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Aufgebrachter Politikwissenschaftler in Siegen
Uni-Professor: Homo-Unterricht verstößt gegen Menschenrechte
- 08. Mai 2012 3 Min.

Der Professor auf der Website der Uni Siegen
Politikwissenschaftler Jürgen Bellers von der Universität Siegen protestiert mit seiner Gruppe "Tradition International" gegen den Vorschlag Berlins, an weiterführenden Schulen auch über Homosexualität zu sprechen.
Via Facebook hatte sich Bellers am Samstag an seine Anhänger gewandt, seine neue "Menschenrechtsorganisation" zu unterstützen. Sie setze sich "für Familie, für Eigentum, für Traditionen" ein. "Jeder kann mitmachen, insbesondere durch Mailaktionen an die, die Menschenrechte missachten, z.B. gegenwärtig der Berliner Senat, der im Unterricht auch homosexuelle Partnerschaften als mögliche Partnerschaftsformen lehren will". Er wolle daher in der kommenden Woche seiner Anhänger zu einem Treffen auf dem Unigelände einladen.
Auf Anfrage von queer.de erklärte Bellers am Dienstag, dass das Treffen inzwischen abgesagt sei, "da das hier in Siegen nicht mehr möglich scheint". Weitere Angaben machte der Politikwissenschaftler nicht. Er beklagte sich aber, dass "konservative und traditionell denkende Menschen" wie er insbesondere auf Facebook verleumdet werden würden.
Bellers: Christliche Eltern haben "alleiniges Erziehungsrecht"
Seine Ablehnung jeglicher Erwähnung von Homosexualität im Unterricht begründet Bellers mit der EU-Menschenrechtscharta und dem Grundgesetz. So hätten nach Artikel 26 der Menschenrechtscharta Eltern "ein vorrangiges Recht, die Art der Bildung zu wählen, die ihren Kindern zuteil werden soll". Artikel sechs des Grundgesetzes schütze ferner "das Vorrecht der Eltern" auf Erziehung. Das Bundesverfassungsgericht habe evangelischen und katholischen Eltern, die Homosexualität ablehnten, das "alleinige Erziehungsrecht in auch theologisch bedingten Fragen der Sexualerziehung" zugebilligt. So könnte die Schule zwar ab dem 14. Lebensjahr Sexualaufklärung zur Prävention von Schwangerschaften anbieten, "aber mehr auch nicht", interpretiert Bellers.
Er spricht den Schulen das Recht ab, im Unterricht Fragen zu behandeln, die mit der Kirchendoktrin nicht vereinbar sind: "Aufklärung darf an Schulen nicht dadurch betrieben werden, dass man die Werterziehung durch das Elternhaus infrage stellt", erklärte Bellers.
AStA: Aussagen inakzeptabel
Der "Allgemeiner Studierendenausschuss" (AStA) der Uni Siegen hat den Professor am Montag für seine "Menschenrechtsorganisation" scharf kritisiert: "Aussagen dieser Form dürfen in einer aufgeklärten und toleranten Gesellschaft, in der wir uns für eine Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Beziehungen einsetzen, nicht akzeptiert und hingenommen werden und fordern deshalb Herrn Prof. Dr. Jürgen Bellers auf, sich zu diesem Thema und seinen Aussagen konkret zu äußern."
Der Streit um das "Schulfach: schwul" ist bereits im vergangenen Jahr im Berliner Abgeordnetenhauswahlkampf nach einem Artikel des Boulevardblatts BZ hochgeschwappt. Die islamische Kleinpartei BIG verteilte daraufhin homophobe Wurfsendungen, auch Politiker von CDU und FDP kritisierten den damaligen rot-roten Berliner Senat als zu homofreundlich. Dabei basiert die Aufregung auf der Handreichung "Lesbische und schwule Lebensweisen", die der Senat erstmals 2006 herausgegeben hat. Ziel der Aktion ist es, Lehrer für das Thema Homosexualität zu sensibilisieren. So könnte "lesbischen und schwulen jungen Menschen ein stabiles Selbstwertgefühl" vermittelt werden.
Bellers ist seit 1994 Professor für Internationale Politik an der Uni Siegen. Er kritisiert in seinen wissenschaftlichen Arbeiten fast ausschließlich Politiker und Parteien links der Mitte. So hat er Anfang des Jahres das Buch "Kritik der grünen Hypermoral" herausgegeben, in der er den deutschen Grünen Intoleranz vorwirft. (dk)
Links zum Thema:
» Uni-Website von Professor Bellers















"Travail, famille, patrie"
www.youtube.com/watch?v=LmsdHnQ7RD8