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- 22. März 2012 - 2 Min.

Die Doku gibt vor allem den Opfern Raum, ihre Geschichte zu erzählen
Jetzt auf DVD: Christoph Röhls Doku "Und wir sind nicht die Einzigen" über sexuellen Missbrauch an der Berliner Odenwaldschule.
Von Carsten Weidemann
Jahrzehntelang besaß die Odenwaldschule (OSO) einen hervorragenden Ruf - eine reformpädagogische Vorzeigeinstitution mit elitärer Klientel. Alle Lehrer und auch die Schüler waren stolz auf dieser berühmten Schule gewesen zu sein. So auch Regisseur Christoph Röhl, der von 1988 bis 1990 als so genannter "English Helper" an der OSO lehrte und lernte.
Entsprechend schockierend waren die ersten Meldungen über sexuellen Kindesmissbrauch an dieser Mustereinrichtung. Wie konnte das sein? Wie konnte so etwas passieren? Bereits 1998 hatten zwei Missbrauchsopfer einen Brief mit dem Wortlaut "Und wir sind nicht die Einzigen" an die OSO geschickt, doch fast jeder der von Christoph Röhl Befragten hat gestanden, diesen Satz nicht ernst sonderlich und sogar dessen Wahrheitsgehalt bezweifelt zu haben.
Elf Jahre lang wurde vertuscht und verschwiegen

Regisseur Christoph Röhl lehrte von 1988 bis 1990 als "English Helper" an der Odenwaldschule
Spätestens 1999, als Jörg Schindler's Artikel "Der Lack ist ab" in der Frankfurter Rundschau erschien, konnten die Hinweise auf sexuellen Missbrauch nicht mehr verleugnet werden. Und doch wurde weitere elf Jahre lang vertuscht und verschwiegen; bis Anfang 2010.
Der Film "Und wir sind nicht die Einzigen" versucht nicht nur den Ursachen des Missbrauchs auf den Grund zu gehen, sondern er beschäftigt sich vor allem mit dem "Schweigen" auf allen Seiten. In zahlreichen Interviews mit Betroffenen, Altschülern, Lehrern sowie Menschen aus dem nähren Umfeld der Odenwaldschule wird ein Skandal beleuchtet, der in seiner Dimension und Systematik schockiert und doch auch stellvertretend steht für alle anderen Orte, an denen Missbrauch in unserer Gesellschaft geschieht.
Der Film verwendet keine Off-Stimme. Die Protagonisten sprechen direkt in die Kamera und versuchen die Geschehnisse zu reflektieren, zu analysieren, zu hinterfragen. Vor allem den Opfern gibt der Film Raum, ihre Geschichte zu erzählen: berührend und mit einer beklemmenden Offenheit und Intensität.
Und so ist der Film vor allem ein Film über das Reden und die Wichtigkeit der Kommunikation.
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