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- 19. Juni 2012 2 Min.

Christian Scheuß, Jahrgang 1966, ist Redakteur bei queer.de und langjähriger "Fachidiot" in Sachen LGBT-Journalismus. Dass es noch viel zu tun gibt, damit queere Lebenswelten in den Medien vorurteilsfrei und den Realitäten entsprechend dargestellt werden, darauf stößt er häufig. Und reibt sich dann daran…

Im "Krimi-Milieu" heißt es hier: Alles, was sie sagen, kann und wird gegen sie verwendet werden... (Bild: Scrennshot ruhrnachrichten.de)
Tief im Westen, wo die Lokal-Redaktion verstaubt, ist es besser, wenn man nicht mehr ans "Homosexuellen-Milieu" glaubt… Christian Scheuß schreibt an die "Ruhr-Nachrichten".
Liebe "Ruhr-Nachrichten"-Redaktion!
Ein großes "Seufz", "Ach und Weh" entfährt uns da in dieser Redaktion. Da ist es wieder, das Homosexuellen-Milieu, das aus der Feder einer Kollegin aus dem "Ruhr-Nachrichten"-Milieu in einen Text gerutscht ist. Und kein Chef vom Dienst hat's gesehen. Erst im April war die Dortmunder WAZ ins Fettnäpfchen getreten, jetzt trampeln die Mitbewerber munter hinterher. Das hat man nun davon, wenn man einen "Tatort" im Ruhrgebiet dreht. Da ist ja auch noch alles Arbeitermilieu und die Sonne verstaubt…
Ach nicht? Kein Milieu mehr, keine Kumpel da, die nach der Schicht im Schacht noch'n lecker Pils und nen Korn zischen? Und den Tegtmeier gibt's auch nicht mehr? Seit wann datt denn?
So ist das mit den Klischees, die kleben an Regionen und Menschen fest, die lassen sich nur ganz schwer abschütteln. Das fiese Wort vom homosexuellen Milieu, in dem Rotlicht, Kriminalität und Abgründe immer automatisch mitschwingen, vor allem, wenn man es im Zusammenhang mit einem fiktiven Mordfall aus dem Tatort nennt: dieser diskriminierende Begriff ist noch immer in den Dortmunder Lokalredaktionen präsent.
Strukturwandel im Revier? Bitte auch in den Lokalredaktionen...

Wenn es voll ist, laden wir das "Heteromilieu" zu Prosecco ein (Bild: kenteegardin / flickr / by-sa 2.0, Montage queer)
Frank Laubenburg von der NRW-Landesarbeitsgemeinschaft queer der Linken bringt die Sache auf jeden Fall auf die homosexuelle Palme. Er wendet sich in einem offenen Brief direkt an die Autorin Gaby Kolle: "Der Berliner 'Tagesspiegel' bezeichnete die Wortschöpfung 'Homosexuellen-Milieu' bereits vor Jahren als 'erstes Unwort des Jahres 2005'. Wir fordern die 'Ruhr-Nachrichten' auf, ihre Wortwahl beim Schreiben kritisch zu reflektieren und auf dumpfe Ressentiments zu verzichten."
Dem schließt sich die Redaktion von queer.de an, die sich auch freuen würde, wenn die RN-Online-Redaktion zumindest noch schnell korrigierend eingreifen würde. Vor zwei Monaten hatten wir zudem in unserem Beitrag "Neulich im Dortmunder Tatort-Milieu" die Einrichtung des "Milieu-Sparschweins" angekündigt, in das wie bei der berühmten "Chauvi-Kasse" jeder einen Obulus zu entrichten hat, der bei einer "Milieu"-Formulierung erwischt wird. Liebe "Ruhr-Nachrichten", das Schweinchen steht nun bei euch…
Nachtrag, 19h: Die "Ruhr-Nachrichten" haben uns via Twitter geschrieben, dass sie die Formulierung geändert haben (nun heißt es, der "Tatort" spiele "teilweise unter Homosexuellen") und über das Thema diskutieren wollen.
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Christian Scheuß, Jahrgang 1966, ist Redakteur bei queer.de und langjähriger "Fachidiot" in Sachen LGBT-Journalismus. Dass es noch viel zu tun gibt, damit queere Lebenswelten in den Medien vorurteilsfrei und den Realitäten entsprechend dargestellt werden, darauf stößt er häufig. Und reibt sich dann daran…
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Begriffe wie "das Homosexuellen-Milieu" oder auch "der bekennende Homosexuelle" gehören jedenfalls auf auf den Müll - oder ins Müll-Milieu, je nach sprachlicher Prägung.
Hier schwingt, wie auch Christian Scheuß ganz richtig sagt, immer was von Verbrechen, Rotlicht, Kriminalität mit. Wer bekennt sich denn, wenn nicht Mörder? Also weg mit so nem sprachlichen Schrott!