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- 03. August 2012 2 Min.

Ob die schwul-lesbischen CSD-Radler im Straßengewimmel von Hanoi wohl auffallen? (Bild: Wiki Commons / Cnyborg / CC-BY-SA-3.0)
In der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi wird am Wochenende der erste CSD des sozialistischen Landes ausgetragen.
Am Sonntagmorgen wollen die Aktivisten mit einer Fahrrad-Parade durch die Stadt auf ihre Forderungen aufmerksam machen. Die Parade sei bereits von den Behörden genehmigt worden, erklärte CSD-Organisatorin Tam Nguyen, die durch einen Besuch des Stockholmer CSDs zur Organisation des Viet Pride 2012 inspiriert wurde. "Wir erwarten ungefähr 200 Teilnehmer".
Bei der Demonstration wollen sie wie Millionen anderer Einwohner auf Fahrrädern fahren, um die Machthaber nicht mit einer traditionellen Protestaktion zu provozieren. Demos werden in dem Ein-Parteien-Staat bislang häufig verboten. Die CSD-Parade diene zunächst dazu, die bislang sehr kleine Homo-Szene in Vietnam zu organisieren, erklärte Nguyen. Außerdem werden bei einem mehrtägigen Festival schwul-lesbische Filme gezeigt, Vorträge gehalten und Live-Musik gespielt.
Die Veranstaltungen finden im deutschen Goethe-Institut von Hanoi statt, das zu den ausländischen Sponsoren des Events gehört. Auch die Botschaften von Schweden und Kanada stellten finanzielle Mittel bereit.
Hoffnung auf Ehe-Öffnung in Vietnam

Zum Logo des Viet Pride 2012 gehört auch die landestypische Kopfbedeckung in Regenbogenfarben
In Vietnam haben Schwule und Lesben Hoffnung geschöpft, als Justizminister Ha Hung Cuong vergangenen Monat in einer Online-Debatte die Anerkennung von Homo-Paaren in Aussicht stellte (queer.de berichtete). Das Thema soll im kommenden Frühjahr in der Nationalversammlung behandelt werden, versprach das Ministerium.
Es hat zwar nie ausdrücklich Gesetze gegen Schwule und Lesben in Vietnam gegeben, allerdings ist Homosexualität in der Gesellschaft verpönt, weil sie sich gegen das konfuzianische Idealbild der Familie richte. Auch die Kommunisten, die das Land seit Jahren in einer Ein-Parteien-Diktatur regieren, haben in der Vergangenheit Homosexualität immer wieder als "gesellschaftliches Übel" bezeichnet und mit Prostitution, Glücksspiel und Drogenmissbrauch verglichen.
Dennoch gibt es seit Jahren in der Hauptstadt Hanoi sowie in der Wirtschaftsmetropole Ho-Chi-Minh-Stadt (Saigon) eine florierende schwul-lesbische Szene - inklusive Bars, Clubs und Saunen. Auch die politische Lage hat sich laut LGBT-Aktivisten entspannt. Selbst in den staatlichen Medien wird - anders als noch vor einem Jahrzehnt - die Lage von Schwulen und Lesben inzwischen offen debattiert. (dk)
Links zum Thema:
» Homepage des Viet Pride 2012
» Infos auf der Homepage des Goethe-Instituts















tnam