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Hetze auf Katholikentag
Katholische Ärzte: Homosexualität ist eine Störung
- 22. Mai 2012 3 Min.

So stellen sich die katholischen Ärzte die Homo-Heilung vor
Auf dem am Sonntag zu Ende gegangenen Katholikentag hat der Bund Katholischer Ärzte für Homo-Heilung geworben und "psychisch leidenden" Schwulen vorgeworfen, Kinder verführen zu wollen.
Die in mehreren deutschen Städten aktive katholische Ärztevereinigung verteilte auf der viertägigen Versammlung von Gläubigen in Mannheim an ihrem Stand Flugblätter mit der Überschrift "Homosexualität aus Sicht katholischer Ärzte". Darin wird gleichgeschlechtliche Liebe als "psychische Störung" beschrieben, die mit Psychotherapie oder Homöopathie behandelt werden müsse. Die Ärzte lehnen die "sexuelle Selbstbestimmung" von Schwulen und Lesben ab und verweisen darauf, dass Kinder von sexuellen Minderheiten gefährdet werden würden. So wird etwa darauf hingewiesen, dass es angeblich einen Zusammenhang zwischen Homosexualität und Pädophilie gebe.
Das Flugblatt wurde am Montag via Facebook und Twitter verbreitet und führte zu teils heftigen Reaktionen. Mehrere Kommentatoren forderten dazu auf, wegen dieser Aktion aus der Kirche auszutreten.
Auf seiner Website beschwert sich der Bund Katholischer Ärzte, dass es eine Hetzkampagne gegen den Stand auf dem Katholikentag gegeben habe. So sei es zur "Beleidigung durch gruppenweises Zeigen des Stinkefingers" gekommen und der Stand sei über Stunden belagert und blockiert worden. Die katholischen Ärzte führten die Aktionen auf den "allgemeine Hass auf Kirche und Priester" zurück und nicht auf ihre Position gegenüber Homosexuellen.

Vorder- und Rückseite des BKÄ-Flyers
Geleitet wird der Verband von Dr. Gero Winkelmann, der früher in der Christlichen Liga aktiv war. Die Minipartei kämpfte bis in die 1990er Jahre aggressiv gegen Abtreibung und Homo-Rechte. Er ist derzeit in einer Privatpraxis in Unterhaching aktiv und hat sich besonders auf die umstrittene Behandlungsmethode Homöopathie spezialisiert, die nicht auf moderner Wissenschaft, sondern auf Überlieferungen aus dem 18. und 19. Jahrhundert basiert. Als "Heilung" für Homosexualität schlägt er etwa vor, Platin in kleinen Dosen zu schlucken. Im vergangenen Jahr hat die Bundesärztekammer die Forderungen der katholischen Ärzte nach Homo-Heilung als "völlig abwegig" bezeichnet und Konsequenzen angedroht (queer.de berichtete).
Der Bund katholischer Ärzte ist Teil der "Ex-Gay"-Bewegung, die insbesondere in den USA erfolgreich agiert. Die Verfechter glauben, dass Homosexualität nur eine menschliche Schwäche sei, die generell auf Kindheitstraumata zurückzuführen sei. Ihre Thesen werden von praktisch allen Wissenschaftlern abgelehnt. Der US-Psychiater Robert Spitzer, der 2001 die meistzitierte Ex-Gay-Studie schrieb, entschuldigte sich im vergangenen Monat für seine Kumpanei mit der "Ex Gay"-Bewegung (queer.de berichtete). Wissenschaftler warnen davor, dass nicht Homosexualität, sondern die Verteufelung von Schwulen und Lesben zu psychischen Problemen bis hin zu Selbstmord führe. So kam eine US-Studie 2011 zum Ergebnis, dass in konservativen Gegenden, in denen Homosexualität grundsätzlich abgelehnt wird, weit mehr Schwule und Lesben den Freitod wählen als in toleranten Regionen (queer.de berichtete). (dk)














