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Chick-Fil-A
Homo-Hasser stürmen Fastfood-Kette
- 02. August 2012 4 Min.

Diese Frauen wollten in San Antonio (Texas) ihr Unbehagen mit Homo-Rechten zum Ausdruck bringen
In den USA ist nun selbst die Wahl des Schnellrestaurants ein politische Frage geworden: Weil der Chef des Hähnchen-Braters Chick-Fil-A bibelschwingend gegen Homosexuelle wettert, standen Homo-Hasser am Mittwoch an den 1.600 Filialen Schlange.
Von Dennis Klein
Am Mittwoch war "Tag der Wertschätzung für Chick-Fil-A", zu dem sich vor vielen Filialen insbesondere im Süden und Mittleren Westen lange Schlangen bildeten. Normalerweise passiert so etwas in Amerika nur, wenn es etwas Neues gibt – beispielsweise, wenn McDonald's seinen McRib mal wieder neu auflegt. In der aufgehitzten politischen Stimmung drehte sich diesmal aber alles um das Thema Homo-Rechte. Chick-Fil-A-Chef Dan Cathy hatte sich immer wieder über die öffentliche Moral echauffiert – und Homosexuelle als Feinde ausgemacht: Diese richteten sich mit ihrem Wunsch nach Ehe gegen die Bibel und würden daher den Niedergang der Welt besiegeln.
Republikanischer Ex-Gouverneur organisiert Proteste

Sarah Palin und ihr Ehemann haben auch ihre Liebe zu Hähnchenburgern entdeckt
Der "Tag der Wertschätzung" wurde vom baptistischen Pfarrer Mike Huckabee ins Leben gerufen. Er legte dazu eine Facebook-Seite an, die von über 600.000 Menschen unterstützt wurde. Huckabee ist in den USA bekannt wie ein bunter Hund: Er war früher mal republikanischer Gouverneur von Arkansas und bewarb sich 2008 als Präsidentschaftskandidat, konnte sich aber in den Vorwahlen nicht gegen John McCain durchsetzen. Huckabee hält sich seit Jahren als Kommentator für den rechtsgerichteten Meinungskanal Fox News Channel über Wasser. In diesem Job ist Voraussetzung, dass man oft entrüstet ist.
Tatsächlich war im ganzen Land einiges los in den Filialen, die Regionalsender berichteten enthusiastisch darüber. So schrieb etwa WCIV aus Charleston (South Carolina) auf seiner Website: "Wir haben im Newsroom Anrufe erhalten, dass verschiedenen Filialen bald das Essen ausgeht. Das ist aber nicht der Fall. Sie können also weiter ihr Hühnchenfleisch bei Chick-Fil-A genießen." Gleichzeitig protestierten einige Kilometer vom Fernsehstudio entfernt Studenten des College of Charleston gegen die geplante Eröffnung einer Filiale auf dem Campus-Gelände. Das gleiche Bild zeigte sich in den ganzen Vereinigten Staaten. Sogar Sarah Palin veröffentlichte vor einigen Tagen ein Foto auf Facebook, das sie beim Besuch des Hähnchenbräters in Texas zeigt.
Unterstützung von Homo-Heilern

Fastfood-Chef Dan Cathy
Chick-Fil-A stand bereits in den letzten Jahren wiederholt in der Kritik, weil der Konzern immer wieder homophobe Organisationen unterstützte, darunter auch die Gruppe "Exodus International", die Schwule und Lesben zu Heterosexuellen umerziehen will. Im Juli ist das Fass übergelaufen, als Cathy in einem Interview auf die Vorwürfe der Homophobie antwortete: "Schuldig im Sinne der Anklage". Daraufhin stellte die Jim-Henson-Company, die mit ihren Muppets-Figuren für das Restaurant warb, die Zusammenarbeit ein (queer.de berichtete). Anschließend schaukelte sich der Streit weiter hoch: Die Bürgermeister von Chicago, Boston und San Francisco kündigten an, sie wollten die Eröffnung weiterer Filialen verhindern. Auch alte Interviews und Vorträge von Cathy wurden von Homo-Aktivisten ausgegraben, in denen er davor warnte, dass die Anerkennung von Homo-Ehen dazu führen könnte, dass Gott sich an den Menschen rächt. Das konservative Sprachrohr Fox News Channel beklagte sich daraufhin bitterlich, wie "Liberale" gottfürchtige Unternehmer mundtot machen wollten.
Selbst einige konservative Kommentatoren kritisieren jedoch die Aussagen von Cathy und die Fixierung auf das Thema Homosexualität: So sei es unlogisch zu sagen, dass die Homo-Ehe Gott erzürnt, nicht aber die fast vollständige Ausrottung der Indianer, die Sklaverei oder Kriegsverbrechen in Vietnam und im Irak. Für Komiker und Satiriker ist die Auseinandersetzung aber ein gefundenes Fressen: So gab John Stewart ("The Daily Show") dem Chick-Fil-A-Chef den Ratschlag: "Öffne deine Augen. Du bist so ein großes Arschloch, dass nicht einmal Boston dich tolerieren will", erklärte er und nahm dabei Bezug auf das Image der Bostoner als Rauhbeine. In einer späteren Sendung wies Stewart aber darauf hin, dass man nicht alles im Leben politisieren sollte, sonst müssten Konservative auch auf Apple- und Microsoft-Produkte verzichten, weil die beiden Konzerne Homo-Gruppen unterstützen. Außerdem mache Chick-Fil-A ja manche Sachen ganz gut: So schließe das Schnellrestaurant am Sonntag und entlohne im Gegensatz zu seinen Konkurrenten seine Angestellten anständig.
Der Führungsetage von Chick-Fil-A will nun offenbar die Wogen glätten. Trotz des geschäftigen Mittwochs hat das Image der Marke erheblich gelitten, wie das Meinungsforschungszentrum YouGov mitteilte. Chick-Fil-A sei binnen weniger Tage von einem guten Image unter den Durchschnitt der Fast-Food-Restaurants gesunken. Daraufhin erklärte die Presseabteilung von Chick-Fil-A, "jeden Menschen mit Ehre, Würde und Respekt behandeln – ungeachtet seines Glaubens, seiner Herkunft, seiner sexuellen Orientierung oder seines Geschlechts". Die Debatte um die Öffnung der Ehe wolle der Konzern in Zukunft der Politik überlassen. Noch ist es aber nicht soweit: Die Homo-Gruppe GLAAD hat für den Freitag zu einem "same-sex kiss day" in Chick-Fil-A-Restaurants aufgerufen.















Wenn sich diese Fastfood-Kette jetzt als Treffpunkt aller Homohasser etablieren will, bitte sehr. Dann brauchen andere da ja gar nicht mehr hin zu gehen.
Wenn die Homohasser da jetzt alle Stammgäste werden, werden sie allerdings auch dicker und dicker und ernähren sich so ungesund, dass sie sich ernsthaft Sorgen um ihre Gesundheit machen müssen...