche und soziale Existenz auf dem Spiel steht, braucht es sehr viel Mut oder eine verzweifelte Entschlossenheit, um sich zu outen. Natürlich weiß oder ahnt man in vielen Gemeinden, dass der Pfarrer schwul ist. So lange er sich nicht dazu bekennt, passiert ihm auch nichts."...

    --> Genauso ist es und ich kann diese Äußerungen des Autors Peter Probst nur bestätigen.

    Viele katholische Priester und Bischöfe sind schwul und verraten dies aber nicht in der Kirchengemeinde, obgleich es nach einiger Zeit doch vielen in den Kirchengemeinden "unter der Hand" klar ist. Da könnt ich auch mittlerweile ein Buch zu schreiben, beispielsweise von einem guten bekannten schwulen katholischen Priester, dessen "heimlicher" Freund oftmals ganz weit hinten in der Kirche sitzt, damit er dort dann nicht "auffällt".

    Dringend bedarf es einer Reform des Amtsverständnisses bei den Katholiken und dringend muss das Zölibat geöffnet werden sowie Frauen dort als Priesterin/Bischöfin zugelassen werden: der katholische Frauenverband, die Organisation "Kirche von unten" oder die Aktion "Kirche 2011:Notwendige Reformen" von über einem Drittel aller katholischen Theologieprofessoren in Deutschland, in der Schweiz und in Österreich fordert dies auch: ABER Ratzinger und Co. in Rom ignorieren diese Reformforderungen.
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