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- 23. September 2012 4 Min.

Stefan Konarske (32). Besondere äußere Kennzeichen: Sehr blaue Augen... (Bild: WDR/Willi Weber)
Der hochgelobte Schauspieler gehört zur neuen Dortmunder Tatort-Riege. Queer.de sprach mit ihm über seine Rolle als Ermittler Daniel Kossik
Von Christian Scheuß
"Allet ändert sich, dat isso und dat bleibt so." Schönste Ruhrpott-Philosophie, gesprochen gleich zu Beginn des neuen Tatorts. Was hat sich für Sie durch die neue Tatortrolle bereits verändert, und was bleibt so?
Ich war gerade in London und die Engländer haben dafür eine sehr schöne Redewendung: 'Everything is falling into it's place' (Alles fällt auf seinen Platz). Und daran glaube ich. Und auch, dass man viel arbeiten und sich erarbeiten muss, um für die Dinge Räume zu schaffen, die sie brauchen. Oder um mit meinem Lieblingszitat von Aischylos zu antworten: Die Zeit, wenn sie alt wird, macht alles heil.
"Alter ego" beschäftigt sich so intensiv wie kaum ein Tatort zuvor mit den Auswirkungen von Homophobie und den Folgen einer versteckten homosexuellen Orientierung. War es ihrer Meinung nach eine gute Idee, die Ermittlungen in der schwulen Szene zu starten und nicht beispielsweise im "Taubenvatter-Milieu"?
Es ging in der Folge eher um unterdrückte Gefühle und dadurch fehlgeleitete Obsessionen und was das mit Menschen machen kann. Denken Sie, dass viele 'Taubenvattern' ihre Vogel-Passion unterdrücken müssen? Ich kann mir vorstellen, dass es für homosexuelle und transidentische Menschen und besonders Jugendliche in den ländlichen Gegenden Deutschlands noch immer sehr schwer ist. Eigentlich wie für jeden Außenseiter, ich engagiere mich für das Kinder- und Jugendwerk Arche und erlebe in meiner Zusammenarbeit wie Jugendliche im Alltag aufgrund Ihrer Armut stigmatisiert werden und wie schwer sie mit diesen Gefühlen umgehen lernen müssen. Und auch wie ohnmächtig sie diesen Gefühlen gegenüber stehen. Ich hoffe, uns ist diese Darstellung von unterdrücktem Gefühl und Ohnmacht gut gelungen.

...weitere auffällige Merkmale: Besonders talentiert und verwandlungsfähig (Bild: Stephanie Fuessenich und ARD / Caroline Krebsfänger)
Die Dortmunder Zeitungen haben im Vorfeld wiederholt vom "Homosexuellen-Milieu" geschrieben, in dem ermittelt wird. Das haben wir auch auf queer.de kritisiert, weil dies Wort eine diskriminierende Verbindung zu Rotlicht und Kriminalität herstellt. Haben Sie die Diskussion mitgekriegt? Ihre Meinung dazu?
Ich habe das leider nicht mitbekommen. Aber ich habe nicht so viele Schwierigkeiten mit der Denotation des Wortes. In der Soziologie beschreibt es die sozialen Bedingungen, denen ein Einzelner oder eine Gruppe ausgesetzt ist. Ich kann aber verstehen, dass Sie die konnotative Bedeutung des Wortes in dem Zusammenhang verärgert.
Der Tatort spielt auch in einer Schwulenbar. Die Dortmunder Szene ist recht vielfältig, auch bei den Orten für intimere Begegnungen. Wären Saunen, Cruisingbars mit Darkroom oder Parks für Outdoor-Sex Orte, die Sie persönlich – mal bei unterstellter heterosexueller Orientierung – vermissen?
Würden wir uns noch in den 80er Jahren befinden, würde ich Ihnen zustimmen. Aber genau damit Menschen nicht mehr Ihre Sexualität an versteckten Orten praktizieren müssen bin ich für einen selbstverständlicheren Umgang mit Homosexuellen beziehungsweise Sexualität an sich.
Angst davor, in 20 Jahren – wie die alten Ermittlerehepaare Ballauf/Schenk, Batic/Leitmeyer Odenthal/Kopper vor Ihnen – immer noch mit der Tatort-Viererbande im Pott zu ermitteln?
Wenn das weiterhin so viel Spaß macht – gar nicht!
Stefan Konarske wurde 1980 als Sohn eines Tischlers und einer Friseurmeisterin in Stade geboren. Studiert hat er an der Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch" in Berlin. Seine besondere Art zu spielen erweckte von Anfang an die Aufmerksamkeit von Regisseuren, die den Film und das Theater der Gegenwart maßgeblich beeinflussen – darunter Detlev Buck, Dimiter Gotscheff, Markus Imboden, Uwe Janson oder Michael Thalheimer. Seine schauspielerischen Leistungen wurden wiederholt ausgezeichnet darunter mehrfach mit dem Künstlerbegabtenstipendium der Konrad Adenauer Stiftung und die Auszeichnung "Nachwuchsschauspieler des Jahres" der anerkannten Zeitschrift "Theater heute". Neben seinen Auftritten am Deutschen Theater Berlin, dem Schauspielhaus Zürich oder dem Théâtre National de la Colline in Paris ist er in zahlreichen großen Film- und Fernsehproduktionen wie "NVA", "Same Same But Different" oder "Werther" zu sehen. Das Feuilleton lobt und achtet ihn als einen der herausragenden Schauspieler seiner Generation.
Links zum Thema:
» www.stefankonarske.de
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