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- 04. Juni 2012 3 Min.

Elmar Kraushaar beim Eurovision Song Contest in Düsseldorf (Bild: Norbert Blech)
Seit Jahren schreibt der schwule Journalist Elmar Kraushaar die Kolumne "Der homosexelle Mann" für die "taz". Die neueste Ausgabe, für morgen vorgesehen, wird aber nicht erscheinen, weil Kraushaar den "taz"-Redakteur Jan Feddersen kritisiert. Mit Erlaubnis des Autoren dürfen wie sie hier wiedergeben:
Der homosexuelle Mann ...
... in Aserbaidschan ist dem Westeuropäer ein Fremder. Möglicherweise ist - wie es in queerer Terminologie heißt - sein Konzept sowohl von Homosexualität als auch von Homosexuellenunterdrückung ein ganz anderes. Der gerade zu Ende gegangene Eurovision Song Contest sollte Aufschluß darüber geben. Denn kaum war im vergangenen Jahr in Düsseldorf das Duo aus Baku zum Sieger gekürt, fragten die ESC-Fans schon nach: Kann man als Schwuler überhaupt nach Baku reisen oder wird man gleich festgenommen beim ersten spitzen Schrei?
Viele von denen, die jetzt da waren, haben ihre Beobachtungen mitgeteilt, das Ergebnis ist ein "sowohl" als "auch". Festgenommen wurde wohl keiner der schwulen Gäste, aber wirklich gerne gesehen war man auch nicht. Falls man überhaupt von "gesehen" sprechen kann. Denn das scheint die oberste Maxime der heimischen Schwulen zu sein: Aufpassen, dass man nicht gesehen wird. Ein schwules Leben ist möglich - als Doppelleben, im Versteck und in der Nacht.
Einzig Jan Feddersen, in Personalunion Baku-Blogger für taz und NDR, hat es anders wahrgenommen. Die Unterdrückung der Homosexuellen? "Westliche Gerüchte", schreibt Feddersen, "Gräuelpropaganda von Menschenrechtisten", stattdessen sei Baku ein einziger "schwuler Catwalk" mit Männern in "hautengen T-Shirts" und "Jeans mit eingebauten Gemächtebeulen". Und die halten Händchen in aller Öffentlichkeit und sind "Buddies" ein Leben lang.
Feddersens höhnischer Ton immer dann, wenn es um Pressefreiheit und Menschenrechte in Aserbaidschan ging, erstaunte die übrigen Pressevertreter, seine verklärten Worte über das schwule Leben dort erzürnte die Beobachter schwuler Medien. "Das Mindeste, das du jetzt tun könntest, aus Solidarität zu denjenigen, die ein anderes Verhältnis zu den Realitäten haben", schreibt queer.de-Redakteur Christian Scheuß in einem offenen Brief an Jan Feddersen, "halt in Sachen Menschenrechte doch einfach die Klappe." Frank & Ulli schlagen auf ihrer Web-Seite "2mecs" vor, Feddersens Wortschöpfung "Menschenrechtist" zum Unwort des Jahres zu küren. Für die beiden Autoren macht es keinen Sinn einen neuen Begriff einzuführen, es gebe doch die "Menschenrechts-Aktivisten": "Es sei denn", unterstellen sie Feddersen, "man wolle ihrer Arbeit eine negative Konnotation anhängen, sie diffamieren, sie verächtlich machen."
Auch Patsy l'Amour laLove lässt in ihrem Patsy-Blog kein gutes Haar an Feddersen und stellt - mit Blick auf seine idyllischen Mutmaßungen über muslimisch konnotierte Männerfreundschaften - fest: "Wenn Männersex in Badehäusern en vogue ist, dann träume ich nicht davon, wie befreit diese Gesellschaft sein muß, sondern denke darüber nach, warum schwuler Sex nur in der Begrenztheit dieser Räume stattfinden darf." Die Polittunte setzt ihre Forderung gegen jeglichen falschen Zungenschlag: "Solidarität mit unseren Schwestern anstatt selbstgefälliger Romantisierung!" Denn "die Schwulenunterdrückung in Aserbaidschan ist kein Gerücht sondern Alltagsrealität!"
