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- 18. Juli 2012 3 Min.

Eric Jones war zehn Jahre lang bei den Pfadfindern (Bild: Ryan Jones / privat)
In den USA ist ein junger Mitarbeiter der Boy Scouts entlassen worden, nachdem er seinem Vorgesetzten von seinem Schwulsein erzählt hatte. Zugleich gab der Dachverband der Pfadfinder das Ergebnis einer zweijährigen "Prüfung" bekannt: Demnach wolle man am Verbot von schwulen und lesbischen Angestellten wie auch Pfadfindern festhalten.
Eric Jones war seit fast zehn Jahren bei den Boy Scouts. Zuletzt arbeitete der 19-Jährige als Betreuer in einem Sommercamp in Missouri. Als er dem Camp-Direktor von seiner Homosexualität erzählte, wurde er umgehend entlassen. "Ich habe gedacht, der Mann würde einfach darüber wegsehen - schließlich habe ich in dem Camp fünf Jahre lang gearbeitet", so Jones gegenüber den "New York Daily News".
Das Gespräch mit dem Camp-Direktor wurde von dem Film-Regisseur Ryan James Yezak gefilmt, es soll in der Dokumentation "Second Class Citizens" verwendet werden. Als Bürger zweiter Klasse sieht sich auch Jones: "Ich komme damit zurecht, aber ich fühle mich diskriminiert." Ironischerweise habe er den Boy Scouts dafür zu danken, "dass sie mich zu der Person gemacht haben, die ich bin: Eine Person, die für das eintritt, woran sie glaubt."
Bundesweites Homo-Verbot bei den Pfadfindern bleibt

Die US-LGBT-Organisation GLAAD veröffentlichte am Mittwoch eine Timeline der Diskriminierung bei den Pfadfindern - und eine der Gegenbewegung
Die Entlassung wurde am Dienstag bekannt und in vielen amerikanischen Medien verbreitet. Wenig später gaben die Boy Scouts of America das Ergebnis eines zweijährigen internen Prüfungsbericht bekannt, ob eine Richtlinie zum Umgang mit Schwulen und Lesben verändert werden soll, wie eine Resolution gefordert hatte.
Schwulen und Lesben war bislang sowohl eine Mitgliedschaft als auch eine Arbeit als freiwilliger oder angestellter Betreuer untersagt. Und dabei bleibt es: Das geheime Beratungskomitee aus elf Mitgliedern "mit verschiedenen Meinungen und Perspektiven" kam zu dem Schluss, dass die "Richtlinie die absolut beste Richtlinie für die Boy Scouts ist", so der Sprecher Deron Smith gegenüber der Nachrichtenagentur AP.
Smith erklärte, der Beschluss sei einstimmig ergangen. Zwei Mitglieder des Pfadfindervorstandes, zugleich jeweils geschäftsführende Vorstände bei Ernst & Young und AT&T, hatten zuvor erklärt, sie seien für eine Abschaffung des Verbotes. Als Grund für die Beibehaltung der Richtlinie sei vor allem die Unterstützung durch einen Großteil der Elternschaft angegeben worden. Ihnen sei das Recht wichtig, das Thema Homosexualität "in der eigenen Familie, ggf. mit einer Beratung durch Glaubensberater, zum richtigen Zeitpunkt und in der richtigen Umgebung anzusprechen".
Petition ohne Erfolg
Erst im Sommer waren den Pfadfindern eine Petition mit rund 275.000 Unterschriften übergeben worden, in denen sich auch viele Eltern gegen das Verbot aussprachen. Zu einem steten Meinungswandel in der Öffentlichkeit führten auch Privatpersonen, die mit ihrem Kampf gegen die Diskriminierung in die Medien zogen: Die lesbische Mutter Jennifer Tyrell etwa, die nach Jahren ihre ehrenamtliche Arbeit aufgeben musste (Video). Oder Zach Wahls, 20-jähriger Sohn zweier Lesben, dessen Einsatz für seine Eltern in einer Anhörung des US-Repräsentantenhaus ein Youtube-Klassiker wurde und der nun auch gegen die "ungerechte Richtlinie" kämpft: "Derzeit kostet die Position bereits den Pfadfindern Mitglieder und Wohlwollen der Öffentlichkeit". Über kurz oder lang werde es für die Pfadfinder peinlich sein, "auf der falschen Seite der Geschichte" zu stehen.
Haupträger der lokalen Pfadfindergruppen sind Kirchen, allen voran die Mormonen, gefolgt von Methodisten und Katholiken. Aber auch private Schulen, Vereinigungen von Eltern und Lehrern und andere Verbände sind an den Boy Scouts beteiligt. Vor zwölf Jahren hatte der Supreme Court mit fünf zu vier Stimmen entschieden, dass das Homo-Verbot legal ist. Die 1910 gegründete Organisation zählt nach eigenen Angaben 2,7 Millionen jugendliche Mitglieder. (nb)














