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  • 27. Juli 2012 35 3 Min.

Das zensierte Cover, trotz dicker Lampe etwas unterbelichtet (Bild: Screenshot)

Die Geschlechtsteil-Prüderie bei Facebook ist berüchtigt. Die Wochenzeitung "Zeit" machte den Test und wurde prompt vom Social Network kastriert. Ein Standpunkt, frei ab 16.

Von Christian Scheuß

"Das ist übrigens ein Penis", belehrt uns die Wochenzeitung auf Seite zwölf des aktuellen "Zeit"-Magazins. Nur für den Fall, dass es die Leser zwischenzeitlich vergessen haben sollten. "Weibliche Nacktheit ist der Normallfall - männliche hingegen nicht. Warum ist das so?" fragt sich dann die Autorin Elisabeth Raether auf zweieinhalb Textseiten, garniert mit zwei weiteren Männermodels, deren Dödel dann aber leider nicht zu sehen sind (Es ist also nicht unbedingt notwendig für den homo­sexuellen Mann, morgen früh so zu tun, als sei man schon seit Jahren passionierter "Zeit"-Leser- und -Käufer. Was es zu sehen gibt, dokumentieren wir hier).

Und der Text selbst? Der Ritt durch Kunst- und Kulturgeschichte, Soziologie, Biologie und die Thesen zur Rezeption von Pornografie sind zwar etwas merkwürdig wie lose zusammengestrickt, aber durchweg frei von Kulturpessimismus oder Sexismus-Vorwürfen. Und an zwei Stellen ist die Story besonders überzeugend.

So heißt es: "Homo­sexuelle Männer haben zum Penis differenziertere Ansichten als Frauen. Schwule waren es, die den Penis in die Motivgeschichte der Kunst aufnahmen, wo er lange gefehlt hatte." Robert Mapplethorpe, Herb Ritts, Bruce Weber und Wolfgang Tillmans halten als Zeugen für diese wahre These her. Und Elisabeth Raether zeigt echtes Interesse an einer Normalisierung in der Darstellung und generellen Entmystifizierung des männlichen Geschlechtsorgans: "Der Penis sollte jetzt den Dialog suchen. Es gäbe für Männer und Frauen einiges zu entdecken. Denn es ist eine Form der Freiheit, wenn ein Penis nur ein Penis ist, kein willkürlicher Herrscher, der sich seinem Volk selten zeigt, sondern ein Organ, wenn auch ein attraktives, interessantes Organ." D'accord!

Erregung öffentlichen Ärgernisses gegen die Disneyisierung der Kulturen


Loriot würde staunen: "Ach was!" Das Aufmacherfoto von Seite 12, frei ab 16 (Bild: Screenshot)

Eines fehlt allerdings in der Analyse: Die Erwähnung der Trennlinie, die sich durch westlich-amerikanische und westlich-europäische Kultur zieht. Deren Sichtbarkeit sich durch die globale Ausbreitung amerikanischer Unternehmen gerade enorm verschärft. Ob Apple oder Google, Microsoft oder Facebook, sie alle treiben die Disneyisierung des Internets mit all seiner Prüderie voran. Geschlechtsorgane und erogene Zonen wie z.B. Nippel sollen einfach nicht existent sein. Auch nicht in der Reflektion über das Begehren oder der Kunst. Selbst schwule Küsse (auf den Mund, nicht auf den Penis) sind mitunter suspekt und im Zweifelsfall immer erst einmal jugendgefährdend (queer.de berichtete).

Dass das Wochenmagazin mit der Kastration des Schwanzfoto-Covers auf seiner Facebook-Seite rechnen konnte, wird allen Beteiligten vorab klar gewesen sein. Dass die Zensur prompt erfolgte, langt für nicht mehr als einen kurzen Werbeeffekt. Mark Zuckerbergs Penis wird deshalb jetzt keinesfalls den Dialog suchen, der Mann darüber erst recht nicht. Die Fremdbestimmung durch Konzerne nach der halbwegs erfolgreichen Abwehr der Fremdbestimmung durch Kirchen sollte uns allerdings zunehmend beunruhigen. Der schwule Journalist Robert Niedermeier ist gleich aktiv geworden und hat aus Protest das Bild (s)eines erigierten Schwanzes auf seinem Facebook-Profil veröffentlicht.

-w-

#1 FinalmSposatoEhemaliges Profil
  • 27.07.2012, 23:07h

  • frei ab 16? Der Penis ist ja nicht mal erigiert. Hier kann was nicht stimmen!

    Ein nicht erigierter Penis hat keine Alterlimite! Oder ist das in Deutschland anders? Das Amis extrem prüde sind ist bekannt.

    Mit Ausnahme eines Kantons darf man hierzulande überall nackt rumlaufen. Anraten würde ich das aber trotzdem nicht weils mit Ausnahme von heute meist zu kalt ist. Dumme Sprüche sind natürlich auch programmiert....
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#2 Alte TunteAnonym
  • 28.07.2012, 00:41h
  • Wer immer noch bei einer gewissen amerikanischen Datenkrake verweilt, hat es nicht besser verdient, als von ihr bevormundet und ausgebeutet zu werden.
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#3 goddamn liberalAnonym
  • 28.07.2012, 08:55h
  • Tja, Leute, das ist die Wiedergeburt des Volkswartbundes!

    de.wikipedia.org/wiki/Volkswartbund

    Die Reihe lässt sich fortsetzen: Das ist ein Penis (der ist auch gut so ohne Säulingsbeschneidung), das ist ein männlicher Oberkörper (den fanden arabische Frauen in Berlin unlängst bei Bauarbeitern anstößig, wohl weil er sie anmachte), das ist Frauenhaar, Herr Mullah...

    Fazit: DAS IST EIN MENSCH!

    Und den Menschen nicht so erträgt, wie er ist, der hat vielleicht nicht nur sexuelle Schwierigkeiten bzw. religiöse Neurosen, der hat vielleicht auch Probleme mit der Menschlichkeit.

    Es wird Zeit, dass Humanisten weltweit in die Offensive gehen und sich nicht mehr von prüder Arroganz einschüchtern lassen...
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