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Happy Together (22)
Das Geheimnis "ewiger" Liebe
- 12. August 2012 4 Min.

Es gibt gute Gründe, 50 Jahre zu bleiben, aber auch richtige Anlässe, nach zwei Wochen weiter zu ziehen (Bild: Wiki Commons / Raphael Perez / CC-BY-2.0)
Wieso halten eigentlich manche schwul-lesbische Beziehungen ein Leben lang? Und ist es schlimm, wenn man "ewig" nicht hinkriegt?
Von Christian Scheuß
Es war eine traurige Nachricht, als Ende Juni bekannt wurde, dass der schwule Journalist Martin Ripkens verstorben ist. 78 Jahre wurde er alt, 55 Jahre davon lebte er Seit an Seit mit seinem Freund Hans Stempel. Die zwei Publizisten, Filmkritiker und Journalisten waren auch in der Öffentlichkeit nicht getrennt voneinander zu denken. Sie waren wie die schwulen siamesischen Zwillinge, die alles miteinander teilten. Der 87-jährige Stempel bleibt nun allein zurück.
Es war ein freudiges Ereignis Anfang Juli beim Kölner CSD-Empfang von Schwules Netzwerk NRW und AIDS-Hilfe NRW, als Ludwig Rubruck (81) und Alfred Schiefer (83) auf die Bühne gebeten wurden, um die Kompassnadel entgegenzunehmen. Ein Preis, mit dem das ehrenamtliche Engagement von Menschen in und für die Community ausgezeichnet wird. Es war aber nicht nur ihr gemeinsamer Einsatz, der hier eine Rolle spielte. Auch die Tatsache, dass die beiden seit 56 Jahren ein Paar sind, wurde bewundert und gelobt.
Es lässt sich trefflich darüber streiten, welchem Lebensmodell man den nun besser folgen sollte. Dem romantischen Ideal der ewigen Liebe und Treue, das uns nach wie vor tagtäglich in den Medien als alleinseligmachend angepriesen wird? Einem Ideal, das zudem so eng an das bürgerliche Ehemodell geknüpft ist, das in dieser Kombination viele Paare einschnürt und scheitern lässt, weil es aus diversen Gründen mit der ewigen Liebe und Treue eben nicht klappt. Genauso gut kann man aber auch hinterfragen, ob die weitere Individualisierung des privaten Lebens, die so viel Unabhängigkeit und Freiheit verspricht, die Raum für alternative Verantwortungsgemeinschaften schafft, tatsächlich glücklich macht. Individualisierung ist ja nicht nur eine Folge selbstbestimmter Entscheidungen über den eigenen Lebensstil, es ist häufig auch eine Anpassung für den Arbeitsmarkt, der hohe Flexibilität fordert.
Das Vorurteil der Beziehungsunfähigkeit von Schwulen und Lesben steckt noch in den Köpfen

Romantik 2012: "Schatzi, ist es ok, wenn ich gleich die nette Butch von letztens aus der Disco knutsche?" "Natürlich Liebes, sei zum Abendessen aber wieder da." (Bild: Wiki Commons / Fg68at / CC-BY-2.0)
Wie immer man es betrachtet, eines ist gewiss: Der Wunsch nach einer gewissen Stetigkeit und Verlässlichkeit von Beziehungen, wie immer sie auch zusammengesetzt sind, steckt in jedem von uns. Dauerhaft möchte keiner allein bleiben. Das Führen von Beziehungen unter diskriminierenden Lebensbedingungen gelingt schwerlich. Die Paare Stempel/Ripkens und Rubruck/Schiefer haben uns aber gezeigt, dass es dennoch möglich ist. Wohl deshalb ist unsere Bewunderung für sie so groß. Zudem wurde und wird schwulen Männern nach wie vor Beziehungsunfähigkeit unterstellt. Weil wir eben triebige Männer seien, die ständig in den Saunen und Cruisingbars hängen, heißt es von neidischer heterosexueller Seite. Oder - wenn es aus der dumpf-homophoben Ecke kommt - weil wir eben Homosexuelle sind. Dass die Beziehungsunfähigkeit ein Märchen ist, das zeigen vor allem die Studien des Soziologen Michael Bochow.
Wie haben aber die oben genannten schwulen Paare die lange Zeit von 50 Jahren und mehr gemeistert? Was ist deren Geheimnis? Martin Ripkens hat es so beschrieben: "Sex hat uns nie entzweit. Geld Gott sei Dank auch nicht, aber wie die Welt einzurichten sei und wie sie denn aussieht, das bringt uns immer noch zum Glühen, tagelang." Das intellektuelle Reiben war einer der Motoren ihrer Beziehung, dafür rieben sie sich auch schon gern mal an anderer Männer Haut außerhalb der Zweierkiste. Bei Ludwig und Alfred ist es ähnlich. Ihr Lebensmotto lautet: "Wir haben Nichts anbrennen lassen". Ihre Beziehung hatten sie in der Vergangenheit sogar für mehr als reine Sexaffären geöffnet und sind trotz - oder wegen - der weiteren Liebesaffären damit gut gefahren. Das Vertrauen, dass der andere ein verlässlicher Partner bleibt, das konnten sie sich jeweils schenken. Die Balance zwischen romantischer Liebe und individueller Freiheit haben sie halten können.
50 Jahre sind allerdings eine verdammt lange Zeit, das kriegt nicht jeder hin. Deswegen ist ganz klar: Wer bislang nur Beziehungen hatte, die ein paar Monate oder ein paar Jahre liefen, der ist kein beziehungsunfähiger Versager. Schließlich ist es Zufall, wem man als potentiellen Partner begegnet. Denn es gibt Lebensphasen, in denen Veränderungen passieren, in denen die Trennung eher hilfreich und erfrischend ist. Erst wenn einen das Gefühl nicht mehr loslässt, dass Beziehungen stets nach selben Mustern beginnen und in Dramen enden, ist eine Analyse fällig. Meist steht man sich selbst irgendwo im Weg oder folgt in seinem Verhalten - unbewusst - gelernten Schnittmustern, die das Beziehungskleid ruinieren.















ah und vielleicht eine meinung, ich find wenn man sexuell nicht exklussivsein kann, inwieweit führt man denn dann noch eine beziehung? ffür mich ist das lediglicheine freundschaft
ich seh das irgendwie so (achtung! meinung!). sex ist die intimste art und weise sich körperlich nahe zu sein, das hat man nur mit einem besonderen menschen, hat man das mit vielen weniger besonderen menschen ist das irgendwie unrein.