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- 28. Juni 2012 2 Min.

Hat auch die homosexuellen Sünder lieb: Erzbischof Rainer Maria Woelki (Bild: Wiki Commons / Membeth / CC-Zero)
Der Berliner Erzbischof Rainer Maria Woelki geht weiter auf schwul-lesbische Gläubige zu – auch wenn er deren "Lebensentwurf" nicht teilen kann.
Von Carsten Weidemann
Einst galt Rainer Maria Woelki als Hardliner und Opus-Dei-Freund, doch seit seiner Ernennung zum Berliner Erzbischof im Januar 2012 geht der 55-Jährige auf Schmusekurs zu seinen gleichgeschlechtlichen Schäfchen.
In einem am Donnerstag in der Wochenzeitung "Die Zeit" erschienenden Interview warnte Woelki vor einer pauschalen Verurteilung von Homosexuellen. Der katholische Katechismus mahne, dass Schwule und Lesben nicht "in ungerechter Weise zurückgesetzt" werden dürften, so der Kardinal: "Wenn ich das ernst nehme, darf ich in homosexuellen Beziehungen nicht ausschließlich den Verstoß gegen das natürliche Gesetz sehen. Ich versuche auch wahrzunehmen, dass da Menschen dauerhaft füreinander Verantwortung übernehmen, sich Treue versprochen haben und füreinander sorgen wollen, auch wenn ich einen solchen Lebensentwurf nicht teilen kann."
Woelki kritisiert "falschen Perfektionismus" der Kirche
Die Lehre der Kirche müsse zwar beachtet werden, so Woelki, andererseits gelte es zugleich praktikable Wege zum Wohl der Menschen zu finden. "Heute leiden wir kirchlicherseits vielleicht manchmal an einem falschen Perfektionismus", meinte der Erzbischof. "Für mich sind auch die kritischen Geister zunächst einmal Christen, die ihre Kirche lieben und sich Sorgen machen", sagte Woelki in dem "Zeit"-Interview. Sie litten an der Kirche oder an manchen Positionen. "Aber sie sind in der Kirche, und sie ringen um ihre Kirche."
Noch in seiner Zeit als Weihbischof in Köln hatte Woelki Homosexualität als "Verstoß gegen die Schöpfungsordnung" verdammt und einem Mann die Diakonatsweihe nur deshalb verweigert, weil der acht Jahre zuvor in einem Aufklärungsbuch den ketzerischen Satz "Es gibt auch Männer, die Männer lieben" veröffentlicht hatte (queer.de berichtete).
Doch bereits kurz nach seiner Ernennung zum Berliner Erzbischof traf sich Woelki mit Vertretern des Lesben- und Schwulenverbands zum Kaffeeklatsch (queer.de berichtete). In einem Fernsehinterview räumte er ein, ein Homosexueller sei wie jeder andere "ein Mensch, der liebenswert ist, ein Ebenbild Gottes" (queer.de berichtete). Im vergangenen Monat stellte der Erzbischof auf dem Katholikentag in Mannheim sogar eine liberalere Haltung der katholischen Kirche gegenüber Homo-Paaren in Aussicht (queer.de berichtete).














