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- 21. März 2012 3 Min.

Ursprünglich haben wir hier ein Ausschnitt des unautorisierten Motivs von Scholz & Friends dokumentiert. Maredo drohte uns jedoch im Falle einer Weiterveröffentlichung mit rechtlichen Schritten
Das nie verwendete Kampagnen-Motiv "Tofu ist schwules Fleisch" sei von der Agentur Scholz & Friends ohne Auftrag entwickelt worden, stellte die Steakhauskette klar.
Von Carsten Weidemann
Tofu ist doch nicht schwul! Zu dieser ungewöhnlichen Klarstellung sah sich die Steakhaus-Kette Maredo auf ihrer Homepage veranlasst, nachdem im Internet inoffizielle Anzeigenmotive aus dem Jahr 2008 die Runde machen.
Auf einem angeblich von der renommierten Agentur Scholz & Friends entworfenen Motiv der so genannten Brandeisenkampagne ist ein Maredo-Steak mit dem eingebrannten Slogan "Tofu ist schwules Fleisch" abgebildet. Auch eine englische Version "Tofu is gay meat" existiert.
"Dies war, ist und wird niemals Werbung unseres Hauses", stellt Maredeo nun klar. "Vielmehr war dies ein Wettbewerbs-Beitrag einer Werbeagentur, den wir nie beauftragt oder genehmigt haben. Wir distanzieren uns ausdrücklich von diesen Inhalten."
Die Agentur habe sich bereits 2009 entschuldigt
Doch wie kam es nun zu den Motiven? Im Jahr 2008 sei die Berliner Agentur Scholz & Friends unaufgefordert an die Steakhauskette herangetreten, weil sie an einem kreativen Agenturwettbewerb teilnehmen wollte – dagegen habe Maredo nichts einzuwenden gehabt. "Im Laufe der Entwicklungsarbeit haben wir zwar einige Entwürfe (…) gesehen, darunter befand sich jedoch nicht der Entwurf mit homophobem Inhalt", heißt es in der Stellungnahme des Unternehmes. Erst ein Jahr später habe man erfahren, dass auch das "Tofu ist schwules Fleisch"-Motiv von der Agentur entwickelt und im Wettbewerb eingereicht worden sei. "Wir haben daraufhin Scholz & Friends seinerzeit sofort aufgefordert, jeden weiteren Einsatz zu unterlassen und mögliche Veröffentlichungen zu stoppen. Dies wurde uns von der Agentur Scholz & Friends ausdrücklich im Mai 2009 zugesichert. Sie hat sich darüber hinaus für nicht abgestimmte Motive und deren Nutzung entschuldigt."
Dass die Motive aktuell wieder im Web auftauchen, ist Maredo "unerklärlich". In der Stellungnahme der Steakhauskette heißt es: "Wir gehen dem immer sofort nach und haben zudem neben unseren eigenen Anstrengungen parallel die Agentur erneut aufgefordert, jede Verbreitung der Kampagnenmotive zu stoppen und eine umfassende Löschung vorzunehmen." Laut dem Medienportal MEEDIA prüft Scholz & Friends derzeit, wie die umstrittenen und vermeintlich längst gelöschten Bilder ins Internet gelangen konnten.
So sehr die deutliche Klarstellung von Maredo zu begrüßen ist – wer im Web eine "umfassende Löschung" verlangt, ist nicht nur naiv, sondern wird vermutlich eher eine größere Verbreitung erreichen…
Volker Beck fordert "Beitrag in die Chauvi-Kasse"
Nachtrag, 11:30 Uhr: In einer Pressemitteilung vom Mittwoch forderte der grüne Bundestagsabgeordnete Volker Beck eine Entschuldigung von Scholz & Friends sowie einen "Beitrag in die Chauvi-Kasse". Wörtlich heißt es darin: "Das Motiv ist homophob und spielt mit antihomosexuellen Vorurteilen. Schwule seien keine richtigen Männer, Lesben keine richtigen Frauen, Tofu kein richtiges Fleisch und wer so etwas denkt ist demokratisch nicht ganz bei Trost." So eine Entgleisung dürfe einer der führenden Marketing-Agenturen in Deutschland nicht unterlaufen, so Beck. "Ich erwarte eine aktive Wiedergutmachung, etwa in Form einer Spende an die Hirschfeld-Eddy-Stiftung oder durch eine kostenlose Beteiligung an einer Kampagne gegen Homophobie und Ausgrenzung."
Links zum Thema:
» Die offizielle Stellungnahme von Maredo














www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,810476,00.html
Der Weltmarktführer WPP übernimmt die Werbeagentur Scholz & Friends
WPP übernimmt für einen nicht genannten Preis insgesamt 1200 Mitarbeiter der Commarco-Gruppe, die 2008 aus Scholz & Friends hervorging und zu der heute insgesamt 25 Werbeagenturen (Deepblue Networks, GKK, Lowe Deutschland, United Visions) zählen.
Commarco kommt bei WPP unter ein Dach mit den Meinungs- und Marktforschungsinstituten TNS Emnid und TNS Infratest...
www.tagesspiegel.de/wirtschaft/werbeagentur-scholz-und-frien
ds-wird-verkauft/4080016.html
Nach den Kündigungen im vergangenen Herbst bekommt Scholz & Friends Berlin nun einen Betriebsrat. Mitarbeiter wollen sich damit offenbar für die Zukunft wappnen und ihre Arbeitsplätze sichern.
www.wuv.de/nachrichten/agenturen/mitarbeiter_von_scholz_frie
nds_berlin_gruenden_betriebsrat
Auf den einschlägigen Branchenveranstaltungen betonte WPP-Chef Sorrell immer wieder die wachsende Rolle von neuen Medien und Technik in der Markenkommunikation.
www.handelsblatt.com/images/hugo-bildid-12337622kampagne-her
tie-werbung-/4077420/2.jpg?format=format27