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TV-Dokumentation
(Homo-)Sexualität in früheren Jahrzehnten
- 23. März 2012 3 Min.

Jahrzehntelanges Versteckspiel: Der Kölner Gay-Aktivist Butz Brand war 20 Jahre verheiratet, hat zwei Kinder (Bild: Screenshot WDR)
Die WDR-Doku "Früher.Später.Jetzt" zeigt, wie sich die Haltungen zu Sex und Liebe geändert haben. Der Kölner Butz Brand erzählt von seinem Doppelleben als verheirateter Schwuler.
Von Christian Scheuß
In der Kölner Szene ist Butz Brand ein bekanntes Gesicht. Mal steht er im Infoladen Checkpoint hinter der Theke, zudem ist er der Ansprechpartner für die schwule Gruppe "50 plus / minus". Ein sympathischer Kölner, der in der Gay Community ganz offensichtlich daheim ist. Das er zuvor ein jahrzehntelanges Versteckspiel durchgezogen hatte, um den Erwartungen von Gesellschaft und Familie gerecht zu werden, dass wussten bislang nur seine Freunde. Mit der Dokumentation, die am Freitagabend im WDR zu sehen ist, wird sich das ändern. Die Filmemacher Clemens Gersch und Michael Wieseler haben Butz neben vielen anderen Menschen interviewt, um zu zeigen, wie sich das Verhältnis der Westdeutschen zu Liebe und Sex von den fünfziger Jahren bis heute verändert hat. Das Schicksal von Butz ist dabei sehr exemplarisch.
So erzählt er im Film: "Wir hatten früher eine Bäckerei. Meine Eltern haben mich aus dem Waisenhaus geholt, mit dem Hintergedanken: So wir haben jetzt einen Nachkommen, wir haben jetzt einen Jungen. Der wird Bäcker und später die Bäckerei übernehmen. Das war einfach Fakt. Die Eltern sagten, du bist doch jetzt 17 oder 18, da muss doch eine Freundin her. Und da ist doch eine im Dorf, die hatten wir uns schon mal ausgeguckt. Und das wär doch eine Frau für dich?!- Ja, und dann bin ich am Karnevalstag rausgegangen bei uns im Ort. Und da war auch diese besagte junge Frau, die hatte tatsächlich ein Auge auf mich geworfen."
Versteckspiel im Dorf, Provokationen auf der Straße

Spießbürger wollten diese effiminierten Herren am liebsten kastriert sehen (Bild: Screenshot WDR)
Er heiratete, bekam zwei Kinder mit seiner Frau und führte die Bäckerei, wie von den Eltern gewünscht. "Der gesellschaftliche Druck ist so gewesen, dass es funktionieren musste." Zudem war auch die Haltung der Mehrheit gegenüber Homosexuellen alles andere als aufgeschlossen. Szenen einer undatierten Straßenumfrage belegen dies: "Die kann man nur kastrieren, mehr sind die nicht wert", heißt es da von einem Passanten.
Als die Kinder von Butz und seiner Frau erwachsen sind, traut er sich endlich zu einem Coming out: "Wir haben uns am Tisch gegenüber gesessen, und ich hab gesagt, dass ich mir ihr reden muss. Dass ich so nicht weiterleben könnte. Und sie hat gesagt: Warum denn jetzt? Warum hast du mir das denn nicht schon viel früher gesagt? Ich antwortete: Ich konnte nicht. Die Kinder waren noch klein, die verstehen es nicht. Und sie hat dann gesagt: Ja, und ich soll's jetzt verstehen?"
Eine schwierige Situation, glücklicherweise mit einem Happy End. Frau und Kinder halten nach wie vor Kontakt mit Butz, die Bäckerei ist verkauft worden, und ein neuer Anfang in Köln wurde möglich. Auch mit einem festen Freund an seiner Seite.
WDR Fernsehen, Fr, 23.3., 20:15 Uhr, danach Abruf in der ARD-Mediathek möglich.
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Aber auf jede Story wie diese kommen leider auch tausende Storys die weniger glücklich ausgingen. Wo das Versteckspiel und Selbstverleumdung bis ans Lebensende anhielt oder sogar zu Selbstmord führte.
Und leider ist das auch heute noch all zu oft der Fall, weil Homosexualität immer noch von Teilen der Gesellschaft als minderwertig und ein Grund zum schämen angesehen wird. Was Kirche und Teile der Politik auch nach Kräften befeuern um für sich selbst Macht und Einkommen zu sichern.
Es muss sich so viel ändern. Und damit sich endlich gesellschaftlich was ändern kann, muss als erster Schritt die volle rechtliche Gleichstellung kommen, inkl. Art. 3 GG, Eheöffnung, Adoptionsrecht, AGG, etc.
Aber das ist mit Union und FDP leider nicht machbar!
Vielen Dank auch an den WDR für diese Doku zur Primetime. Bitte mehr davon!