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- 16. März 2012 3 Min.

Die Paare der Kampagne "Equal Love" sind mit den Plänen der Regierung nur halb zufrieden
Die brititische Regierung hat am Donnerstag Pläne für die Öffnung der zivilrechtlichen Ehe für schwule und lesbische Paare vorgelegt. Bereits im Vorfeld hatten Kirchen den Schritt lautstark kritisiert, dabei ist eine kirchliche Ehe nicht nur nicht vorgesehen, sondern sogar verboten.
Iin Großbritannien fällt die Unterscheidung zwischen kirchlicher und zivilrechtlicher Ehe schwieriger als in Deutschland: Kirchliche Trauungen werden direkt vom Staat anerkannt, ohne Umweg des Standesamtes; mit der anglikanischen Church of England liegt zudem eine Staatskirche vor. Der von der liberalen Gleichstellungsministerin Lynne Featherstone vorgestellte Entwurf ist nun online verfügbar (PDF), Interessierte können bis zum 14. Juni dazu Stellung nehmen. Danach wird der endgültige Entwurf dem Parlament vermutlich zu einer freien Abstimmung vorgelegt - der konservative Premierminister David Cameron kann dabei auf Stimmen der Liberalen und von Labour zählen, nicht aber auf alle Abgeordnete der eigenen Partei.
Die Debatte um die Öffnung der Ehe in Großbritannien ist vielschichtig und bisweilen lustig-traurig. Einer der größten Gegner der Ehe-Öffnung ist etwa der selbst schwule Milo Yiannopoulos, ein Redakteur des "Catholic Herald". Überall, wo er auftritt, etwa in der Comedy-News-Show "Ten O'Clock Live" oder am Donnerstag in einer großen Debatte im BBC-Flaggschiff "Newsnight", trifft er mit der selbstbeschränkenden Haltung fast auf Mitleid.
Kritik von allen Seiten
Obwohl die Kirchen keine Homo-Ehen ausführen dürfen, äußern sie sich kritisch zur Öffnung der Zivil-Ehe, besonders die römisch-katholische. Vor zwei Wochen sagte der schottische Kardinal Keith O'Brien, die Homo-Ehe sei eine "groteske Zersetzung eines allgemein akzeptierten Menschenrechts" (queer.de berichtete).
Am letzten Wochenende ließen die Vorsitzenden der Bischofskonferenz in über 2.500 Gemeinden einen Hirtenbrief verlesen, der auf die Bedeutung der Ehe als Verbindung von Mann und Frau hinwies. Man habe gegenüber Eheleuten die Verpflichtung, die Gesellschaft vor dem "radikalen Schritt" zu bewahren, der die Definition der Ehe verändere.
Ähnlich äußerten sich auch Vertreter der anglikanischen Kirche, die keinen praktischen Unterschied zwischen staatlicher und kirchlicher Ehe sehen und nun Klagen befürchten. John Sentamu, der Bischof von York, der nach dem Rücktritt von Rowan Williams als Erzbischof von Canterbury am Freitag neuer Führer der weltweiten Anglikaner werden könnte, sah in den Plänen gar eine beginnende "Diktatur". Auf Gemeindelevel gibt es allerdings viele Priester, die gerne Schwule und Lesben vermählen würden.
Der Homo-Aktivist Peter Tatchell kritisierte die Regierungspläne hingegen als "Weiterführung" der Diskriminierung: "Wir sind unglücklich, dass die Regierung am Verbot von Lebenspartnerschaften für Heterosexuelle und am Verbot für religiöse gleichgeschlechtliche Ehen festhält", so Tatchell im Namen der "Equal Love"-Kampagne. Die Pläne seien "weit entfernt von echter Gleichheit".
Schottland will ebenfalls öffnen
In Großbritannien ist es gleichgeschlechtlichen Paaren seit sieben Jahren erlaubt, eine Lebenspartnerschaft einzugehen. Sie haben inzwischen alle Rechte und Pflichten von Ehepartnern und dürfen auch Kinder adoptieren. Das Institut soll bestehen bleiben, aber eine Möglichkeit zum Wechsel in die Ehe bieten. Umfragen zufolge steht die Öffentlichkeit halbwegs hinter der Ehe-Öffnung.
David Cameron begründete den Schritt, der weder im Wahlmanifest noch im Koalitionsvertrag zu finden ist, mit einer Umdeutung der Werte: "Ich unterstütze nicht die gleichgeschliche Ehe, obwohl ich ein Konservativer bin. Ich unterstütze die gleichgeschlechtliche Ehe, weil ich ein Konservativer bin." Das Gesetz, das zudem Transgendern Erleichterungen bringt, würde für England und Wales gelten. In Schottland plant das Parlament eine eigene Öffnung der Ehe - alle fünf großen Parteien sind dafür (queer.de berichtete). (nb)













