https://queer.de/?16215
- 28. März 2012 3 Min.
User-Kommentare sind ein Problem für Redaktionen wie Portale: Einerseits will man eine ehrliche Diskussion zulassen, andererseits erfordern Moderation und Löschung eine Menge Arbeit. Kein Wunder, dass sich rechte Hetzer ebenso breit machen wie homophobe Jugendliche.
Dumm nur, wenn auf problematische Inhalte gar nicht reagiert wird. Womit wir bei Yahoo sind und bei einem Userkommentar, auf den uns einer unserer Leser aufmerksam gemacht hat:

Was Sylvester da schreibt, zur AFP-Meldung "Slowenen gegen Ausweitung der Rechte homosexueller Paare", ist eine antisemitische und homophobe Volksverhetzung, die ihresgleichen sucht. Eine Straftat, auf die Yahoo sofort reagieren müsste - auch aufgrund des Jugendschutzes. Unser User Matthias hat sich nach eigener Aussage über den Kommentar mittels eines Meldebuttons direkt nach Erscheinen und seitdem noch zweimal beschwert - bislang keine Reaktion von Yahoo.
Wie ernst man bei Yahoo den Meldebutton nimmt, zeigt schon, dass er als kleiner Link auf den Nutzerseiten versteckt ist und nur bei registrierten und angemeldeten Usern klappt. Die Sinnlosigkeit des Buttons belegen auch die abrufbaren Kommentare unter früheren Beiträgen, etwa zur Ablehnung des Steuersplittings für Homo-Paare durch Wolfgang Schäuble: "Haben die Schwulen heutzutage überhaupt kein Schamgefühl mehr?", fragt ein User. "Sollen sie doch ihre perversen Spielchen heimlich zu Hause machen." Andere reden von "sexueller Perversion" und "Schwuchteln": "Hinterlader bleibt Hinterlader, ich habe noch kein Kind aus einem Darm in die Welt kommend erlebt."
Im Nachrichtenbereich von Yahoo, direkt unter den seriösen Agenturmeldungen, "tummeln sich zahlreiche hirnlose homophobe Zeitgenossen", fasst Matthias das Problem zusammen. Extrem schwulenfeindliche Sprüche bekommen teilweise mehr Daumen nach oben als nach unten. Auch bei den Kommentaren zum Artikel, den Sylvester so volksverhetzend kommentiert hat.
Sechs "grüne" Daumen gab es etwa für
Schwule kann man akzeptieren aber man muss dieses Übel nicht noch unterstützen und auf die Öffentlichkeit loslassen.Es gibt genug Schwule die sich in einer Ehe verstecken schon daran kann man sehen, dass sie sich ihrer Peinlichkeit bewusst sind.
Weitere Beispiele aus dem Thread:
Ein Lob den Slowenen die sich damit gegen diese Art von Perversitaet entschieden haben und somit sicher die grosse Mehrheit hinter sich vereinen
Schwule und Lesben leben beschränkt unterirdisch und kennen nicht die normale Welt, wie die ehrbaren Menschen da drüber empfinden, wenn sie herunterschauen und sehen, wie die da leben und was sie da machen, nämlich Ekel und Abscheu!! Aber ich kann da nicht hingucken, Ohne dass mir schlecht wird
Weil einige Herren und Damen in der Politik schwul und lesbisch sind wird mittels der gleichen Klientel aus der Presse- und Unterhaltungslandschaft vehement eingeredet, dass abartig normal ist.
Liebe Kollegen von Yahoo, bitte dringend und umfassend handeln! Ansonsten sind wohl Strafanzeigen und Beschwerden bezüglich des Jugendschutzes nötig. Denn der Hinweis in den Richtlinen, "Yahoo! ist für von Nutzern veröffentlichte Kommentare nicht verantwortlich oder haftbar", stimmt einfach nicht. (nb)
Update, 29.3.: Yahoo hat den oben abgebildeten Kommentar gelöscht und uns folgendes geschrieben.
Unsere Haltung in diesem Punkt ist eindeutig: freie Diskussion im Internet ja, Verleumdung und Hetze nein. Daher möchten wir darauf hinweisen, dass der beanstandete Kommentar des Nutzers "Sylvester" bereits gelöscht wurde. Selbstverständlich distanzieren wir uns von jeglicher Art diskriminierender, antisemitischer und rassistischer Äußerungen. Deshalb regeln wir in Ziffer 9 unserer Allgemeinen Geschäftsbedingungen auch, dass Nutzer keine Inhalte öffentlich zugänglich machen dürfen, "die belästigend, verleumderisch, bedrohlich, obszön, hasserregend, rassistisch oder in sonstiger Weise rechtlich zu beanstanden sind". Sobald wir Kenntnis von einer Rechtsverletzung oder einem Verstoß gegen unsere Allgemeinen Geschäftsbedingungen erhalten, wird der veröffentlichte Inhalt - wie im vorliegenden Fall und einhergehend mit der deutschen Rechtslage - gelöscht.
Andere homophobe Kommentare, etwa eine Lobpreisung des §175, bleiben online.













