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Interview mit CDU-Abweichler Matthias Zimmer
"Gleichstellung ist ein konservatives Anliegen"
- 30. Juni 2012 3 Min.

Der Politikwissenschaftler Matthias Zimmer ist seit 2009 Mitglied des Deutschen Bundestages. Er ist Vorsitzender der Christlich Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA) in Hessen (Bild: Deutscher Bundestag/Lichtblick/Achim Melde)
Am Donnerstag enthielt sich der Frankfurter CDU-Abgeordnete Dr. Matthias Zimmer der Abstimmung, als es um die Öffnung der Ehe ging. Queer.de-Redakteur Dennis Klein sprach mit dem verheirateten Katholiken über seinen Meinungswandel beim Thema Homo-Rechte.
queer.de: Bei der Abstimmung über die Öffnung der Ehe für Schwule und Lesben waren Sie einer von drei CDU-Abgeordneten, die sich der Stimme enthalten haben. Warum?
Matthias Zimmer: Ich teile die Zielrichtung des Antrags - dann kann ich nicht sagen, dass ich den Antrag rundherum ablehne. Das muss deutlich werden in der Abstimmung.
In der Union hat man bisher wenig warme Worte für die Gleichstellung im Eherecht gehört. Was hat sie zu Ihrer Einstellung bewogen?
Bis letztes Jahr war ich auch eher dagegen. Im August 2011 habe ich dann zu diesem Thema eine Anfrage auf Abgeordnetenwatch erhalten. Ich bin in mich gegangen und meine Position hat mich bei näheren Nachdenken nicht zufrieden gestellt. Ich kam zu dem Schluss, dass ich meine ablehnende Haltung nicht aufrecht erhalten konnte, weil sich auch gleichgeschlechtliche Lebenspartner wie Eheleute lieben, füreinander einstehen, füreinander Verantwortung übernehmen. Das entspricht auch dem Prinzip der Subsidiarität (Prinzip der Eigenverantwortung und Hilfe zur Selbsthilfe, Red.).
Haben Sie hierzu auch Diskussionen in der Fraktion angeregt?
Das Thema wurde bislang nicht im großen Kreis der Fraktion diskutiert. Es gibt aber eine Arbeitsgruppe, in der neue Wege gesucht werden. Meine Arbeitsschwerpunkte sind andere. Aber ich weiß, dass das Thema für viele Menschen wichtig ist. Das ist mir auch im Gespräch mit Vertretern der LSU (Lesben und Schwule in der Union, Red.) in Frankfurt klar geworden.
Hat Ihre Enthaltung Reaktionen bei Ihren Parteifreunden hervorgerufen?
Kaum. Ich habe den Verfahrensweg eingehalten und vor der Abstimmung in der Fraktion meine Enthaltung gemeldet. Das war alles. Ich weiß, dass es Kollegen in der Fraktion gibt, die ihr "Nein" schweren Herzens gegeben haben. Ich komme, wie die beiden Kollegen aus der CDU, die sich ebenfalls enthalten haben, aus einer Großstadt. Da wird dieses Thema offen diskutiert. In vielen ländlichen Gebieten wird das Thema Homosexualität gemieden.
Warum hat Ihre Partei noch immer ein so großes Problem mit gleichgeschlechtlichen Paaren?
Die Union trägt das "C" im Namen. Hier spielen christliche Werthaltungen eine Rolle und ein eher traditionelles Familien- und Geschlechterbild. Ich glaube aber, dass sich aus dem "C" heraus auch die Gleichstellung im Eherecht begründen lässt. Da ist an der Basis der Kirche vieles in Bewegung.
Auf Abgeordnetenwatch haben Sie den CSD als Hindernis auf dem Weg zur Gleichstellung beschrieben. Warum?
Beim CSD scheint sich alles um die öffentlich zur Schau gestellte Sexualität zu drehen, ein Karneval der Frivolität gewissermaßen. Ich überspitze hier bewusst. Bei der Frage der Gleichstellung geht es aber darum, Verantwortung füreinander zu übernehmen. Das ist ein sehr bürgerliches, ein konservatives Anliegen.
Aber der CSD ist auch der Ort, wo sich Selbsthilfegruppen präsentieren und politische Diskussionen stattfinden, für die sonst nirgendwo Platz ist. Die teilweise karnevaleske CSD-Parade ist nur ein kleiner Teil.
Das ist richtig, und hier habe ich selbst auch wertvolle Denkanregungen bekommen. Aber die Parade ist natürlich der öffentlichkeitswirksame Teil.
Wann, glauben Sie, wird die Union wie die anderen vier im Bundestag vertretenen Fraktionen die Gleichstellung von gleichgeschlechtlichen Paaren unterstützen?
Das kann ich im Moment nicht abschätzen. Vielleicht hilft es, Brücken zu bauen, wenn Lebenspartnerschaften komplett gleichgestellt werden, aber der Name "Ehe" nicht verwendet wird, einfach, um die Differenz deutlich zu machen.














