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Wissenschaftler machen Politik

Studien-Streit um Regenbogen­familien

  • 18. Juni 2012 30 3 Min.

Soziologe Mark Regnerus will beweisen, dass Schwule und Lesben schlechte Eltern sind

Eine amerikanische Studie behauptet, dass Kinder, die von Schwulen oder Lesben aufgezogen worden sind, schlechter im späteren Leben zurechtkommen – der Psychologenverband hält das Ergebnis für Humbug.

Von Dennis Klein

Jetzt sei der Beweis erbracht, dass Kinder in Regenbogen­familien "einer Form von sexueller Misshandlung" ausgesetzt seien, frohlockte Bryan Fischer, der Sprecher der homofeindlichen Lobbygruppe "American Family Association". Er und andere evangelikale Aktivisten freuten sich über eine Studie des Soziologen Mark Regnerus von der University of Texas in Austin.

Regnerus hatte zuvor eine Studie veröffentlicht, die homo­sexuelle Eltern generell als schlechten Einfluss auf Kinder darstellte. Er hatte 3.000 Menschen zwischen 18 und 39 Jahren befragt, ob sie bei Schwulen oder Lesben als Elternteil aufgewachsen sind – und dann mehrere Fragen zu ihrem Leben gestellt. Das Ergebnis: Wer bei schwulen oder lesbischen Eltern aufgewachsen ist, trinkt mehr Alkohol, ist eher arbeitslos und lebt eher in wilder Ehe. Regnerus schloss daraus: Kinder werden nur glücklich, wenn man ihnen Homos vom Hals hält. Konservative Medien wie die "Washington Times" und die "National Review" frohlockten über die Ergebnisse, aber auch andere Zeitungen und Nachrichtenagenturen verbreiteten die Studie.


Vater und Tochter auf dem CSD (Bild: nerdcoregirl / flickr / by-sa 2.0)

Allerdings gibt es mehrere Probleme mit der Studie: Besonders fragwürdig ist die Art, wie Regenbogen­familien bestimmt werden. So fragte Regnerus, ob die Probanden in einer Familie aufgewachsen seien, in der einer der Partner jemals eine gleich­geschlechtliche Beziehung gehabt habe. Antwortet der Befragte mit "Ja" fällt er unter die Kategorie "aufgewachsen mit mindestens einem homo­sexuellen Elternteil". Allerdings wuchs weniger als ein Prozent der Befragten (248 Personen) bei einem gleich­geschlechtlichen Paar auf. Viele sind statt dessen bei verschiedengeschlechtlichen Paaren groß geworden, die sich getrennt haben – oder bei heterosexuellen Paaren, die mal im Swingerclub waren und deshalb nach Regnerus das Label "homo­sexuell" erhalten haben.

Auch weitere schwerwiegende Mängel an der Studie lassen am Ergebnis zweifeln: So erkennt Regnerus die rechtliche Diskriminierung von Homo-Paaren nicht als Ursache für die Probleme von Regenbogen­familien an.

Studie von Homo-Hassern finanziert

Die Ergebnisse sind noch weniger überraschend, wenn man betrachtet, wer die Studie bezahlt hat: Das Projekt unter dem Namen "New Family Structures Study" wurde mit fast 800.000 Dollar vom Witherspoon Institute und der Bradley Foundation finanziert. Die beiden Gruppen setzen sich als eines ihrer Ziele, Homo-Rechte zurückzufahren.

Die Studie hat wütende Reaktionen bei Homo-Gruppen ausgelöst. Auch die American Psychological Association hat in einer Pressemitteilung bekannt gegeben, dass sie Schwule und Lesben weiterhin für gleichwertige Eltern hält: "Es gibt keinen Zusammenhang zwischen der Erfüllung der elterlichen Pflichten und der sexuellen Orientierung der Eltern." Das zeigten die bisherigen Studien deutlich.

Bisher sind praktisch alle groß angelegten Studien in mehreren Ländern zum Ergebnis gekommen, dass Schwule und Lesben nicht automatisch schlechtere Eltern sind. Eine Untersuchung der Universität Los Angeles ist sogar zum Ergebnis gekommen, dass Eltern aus Regenbogenfamilien engagierter seien (queer.de berichtete). 2008 hieß es auch in einer Studie des deutschen Bundesjustizministeriums, dass die Vorurteile gegen Homo-Paare in dieser Frage unbegründet seien (queer.de berichtete).

-w-

#1 Kokolemle
  • 18.06.2012, 13:45hHerschweiler
  • Alles dummes Gebabbel von jemanden der gegen Regenbogenamilien ist. Leute fallt bloß nicht auf solche dummen und plumpen Behauptungen rein.
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#2 goddamn liberalAnonym
  • 18.06.2012, 14:08h
  • 1. Dieser Soziologe sieht mir irgendwie verdächtig aus. Selbsthass-Alarm?

    2. Er arbeitet im extrem reaktionären Texas, wo die Todesstrafe zur Regionalfolklore gehört.

    3. Das deutet neben den dubiosen Sponsoren auf ein bestimmtes Umfeld hin.

    4. Das ist das Problem dieser Studien. In Texas findet man halt nicht die liberale 'The kids are alright'-Mittelschicht, wie man sie in San Francisco oder in Boston (dort mit obligatorischem Klavierunterricht) findet.

    5. Das wirkt sich dann automatisch auf die 'wissenschaftlichen' Ergebnisse aus. Das ist keine Wissenschaft, die Wissen schafft, sondern eine die Vorurteile bestätigt.

    Und den Selbsthass, der eben auch zu familiären Problemen in reaktionärer und feindseliger Umgebung führt.
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#3 GayreporterAnonym
  • 18.06.2012, 14:15h
  • Meine Güte, ist das peinlich. Der muss doch, wie letztens bei Kollegen geschehen, in zehn Jahren seinen Quark widerrufen... Lieber gleich lassen. Das Geld wäre sicher besser angelegt, wenn er den USA mal einen Weg aus ihrer fortdauernden Wirtschaftsmisere weist.
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