https://queer.de/?17258
"Lautstark und intolerant"
Norbert Geis stilisiert sich zum Opfer der "Homo-Lobby"
- 28. August 2012 2 Min.

Norbert Geis ist bereits seit 1987 Abgeordneter im Deutschen Bundestag und gilt als lautstärkster Gegner von Homo-Rechten im Parlament (Bild: Deutscher Bundestag/Lichtblick/Achim Melde)
CSU-Hardliner Norbert Geis hat in einem Kommentar in der rechtsgerichteten "Jungen Freiheit" Homo-Aktivisten beschuldigt, aggressiv und intolerant zu sein, um Menschen wie ihn mundtot zu machen.
In der Debatte über die Gleichbehandlung von Schwulen und Lesben im Eherecht erklärte der Aschaffenburger Bundestagsabgeordnete, "dass gerade diejenigen, die am lautesten nach Toleranz schreien, andere Meinungen als ihre eigene nicht ertragen können". Daher sei eine sachliche Diskussion nicht mehr möglich. Er beklagt weiter, dass eine "kleine, aber lautstarke Homo-Lobby keine Gelegenheit [auslasse], die Gleichstellung mit Ehe und Familie zu erzwingen". Ihr Ziel ist laut Geis, "die Institution der Ehe zu erschüttern und herabzustufen".
In dem Beitrag bekräftigte Geis, dass die (heterosexuelle) Ehe durch Artikel 6 des Grundgesetzes besonders geschützt sei – und daher Heterosexuelle besser gestellt sein müssten als schwule oder lesbische Paare. Er kritisierte dabei auch das Bundesverfassungsgericht, das die "Tendenz zur Gleichmacherei" noch verstärkt habe. Er spielt damit auf mehrere Entscheidungen der Höchstrichter zugunsten von Homo-Paaren an, zuletzt bei der Grunderwerbsteuer. So hat Karlsruhe festgestellt, dass schwule und lesbische Paare nach Artikel 3 ("Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich") nicht nach Gutdünken gegenüber Heterosexuellen benachteiligt werden dürfen.
Geis lobt Katherina Reiche

Norbert Geis dankt Katherina Reiche für ihre Wutrede gegen Schwule und Lesben (Bild: Wiki Commons / Frank Bergmann / CC-BY-SA-2.5)
Geis unterstützte in dem Artikel ausdrücklich die CDU-Staatssekretärin Katherina Reiche, die Homosexuelle zur Gefahr für die Zukunft erklärt hatte (queer.de berichtete). Dieser "Meinung" zollt Geis Respekt: "Frau Reiche verdient für ihre klare Haltung höchsten Dank".
Der Kommentar wird am Donnerstag in der "Jungen Freiheit" erscheinen. Die Zeitung war wegen Verbindungen zum Rechtsextremismus umstritten und wurde zeitweise vom Verfassungsschutz beobachtet. Die "Junge Freiheit" bezeichnet ihre Ausrichtung als konservativ.
In der Union findet derzeit ein Kulturkampf um Homo-Rechte statt, nachdem 13 Abgeordnete zumindest die Gleichstellung von eingetragenen Lebenspartnern im Steuerrecht forderten Grunderwerbsteuer. Am Wochenende hat sich Bundeskanzlerin Angela Merkel allerdings in einem ARD-Interview hinter die Homo-Gegner gestellt (queer.de berichtete). (dk)











