Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?16649
  • 04. Juni 2012 22 4 Min.

Die britische Königin begeht in diesen Tagen ihr 60. Thronjubiläum. Peter Tatchell wirft ihr vor, Schwule und Lesben zu ignorieren - ein Text, der auch zum Nachdenken über die eigenen Staatsoberhäupter anregt (Bild: Wiki Commons / Lzur / CC-BY-SA-3.0)

Sie mag nicht homophob sein, aber das Schweigen der britischen Königin zu LGBT-Rechten zeigt, dass sie auch nicht gerade schwulen- und lesbenfreundlich ist.

Vom britischen Menschenrechtsaktivisten Peter Tatchell

Seit den Fehlern in der Öffentlichkeitsarbeit im Umfeld des Todes von Prinzessin Diana hat sich die britische Königin Elisabeth II. angestrengt, mehr im Einklang mit der Stimmung im Volk zu sein. Sie repräsentiert die Monarchie als modern, mitfühlend und einschließend, oft erwähnt sie die Werte einer multikulturellen Gesellschaft mit Personen unterschiedlicher Herkunft und Glaubens.

Bei einem Thema hinkt sie allerdings der öffentlichen Meinung hinterher. Während die meisten von uns lesbische, schwule, bisexuelle und Transgendermenschen ausdrücklich willkommen heißen, hat die Queen das nie getan. Während ich bezweifle, dass Elisabeth II. zürnend homophob ist, so erscheint sie sicherlich nicht schwulen- und lesbenfreundich. In ihrer 60-jährigen Herrschaft hat sie die Existenz der LGBT-Gemeinde ebenso wenig angesprochen wie homo­sexuelle Mitglieder ihrer königlichen Familie. Die Queen hat den Queens ihren Rücken zugekehrt.

Während sie zustimmend über die vielen Rassen und Glaubensrichtungen in Großbritannien gesprochen hat, hat sie sechs Dekaden lang LGBT-Briten ignoriert. Nimmt man ihr Schweigen ernst, scheint es, als wären wir die Unaussprechbaren - die Leute, bei denen es die Queen nicht ertragen kann, sie öffentlich anzuerkennen oder zu erwähnen. Würde sie schwarze oder asiatische Briten gleichermaßen behandeln, würde sie als Rassistin gebrandmarkt. Warum diese Doppelmoral?

Signal des Ausschlusses


Peter Tatchell

Egal, ob diese Weglassungen die persönlichen Ansichten der Queen reflektieren oder das Ergebnis des Rats ihrer Mitarbeiter sind, als Monarchin trägt sie die ultimative Verantwortung. Ihr Schweigen ist ein Signal des Ausschlusses und des mangelnden Respekts.

Es ist schon bemerkenswert, dass der Queen nie die Worte "gay" oder "lesbian" über die Lippen kamen, nachdem sie 1952 den Thron bestieg. Es gibt keinen Beleg für eine entsprechende Äußerung. Selbst als sie Pläne ihrer Regierung für Rechtsreformen zugunsten von Schwulen und Lesben verkündete, nutzte sie nicht diese Worte. Offenbar ist es unter der Würde der Monarchin, LGBT-Personen zu erwähnen.

Geht man auf die Webseite der britischen Monarchie und durchsucht alle öffentlichen Statements und Termine der Queen nach dem Wort "gay", findet man nichts. Die Queen besucht viele Wohltätigkeitsorganisationen. Aber in 60 Jahren hat sie nie eine LGBT-Organisation besucht. Sie hat, nur als Beispiel, verdienende Organisationen wie den Albert Kennedy Trust oder Stonewall Housing, das obdachlose Homo-Teenager unterstützt, ignoriert. Sie ist Schirmherrin vieler guter Organisationen, darunter keine aus der Gay Community und keine, die diese gezielt unterstützt.

