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  • 28. April 2012 19 3 Min.

David Berger berichtet über sein Leben als strammer Theologe und versteckter Schwuler (Bild: Sommerblut)

Die elfte Ausgabe des Kölner Sommerblut-Festivals zeigt verstörende Aspekte und Mut machende Momente queeren Lebens.

Von Christian Scheuß

"Festival der Multipolarkultur" lautet in diesem Jahr der Untertitel von "Sommerblut", dem LGBT-Kulturevent in Köln, das vom 10. bis zum 28. Mai Raum für über 500 Künstlerinnen und Künstler bei 60 Veranstaltungen bietet. Beim Wort "Multipolar" gerät man zunächst ins Stutzen: Bei der Beschreibung von Nervenzellen spricht der Biologe von Multipolarität oder der Politologe, wenn er die Strukturen von Staaten und deren Bündnissen beschreibt. Die Elektrotechnik und die Psychologie nutzen den Begriff ebenfalls. Aber in der der Kultur?

Bei "Sommerblut" passt es: Denn das Programm verknüpft die unterschiedlichsten gesellschaftlichen, sozialen und politischen Standpunkte und Identitäten miteinander. Unterschiedliche Sichtweisen, die verstörend, aber auch wieder verbindend oder versöhnend sein können. Das lässt sich auch bei den Events erkennen, die sich an die schwul-lesbische und Transgender-Zielgruppe richten.

So befasst sich das Stück "Bartsch Kindermörder" mit dem seelischen Innenleben eines Mannes, der homo­sexuell war und psychisch krank. Der Autor Gunther Geltinger präsentiert seinen Roman "Mensch Engel", in dem ein junger Student mit seiner sexuellen Identität nicht klarkommt. Jean Lessenich berichtet über ihr eigenes Leben, in dem sie nicht nur ihr biologisches Geschlecht ändern ließ, sondern auch ihre Gender-Identität mehrfach wechselte. Und der Theologe David Berger berichtet von seinem "Kreuzgang" nach der Veröffentlichung seines Enthüllungsbuches "Der Heilige Schein". Sprengstoff steckt sicherlich auch in der Doppel-Ausstellung mit Bildern obdachloser Jugendlicher auf dem Berliner Alexanderplatz vom Fotografen Göran Gnaudschun und in den Fotos des Thailänders Ohm Phanphiroj, der Jungs porträtiert, die auf Bangkoks Straßen anschaffen gehen.

Schwul-lesbisches und Transgender-Themen bei Sommerblut


Lost Kids - Prostitution in Bangkok - Fotoausstellung (Bild: Ohm Phanphiroj)

Doch keine Sorge: Das LGBT-Leben bei "Sommerblut" ist nicht nur düster und voller Abgründe. Es gibt auch viel zu zelebrieren. Zum Beispiel die Schönheit der Männer in der Ausstellung "Mannsbilder". Oder das 20-jährige Jubiläum der Trash- und Nachwuchsbühne Kulturschock, die zusammen mit dem Orchester Rainbow Symphony Cologne feiern werden. Auch Georgette Dee ist wieder mit dabei.

Da das "Sommerblut"-Kulturfestival ein idealer Ort ist, die eigenen Grenzen zu überschreiten, um sich mit Themen zu befassen, die man bislang nicht auf dem Schirm hatte, sei hier noch der Schwerpunkt für 2012 genannt: Das Thema Demenz. Mit dem Theaterprojekt "Anderland" der Regisseurin Barbara Wachendorff und einem umfangreichen Rahmenprogramm für demenzkranke Menschen und ihre Angehörigen solidarisiert sich Sommerblut mit dem persönlichen Schicksal der Betroffenen.

Weitere Höhepunkte sind die Brustkrebs-Gala "Pink Ribbon meets...", die Contergan-Gala "Begegnungen" und der Kölner Dialog-Tag mit dem Interessenverband Contergangeschädigter und deren Angehörige e.V., die "Black-out"-Gala "See the light" des Vereins Blinde und Kunst e.V. und die künstlerische und spirituelle Feier "Wir sind Menschen".

-w-

#1 SebiAnonym
  • 29.04.2012, 16:37h
  • Gut, dass David Berger da auftritt.

    Es kann gar nicht genug Leute geben, die von ihm die Wahrheit über diese bigotte katholische Kirche erfahren.

    Da er jahrelang zum innersten Zirkel gehörte und diese Sekte wie kaum ein anderer offen Schwuler kennt, kann er zeigen, wie verlogen und menschenverachtend diese Organisation ist.

    Ich hoffe, dass dieser Stachel im Fleisch der katholischen Kinderschänder-Sekte noch viele viele Menschen erreicht.
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#2 CasparAnonym
#3 goddamn liberalAnonym
  • 29.04.2012, 21:17h
  • Antwort auf #2 von Caspar
  • Ja, das ist ein wichtiges Buch. Vieles kann ich aus eigenem Mitwissen bestätigen.

    Wobei David Berger schon was sehr Felix-Krulliges an sich hat bzw. hatte...

    Sind die graden Wege denn wirklich so ausgetreten und langweilig?
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