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  • 06. September 2012 9 2 Min.



Christsein muss nicht immer Abneigung gegenüber sexuellen Minderheiten bedeuten: Die "Bundesarbeitsgemeinschaft Kirche und Rechtsextremismus – aktiv für Demokratie und Menschenrechte" (BAGKR) hat nun einen Flyer herausgegeben, in dem die Homophobie in der Kirche beklagt wird und Lösungen angeboten werden.

Die BAGKR beschäftigt sich nicht mehr nur mit Rechtsextremismus, sondern generell mit "gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit". Darunter versteht man den Hass auf Menschen, nur weil sie einer bestimmten Gruppe angehören. Dazu zählen etwa Sexismus oder die Abwertung von Obdachlosen oder Langzeitarbeitslosen. Besonders aktuell seien in Deutschland der Hass auf Muslime oder Juden. Auch Homosexuelle sind Ziel dieser irrationalen Ängste. Die christlichen Aktivisten der BAGKR machen sich in dem Flyer keine Illusionen über die Rolle der Kirche beim Homo-Hass:

Auch christliche Kirchen haben mit ihrer ablehnenden Haltung gegenüber Homosexualität in den vergangenen Jahrhunderten großen Anteil daran, dass homosexuelle Menschen gedemütigt, ausgegrenzt, verfolgt oder gar ermordet wurden. […] Noch heute neigen religiöse Menschen deutlich mehr zu feindlichen Einstellungen gegenüber Homosexuellen als Nichtreligiöse. […] Dieser Forschungsbefund muss Kirchen und Christ_innen nachdenklich stimmen. Noch immer glauben viele, dass "homosexuelle Praxis dem Willen Gottes widerspricht" und somit Sünde sei.

Die Autoren fordern Christen auf, den Hass auf Homosexuelle nicht durch eine wörtliche Auslegung der Bibel zu rechtfertigen:

Paulus' Briefe und die seiner Schüler_innen sind aber nur im Kontext ihrer Entstehungszeit und Zielsetzung zu verstehen. […] Wir können die Bibel angesichts ihrer vielfältigen, teilweise wissenschaftlich widerlegten Einzelaussagen nicht wortgetreu auslegen.

Was sagt nun der christliche Quelltext wirklich über gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit im Allgemeinen und über Homosexualität im Speziellen? Die Autoren des Flyers raten einfach, sich an der Hauptfigur des zweiten Teils der Bibel zu orientieren:

Wegweisend für einen christlichen Umgang mit Menschen anderer ethnischer Herkunft, anderen Geschlechts, anderer Religion und Weltanschauung, von Menschen mit Behinderung, Menschen anderen Lebensalters oder anderer sexueller Identität und Orientierung müssen deshalb all die biblischen Geschichten sein, in welchen Christus vielfach Solidarität und Freundschaft mit Menschen vorlebt, deren Lebensweise nicht einer vordergründigen Norm entspricht: Zöllner, Kranke, Fremde, Frauen.

Auf der BAGKR-Website kann der Flyer heruntergeladen werden. In Kürze sollen dort auch weiterführende Links und Hinweise zu christlichen schwul-lesbischen Initiativen erscheinen. (dk)

-w-

#1 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 06.09.2012, 16:25h
  • Ich schlage vor, diesen Flyer an sämtliche Politiker der CDU und der CSU zu schicken (dazu gehören auch alle Bundes- und Landtagsabgeordneten der beiden Parteien), damit die jetzt endlich auch mal im 21. Jahrhundert ankommen! Auch die Katholen und Evangelikale Deutschlands sollten diesen Flyer erhalten, damit sie endlich ihren Diffamierungen und Hetzereien abschwören, die sie ja ach so gern verbreiten!
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#2 CarstenFfm
  • 06.09.2012, 17:14h
  • Gut gemachter Flyer.
    Sehr viel theologische Argumentation - aber so holt man die Angesprochenen besser ab.
    Und sie zeigen eben sehr schön, dass aus Religosität keine Homophobie resultieren muss.
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#3 bewährungshelferAnonym