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Happy Together (20)
Eine Beziehung in guten wie schlechten Tagen?
- 17. Juni 2012 3 Min.

Plötzlich ist einer krank. Das schwule Paar Mitch und Cameron in der Serie "Modern Family" (Montags ab 20:15h) (Bild: RTL Nitro)
Wenn der Partner schwer erkrankt, wird die Partnerschaft schnell zur Belastungsprobe. Was kommt auf einen zu und wie geht man damit um?
Von Christian Scheuß
Plötzlich konnte er keine vernünftigen Sätze mehr artikulieren, ihm war so schwindlig, dass er sich kaum mehr auf den Beinen halten konnte. Seine Umgebung sah er nur noch doppelt. Als die beunruhigenden Symptome nicht nachließen, kam der Notarzt. Im Krankenhaus war die Diagnose schnell gestellt: Schlaganfall. So ähnlich muss es dem Nachbarn vor etwa einem Jahr ergangen sein. Seitdem ist der Mittsechziger ein Pflegefall. Er kann wegen einer einseitigen Lähmung kaum noch laufen, ist nicht mehr in der Lage, sich mit Worten zu artikulieren, hat Schwierigkeiten beim Schlucken, ist inkontinent. Seine Frau kümmert sich um ihren Mann, der vollständig abhängig ist von der Hilfe anderer. Die Stärke dieser Frau ist bewundernswert und zugleich bekommt man ein bisschen Angst: Was, wenn der Schlag einen selbst trifft oder die Demenz schleicht sich langsam heran. Zum Pflegefall zu werden, das ist sicherlich eine der gravierendsten Veränderungen des Lebens, und sie wird auf die meisten von uns zukommen, mal eher, mal früher.
Schwerwiegend ist es für alle, auch für den gesunden Beziehungspartner, der sich nun mit der Krankheit des Anderen und dessen Folgen auseinandersetzen muss. Wie wird man mit so etwas fertig? Wie weit kann man eine Situation aushalten, in der der man den Freund / die Freundin auf Dauer daheim pflegen muss? Wann sind die Grenzen der eigenen Belastbarkeit erreicht? Diese Fragen waren in den neunziger Jahren wegen Aids besonders drängend und häufig bei schwulen Paaren. Die modernen Therapien haben an der HIV-Front für Entlastung gesorgt, doch das Lebensrisiko durch andere Krankheiten bleibt, die Fragen und Sorgen sind dabei dieselben.
Nicht alles alleine stemmen, damit man mit der neuen Situation fertig wird
Eines ist sicher: Wenn der Partner zum Pflegefall wird, geht es nicht ohne Hilfe von außen. Familie und Freunde müssen mit anpacken, allein ist man ganz schnell mit der Situation überfordert. Ein intaktes familiäres und soziales Netzwerk ist überlebenswichtig. Auch die professionelle Hilfe durch medizinisches und Pflegepersonal gehört dazu. Zu betreuen ist aber nicht nur der Pflegebedürftige, der Angehörige benötigt psychosoziale Begleitung. Das ist etwas, was oft zu kurz kommt. Dabei ändert sich mitunter alles im Leben des Paares. Verlust an freier Zeit und Privatsphäre, an sozialen Kontakten und Perspektiven oder eigenem Wohlbefinden. Vielleicht muss sogar die Arbeit aufgegeben werden und ein finanzieller Abstieg droht.
Der pflegende Partner befindet sich auf einer emotionalen Achterbahn. Die Pflegesituation scheint unentrinnbar, das Eingeständnis der Überforderung ist von starken Schuldgefühlen begleitet, psychische Erkrankungen als Folge sind nicht selten. Auch der Pflegebedürftige muss sich ordentlich umstellen. Der Verlust der Selbständigkeit oder das Gefühl, dem Partner zur Last zu fallen, können am Selbstwertgefühl nagen. Ist es eine psychische Erkrankung ändert sich vielleicht sogar das ganze Wesen. Das Paar wird sich fremd.
Bitte jetzt nicht in Panik verfallen, sondern sich bei nächster Gelegenheit mal in Ruhe mit dem Partner zusammensetzen um über den Fall der Fälle zu reden. Und sich Gedanken machen, wie man Vorkehrungen für den worst case treffen kann. Sind Patientenverfügungen geschrieben, gibt es ein Testament? Welche Behandlungen möchte man, und welche lehnt man ab? Wer kann in der Familie und bei den Freunden aushelfen, wo erhält man professionelle Unterstützung? Sich in guten Tagen auf mögliche schlechte vorzubereiten, hilft viel.
Links zum Thema:
» Tipps zu Recht und Pflege von der DAH
» Rechts-Tipps vom LSVD















--> Genauso ist es auch. Nicht HIV ist heute in Deutschland das Hauptproblem bei homosexuellen Paaren; es sind vielmehr die anderen Krankheiten, wie Schlaganfälle und sonstige Herz-/Kreislaufkrankheiten sowie insbesondere die Volksgeißel Krebs. Die meisten der heutigen schwulen und lesbsichen Menschen in Deutschland werden an Herz-/Kreislaufkrankheiten, Demenz und Krebs versterben: nicht anders als bei den heterosexuellen Deutschen. Mit HIV infizieren werden sich wohl auch weiterhin viele schwule Deutsche, aber sie werden an anderen Krankheiten versterben.
Insgesamt diesmal ein sehr wertvoller Artikel auf queer.de, der mir gut gefällt.