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- 23. März 2012 3 Min.

Bilder vom Mord am 17-jährigen Saif
Das Auswärtige Amt kann - wie andere Organisationen - Zahlen über höhere Opferzahlen nicht bestätigen. Die Angst bleibt.
Von Norbert Blech
Nach Informationen der Bundesregierung sind in den letzten Wochen bis zu 20 Jugendliche gezielt ermordet worden, "weil sie der Jugendbewegung der Emos zuzuordnen seien". Das antworte das Auswärtige Amt auf eine Anfrage des Grünenpolitikers Volker Beck.
Die Jugendlichen seien "von radikalen Kräften wahlweise als Satanisten oder Homosexuelle bezeichnet worden", so das Amt weiter. Am 14. März habe Parlamentspräsident Al-Nujeifi die Morde auf das Schärfste verurteilt, und auch der sehr einflussreiche schiitische Großayatolla Al-Sistani habe sich durch einen seiner Prediger entschieden gegen die Hetzjagd auf Jugendliche ausgesprochen. Die von Medien berichteten hohen Zahlen von bis zu 100 Todesopfern könnten jedoch nicht bestätigt werden.
Auf die Verfolgung aufmerksam wurde die Welt Anfang März durch Berichte der International Gay & Lesbian Human Rights Commission (IGLHRC) und der Organization of Women's Freedom In Iraq, die zunächst von 40 getöteten Schwulen und Lesben sprachen (queer.de berichtete). Später war von Organisationen und in Medien von bis zu 100 Opfern, hauptsächlich Emos, die Rede (queer.de berichtete).
Irakische Regierung sieht keine Verfolgungswelle
Wie ist die Lage im Irak wirklich? Der BBC-Korrespondent in Bagdad hat sich vor wenigen Tagen diese Frage gestellt - und keine Antwort gefunden. Die irakische Regierung sieht demnach überhaupt keine Verfolgung: Der Mord an dem "sensiblen" 17-jährigen Saif, dessen Bilder um die Welt gingen, sei "nur eine Stammestötung" gewesen und habe nichts mit dessen Aussehen und Verhalten zu tun, so ein Sprecher der Polizei.
Es gebe Jugendliche, die sich "merkwürdig" kleiden, so der Polizeisprecher weiter, aber man habe diesen "friedfertige Anleitungen" gegeben. Damit gab sich die BBC nicht zufrieden, fand aber keine jungen Männer, die bereit waren, zu sprechen - Angst bestehe in jedem Fall. Der Korrespondent und auch das befragte Kinderhilfswerk der Vereinten Nationan sowie Amnesty International sahen sich nicht in der Lage, auch nur einen Mord zu verifizieren.
Die irakische Parlamentsabgeordnete Safia Seheil hat die Regierung aufgefordert, die Tötungen wahrzunehmen und die Bevölkerung zu schützen, sieht aber auch eine Übertreibung durch die Medien: "Alle Fälle deuten auf eine geringe Anzahl von Opfern. Aber die Gerüchte springen von einer Ecke in die nächste. Einige irakische Medien sind offenbar unterstützend auf die Sache aufgesprungen und haben dadurch Panik in der Jugend hervorgerufen." Mehrere Parlamentsabgeordnete hatten Mitte März eine Untersuchung der Vorfälle gefordert und die Gewalt kritisiert, darunter der Parlamentssprecher Usama Najaifi.
LGBT besonders gefährdet
Von einer "Atmosphäre des Terrors unter denen, die sich selbst als potentielle Opfer sehen", spricht auch eine gemeinsame Erklärung von Human Rights Watch, Amnesty International und der International Gay and Lesbian Human Rights Commission. Verfolgt werde eine Mischung von Personen, die als non-konformistisch gelten, darunter auch Homosexuelle; gerade Leute, die als schwul, lesbisch, Transgender oder auch feminin wahrgenommen würden, seien besonders gefährdet.
Die Erklärung bringt Beispiele der Verfolgung und Belege, wie Berichte darüber erschwert wurden - so sei ein russisches Filmteam drei Stunden lang festgehalten worden. Die Organisationen erinnern an die Verfolgung schwuler Männer im Jahr 2009 - es gilt als gesichert, dass damals bis zu Hunderte Schwule ermordet wurden. Auch damals habe die Regierung nichts zu ihrem Schutz unternommen, Schwule lebten seitdem noch versteckter. Daher müsse die Regierung nun handeln, fordern die Organisationen. Dass die Medien nun umfassend berichten und aus Teilen der Bevölkerung und des öffentlichen Lebens eine klare Ablehung der Gewalt laut wird, sieht man als Fortschritt.















Da kann Guido Westerwelle (FDP) ja weiterhin wegsehen und braucht seine Vorfreude auf sein Frührentner-Dasein auf Steuerkosten in der Millionen-Villa auf Mallorca nicht damit zu belasten, dass er als Außenminister endlich mal das macht, was seine Aufgabe ist!!
Und dann kann die schwarz-gelbe Gurkentruppe ja weiterhin fröhlich schwule Irakis, die um Asyl bitten, zurück in den sicheren Tod schicken. Die paar mehren machen dann ja nichts aus.
Und sonntags rennen sie dann alle wieder in die Kirche um ihr Gewissen zu beruhigen und mit ein paar Cent in den Klingelbeutel ihre Nächstenliebe zu zeigen.
Wer die Ironie nicht erkannt hat (was bei Wählern von Union und FDP ja durchaus sein kann):
ich könnte kotzen!