Kraushaar berichtet, ihm sei in den vielen Jahren bereits einmal eine Kolumne gestrichen worden, weil er einen seiner Meinung nach schwulenfeindlichen Text in der Zeitung kritisiert hatte. Die lesbische Chefredakteurin habe den jüngsten Text "kurzerhand rausgeschmissen", weil sie ihrem schwulen Kollegen Feddersen nicht gefallen habe, mutmaßt Kraushaar. Auf eine Anfrage von queer.de hat "taz"-Chefin Ines Pohl geantwortet: "Die taz-Chefredaktion hat sich entschieden, die Kraushaar-Kolumne nicht abzudrucken, da es seit langem eine Übereinkunft in der 'taz' gibt. Man greift KollegInnen nicht persönlich in der eigenen Zeitung an, auch nicht über Zitate Dritter (...) Das geht nur in Form offener Schreibschlacht, Pro & Contra. Dieses Pro & Contra hatten wir zu der Sache aber schon während des Grand Prix, Niggemeier und Feddersen. Ein zweites Pro & Contra wollte keiner der Beteiligten."














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Insgesamt aber ist der ESC und seine Wirklung auf Aserbaidschan überbewertet und wie man bereits jetzt merkt, "Schnee von gestern". Der ESC taucht immer nur paar Tage im Jahr kurz auf und dann ist es aber auch von den Menschen in Deutschland bereits wieder vergessen.
Wenn Anke Engelke in ihrer Punktevergabemoderation äußerte "Europe is watching Aserbaidschan", so ist das zwar sehr löblich, aber doch in Wahrheit nur ein Spruch, der schnel in Mittel- und Westeuropa in Vergessenheit gerät.
Leider ist es so, dass die Augen der West/Mittel-/Nordeuropäer in erster Linie nur auf ihre eigenen Länder gerichtet sind und darüberhinaus dann auf die umliegenden Nachbarländer.
Für uns Deutsche bedeutet dies: wir nehmen zwar medial intensiv wahr, was in Deutschland sowie in den Nachbarländern Frankreich, Polen, Tschechien, Niederlande, Belgien, Schweiz, Österreich, Dänemark und Schweden geschieht, und auch noch unsere Urlaubsländer Spanien, Italien, Türkei, Griechenland und Portugal sind von Interesse, aber die östlich liegenden europäischen Länder geraten schnell in Vergessenheit und das gilt nicht nur für die mediale Berichterstattung von Rundfunk und Fernsehen sondern auch für Zeitungen, Zeitschriften und deutschsprachiges Internet.
Und darüberhinaus dominiert dann noch die Bericherstattung aus den USA, aufgrund der medialen Dominaz Washingtons Medien sowie der Medien aus Hollywood.
Es ist immer wiederr erschütternd zu beobachten, wie wenig der Durchschnittsdeutsche von den innenpolitischen und menschenrechtlichen Verhältnisse in Ländern Mittel-, Südamerikas, Afrikas sowie Süd-/Südostasiens und Ozeaniens weiß.
-------> Mein Fazit zu Aserbaidschan ist daher: menschenrechtlich interessiert sich da jetzt schon kaum noch einer in Deutschland für und spätestens mit der Fussballeuropameisterschaft in Polen/Ukraine und dann mit Olympia in London ist Aserbaidschan total vergessen. So ist das halt in unseren schnelllebigen oberflächlichen Medienwelt, wo sich immer alle Journalisten auf ein Thema bis zum Erbrechen stürzen und dann nach paar Tage dann auf das nächste Thema wieder stürzen, bis es wiederum keiner mehr hören kann und mag.
Daher sind mir persönlich auch Reporter/Journalisten lieber, die Artikel zu Themen schreiben, die nicht gerade tagesaktuell oder im Zentrum der Allgemeinmedien stehen, aber diese Artikel sind eher "dünn" gesät.