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Immer wieder weigern sich Zahnärzte, Patienten mit HIV zu behandeln (Bild: Wiki Commons / Politikaner / CC-BY-SA-3.0)

Die Aids-Hilfe Münster kritisiert irrationale, diskriminierende und pflichtverletzende Verhaltensweisen von Zahnärzten in Rheine: Auf telefonische Nachfrage hätten neun der zehn Praxen der Ems-Stadt erklärt, einen HIV-positiven Patienten nicht oder nur als Notfall beziehungsweise am Abend behandeln zu wollen. Dies berichtet die Münstersche Zeitung.

Anfang Juli habe sich ein HIV-positiver Mann aus Rheine an die Aids-Hilfe Münster gewandt, ob diese einen Zahnarzt in seinem Wohnort kenne, der ihn behandeln würde, heißt es in dem Artikel vom vergangenen Freitag. "Sein bisheriger Zahnarzt hatte eine weitere Behandlung aufgrund der HIV-Diagnose abgelehnt", erklärte Aids-Hilfe-Mitarbeiter Ulrich Besting. Er und seine Kollegen setzten sich daraufhin ans Telefon und fragten bei zehn Zahnärzten aus Rheine an. Das erschreckende Ergebnis: Nur ein einziger erklärte sich ohne jede Einschränkung bereit, den positiven Mann zu behandeln. "Der Zahnarzt wies darauf hin, dass er ohnehin jeden Patienten so behandeln müsse, als sei er mit HIV oder Hepatitis infiziert", lobte Besting die Reaktion.

Die Ängste der anderen neun Ärzte nannte der Mitarbeiter der Aids-Hilfe Münster "irrational" und "diskriminierend": Er verwies auf eine Stellungnahme des Robert-Koch-Instituts, nach der die "routinemäßig erforderlichen Hygienemaßnahmen" auch bei bekannt HIV-positiven Zahnarzt-Patienten genügen und es keine Notwendigkeiten für Behandlungstermine am Ende eines Sprechtages besteht. "Menschen, die von ihrer HIV-Infektion wissen, sind aufgrund der modernen Therapien kaum noch infektiös", erklärte Besting zudem gegenüber der Münsterschen Zeitung.

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Bei Verstößen gegen die Behandlungspflicht kann ein Arzt seine Approbation verlieren

"Grundsätzlich müssen solche Patienten behandelt werden", erklärte auch Anne Sandfort, Justiziarin der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe. Verstoße ein Arzt gegen diese Behandlungspflicht, könne er seine Approbation verlieren. Das Verschieben der Behandlung auf die Abendstunden hält sie allerdings für legitim. Bei HIV-positiven Patienten sei das Bemühen um besondere Vorsicht "verständlich", wird Sandfort in der Münsterschen Zeitung zitiert.

Die Behandlungsverweigerungen aus Rheine sind kein Einzelfall. Seit Jahren gibt es immer wieder Berichte über Ängste von Zahnärzten, HIV-Positive zu behandeln. Auf queer.de hatten wir zuletzt über einen Fall aus Osthofen bei Worms berichtet, wo eine Praxis einen 38-Jährigen abgewiesen hatte, nachdem er die Arzthelferin per Fragebogen über seine HIV-Infektion informiert hatte.

Angesichts der Reaktionen der Zahnärzte in Rheine ist dem HIV-positiven Blogger Ondamaris nun die Geduld geplatzt. "Es reicht", heißt es in seinem Artikel vom Montag, in dem er ein Ende "dieser Stigmatisierung und Behandlungsverweigerung durch Zahnärzte" fordert. Rhetorisch fragt der Blogger: "Oder wird es Zeit, dass HIV-Positive den Deutschen Zahnärzte-Tag aufmischen, hier ihren Protest deutlich hörbar machen?" Der nächste Deutsche Zahnärztetag findet am 9. und 10. November 2012 in Frankfurt statt - kurz vor dem Welt-Aids-Tag. (cw)

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#1 TommAnonym
  • 09.07.2012, 10:51h
  • "Bei HIV-positiven Patienten sei das Bemühen um besondere Vorsicht "verständlich", wird Sandfort ( Justiziarin der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe) in der Münsterschen Zeitung zitiert ...

    Kaum zu glauben, das es sich bei der Dame um eine "studierte" Person (Juristin) handelt !!
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#2 anonymusAnonym
  • 09.07.2012, 11:30h
  • Davon kann ich ein Lied singen ...
    Auch wenn man die Zahnärzte theoretisch belangen könnte, wird man irgendwann entnervt aufgeben. Ich habe mir einen 3 monatigen Briefwechsel/krieg mit der zahnärztlichen Vereinigung geliefert weil ich vom Samstagsnotdienst nicht behandelt wurde und mir daraufhin in der folgenden Woche der Zahn gezogen werden mußte, was nicht hätte sein müssen bei sofortiger Behandlung. Mein Zahnarzt hat mich noch unterstützt und sich mit der anderen Praxis in Verbindung gesetzt, hat sich also gegen seinen "Kollegen" gestellt. Hat alles nix genutzt - übrígens werde ich und andere Positive bei meinem Zahnarzt n i c h t auf die Abendstunden verlegt - das würde ja im Umkehrschluß bedeuten, die Zahnärzte nehmen es mit der Desinfektion und den Reinigungsmaßnahmen tagsüber nicht ganz so genau - Hepatitis B/C Syph und Tripper und anderes ist ja wesentlich leichter zu übertragen ... auch und vor allem bei unsterilem Arbeitswerkzeug des Zahnarztes ....
    Der immer wiederkehrende Tenor der zahnärztlichen Vereinigung war, ist, lautet: Zahnärzte sind nicht verpflichtet jemanden zu behandeln solange dessen Leben nicht unmittelbar davon betroffen, also bedroht ist...
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#3 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 09.07.2012, 11:42h
  • Was bilden sich die Zahnärzte in Rheine eigentlich ein? Anscheinend haben die noch nie etwas vom "Eid des Hippokrates" gehört:

    de.wikipedia.org/wiki/Eid_des_Hippokrates

    Darin steht u. a.:

    "Ich werde ärztliche Verordnungen treffen zum Nutzen der Kranken nach meiner Fähigkeit und meinem Urteil, hüten aber werde ich mich davor, sie zum Schaden und in unrechter Weise anzuwenden."

    und

    "Wenn ich diesen Eid erfülle und nicht breche, so sei mir beschieden, in meinem Leben und in meiner Kunst voranzukommen, indem ich Ansehen bei allen Menschen für alle Zeit gewinne; wenn ich ihn aber übertrete und breche, so geschehe mir das Gegenteil.“

    Die Diskriminierung von HIV-Positiven muß aufhören!
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