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- 04. August 2012 2 Min.

Keinen Bock auf Stickereien und heterosexuelle Heiratspläne: Prinzessin Merida
Ein Tomboy mit feuerroter Lockenpracht ist Titelheldin des neusten Disney-Films aus dem Pixar-Animationsstudio - ein erfrischender Bruch mit heteronormativen Sehgewohnheiten.
Von Peter Fuchs
Nach zwölf abendfüllenden Spielfilmen, bringt das Pixar Animationsstudio in "Merida - Legende der Highlands" zum ersten Mal eine weibliche Hauptfigur auf die Leinwand. Nach dem Spielzeugcowboy in "Toy Story", einem alten Mann mit einem Pfadfinder in "Oben" und dem orange-weiß gestreiften Fisch in "Findet Nemo" war es auch an der Zeit.
Titelheldin Merida ist eine schottische Prinzessin, die erfrischend anders ist. In einer Schlüsselszene reitet der Tomboy mit der feuerroten Lockenpracht durch das hoch gewachsene Gras der romantischen Highlands, die Hände suchen nur Halt in der zotteligen Mähne des Pferdes. Merida klettert auf einen Berg, trinkt in der Abendsonne aus einem Wasserfall und schießt vor Freude am Leben mit Pfeil und Bogen in die Luft. Da fehlt nichts, da ist jemand glücklich und mit sich im Reinen.
Schwertkampf statt Stickereien

Erfrischend für einen Mainstream-Film: Merida trachtet nach Autonomie und Selbsterkenntniis
Merida übt lieber den Schwertkampf als die Stickereien mit ihrer Mutter. Außerdem hat sie keinerlei Interesse an Romantik - besonders wenn es um die trotteligen Prinzen geht, die Mama aus Staatsräson für sie im Auge hat. Als sie bemerkt, dass alles Coaching nur das Ziel hat, sie heiratsfähig zu machen, kriegt Merida einen Wutanfall und reißt aus. Im Wald trifft sie auf eine altmodische Hexe, die einen passenden Zauber für einen Sinneswandel der Mutter parat hat. Das geht allerdings schief: Der Zauberspruch verwandelt die Königin in einen Bären. Nun muss Merida einen Weg finden, diesen Zauber wieder aufzuheben. Ohne zu viel zu verraten: Auf einen Prinzen, der ihr dabei hilft, wartet Merida nicht.
Der wunderschön animierte Film verzichtet auf den üblichen romantischen Helden und stellt sich quer gegen die heteronormativen Sehgewohnheiten.Und das bei einer Prinzessin! Das Drehbuch verpackt die Erzählung von Meridas Aufbegehren zwar spannend in eine klassische Märchenstruktur, die Neuerung besteht jedoch darin, dass Mädchen hier nicht sexuell verfügbar sein müssen, wenn es von ihnen erwartet wird. Noch vor dem Erlernen von gendertypischen Attributen trachtet Merida nach Autonomie und Selbsterkenntnis. Der Prinz ist nicht der Preis, den es am Ende zu holen gilt. Ist Merida vielleicht lesbisch? Darauf gibt es im Film zwar keinen einzigen Hinweis. Aber schon der Umstand, dass sie es sein könnte, ist für einen Mainstreamfilm bemerkenswert.
Wer dennoch nicht ganz auf traditionelle Sehgewohnheiten verzichten will, bekommt die obligatorischen "Easter Eggs" serviert. Wie immer verstecken die Macher auch in "Merida" liebevoll Charaktere aus anderen Pixarfilmen.
Merida - Legende der Highlands. USA 2012. Regie: Mark Andrews. Kinostart: 2. August 2012
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