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Anonymes Interview
Bundesligaspieler spricht über sein Schwulsein
- 11. September 2012 3 Min.

Fanaktion gegen Homophobie in Mainz in diesem Jahr. Vor den Fans habe er am meisten Angst, berichtet der anonyme schwule Bundesligaprofi. (Bild: Markus Delnef)
Im "Fluter", dem Magazin der Bundeszentrale für politische Bildung, hat sich am Dienstag erstmals ein Bundesligaprofi über seine Homosexualität geäußert. Der Name des Fußballers blieb dabei geheim.
Geführt hat das Interview der 25-jährige freie Journalist Adrian Bechtold. Es habe lange gedauert, bis der Spieler dazu bereit gewesen sei, berichtet Bechtold gegenüber queer.de. Das Gespräch sei "anfänglich sehr angespannt" gewesen, nicht zuletzt aufgrund seines eigenen Schwulseins habe sich der Spieler dann aber ihm gegenüber geöffnet.
"Es ist wichtig, den ersten Schritt zu tun", sagte der Spieler zu seinen Beweggründen für das Interview. "Ich probiere mich gerade dabei selbst aus. Außerdem kannst du meine Situation nachvollziehen und da spricht es sich einfacher. Andere wagen trotz der Anonymität nicht den Schritt. Vielleicht fühlen sich meine Kollegen nicht aufgefordert. Ich würde es mir wünschen."
Angst vor den Fans
Er selbst wisse von weiteren Spielern in der Liga, so der Fußballer in dem Interview, man treffe sich aber nicht. "Das ist eine schwierige Parallelexistenz, die sich auch in der Mannschaft fortsetzt. Gesprochen wird kaum darüber, aber trotzdem weiß jeder Bescheid."
Es gebe keine Spieler, die mit der Homosexualität Probleme hätten – einige seien sogar recht neugierig. Trotzdem gebe es Dinge, die man sich als schwuler Fußballer nicht traut: Einen Partner "gibt es bei mir nicht und bei anderen mir bekannten Spielern auch nicht", so der Profi. Er habe mal eine Beziehung gehabt, aber "ein monatelanges Versteckspiel [sei] pures Gift für eine Partnerschaft".
Die Sache zehre sehr an ihm: "Ich weiß nicht, ob ich den ständigen Druck zwischen dem heterosexuellen Vorzeigespieler und der möglichen Entdeckung noch bis zum Ende meiner Karriere aushalten kann." Er hat Angst vor den Reaktionen der Fans auf ein Coming-out: "Ich wäre nicht mehr sicher, wenn meine Sexualität an die Öffentlichkeit käme." Daher trete er, wie andere schwule Spieler, in der Öffentlichkeit mit Frauen auf. "Das machen auch alle so. Nur bezahlen musste ich nie – schließlich habe ich als richtiger Schwuler auch beste Freundinnen."
Interview mit Ausblick
Das Interview hat zu einer großen Verbreitung bei Facebook und einem beginnenden Medienecho geführt – auch die "Bild"-Zeitung hat sich schon bei Bechtold gemeldet, berichtet der junge Journalist, wollte aber immerhin nicht den Namen des Profis wissen.
Wie er auf das Medienecho reagierte, ist noch unbekannt. Das Interview war mit Bechtold abgesprochen, es gab keine größeren Änderungen. Und einen Ausblick: "Wir können in einem Jahr wieder sprechen und dann kann ich vielleicht meinen Namen unter das Gesagte setzen", so der Fußballer in dem Interview. (nb)
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