Die Queen als diskriminierender Arbeitgeber

Verteidiger der Queen erwähnen oft, dass viele Mitarbeiter des königlichen Haushalts schwule Männer sind. Das stimmt, aber was soll's? Schwule Mitarbeiter, die sich in der Pflege der Queen verausgaben, beweisen nichts, außer, dass sie gut erzogene und gut gebaute männliche Diener mag. Das ist das Äquivalent von reichen Rassisten, die angeben, nicht rassistisch zu sein, da sie Schwarze beschäftigen, um ihr Haus zu reinigen und ihre Mahlzeiten zu kochen.

Es gibt starke Beweise für königliche Vorurteile. Schwulen Mitarbeitern des königlichen Haushaltes war es versagt, ihre Partner zum alljährlichen Weihnachtsfest mitzubringen, während heterosexuelle Mitarbeiter dazu ausdrücklich eingeladen wurden. Diese homophobe Diskriminierung wurde 1995 von der LGBT-Menschenrechtsgruppe OutRage! öffentlich gemacht. Erst nach einem Protest außerhalb des Palasts und schlechter Publicity wurde das Verbot der gleich­geschlechtlichen Partner aufgehoben.

Wenn es in Großbritannien große Tragödien mit Todesfällen gibt, besucht die Queen oft den Ort und die Opfer im Krankenhaus. Dazu kam es nicht, als der Neonazi David Copeland 1999 einen Bombenanschlag auf den schwulen Pub Admiral Duncan in Soho verübte. Drei Personen wurden getötet und über 70 Personen verletzt. Zu diesem Zeitpunkt war das der schlimmste Terrorangriff in Großbritannien seit Jahren. Zu der Überraschung Vieler hat die Queen weder den Tatort noch die Opfer besucht [allerdings war Prinz Charles vor Ort, Anm. d. Red.].

Keine Antwort, auch eine Antwort

Ich wollte der Queen eine Chance geben, sich dazu zu äußern, also habe ich ihr Pressebüro kontaktiert. Ich habe gefragt: Hat die Königin in der Öffentlichkeit je die Worte "schwul" und "lesbisch" benutzt? Hat sie diese Worte in einer ihrer Queen's Speeches, also bei der Ankündigung von Gesetzen der Regierung, genutzt? Hat sie je die Existenz von LGBT-Personen in öffentlichen Statements anerkannt? Hat die Queen je eine LGBT-Organisation besucht oder diese als Schirmherrin unterstützt?

Die Sprecher der Queen haben darauf nicht geantwortet. Damit schließe ich mein Plädoyer. Die Monarchie ist homophob - wenn nicht durch bewusste Absicht, dann sicher durch Versäumnis. Als Kopf des Staates sollte die Königin alle britischen Personen repräsentieren und einschließen, nicht nur einige. Wie lange noch muss die LGBT-Community auf königliche Anerkennung und Akzeptanz warten?

Peter Tatchell ist einer der bekanntesten Homo-Aktivisten Großbritanniens. Er spricht sich auch für Abschaffung der Monarchie aus. Übersetzung: nb.

-w-

#1 carolo
  • 04.06.2012, 22:53h
  • Immerhin hat sich Elton John... pardon... Sir Elton in einem kurzen Backstage-Interview im Rahmen der Übertragung des Jubiläumskonzerts bei BBC Radio 2 gerade - auf sein pinkfarbenes Bühnenkostüm angesprochen - als "the biggest puff in the country" bezeichnet. :-)
  • Direktlink »
#2 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 04.06.2012, 23:36h
  • Themseliesel ist 60 Jahre (!) auf dem britischen Thron und denkt noch nicht ans Abdanken! Und Peter Tatchell hat die richtigen Worte gefunden!
  • Direktlink »
#3 Thorsten1
  • 05.06.2012, 07:15hBerlin
  • Ja, es stimmt! Die britische Königin IST homophob!
    Sie sollte sich an dem niederländischen und an den skandinavischen Königshäusern ein Beispiel nehmen, die immer wieder auf Schwule und Lesben zugehen.
    Wahrscheinlich ist es auch eine Generationsfrage. Mit 86 Jahren ist man wohl nicht mehr in der Lage, diesbezüglich umzudenken. Interessanter ist es daher zu sehen, wie Prinz Charles als zukünftiger König mit diesem Thema umgeht.
  • Direktlink »