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  • Micha Schulze, Jahrgang 1967, ist Geschäftsführer von queer.de und seit 25 Jahren in schwul-lesbischen Medien zu Hause. Normalerweise schreibt er vor allem Konzepte, Angebote, Rechnungen und Mahnungen, in dieser Kolumne aber immer wieder auch Emails an Leute und Organisationen, über die er einfach nur den Kopf schütteln kann.

    03. Oktober 2012 116 2 Min.

Ein ehemaliger DDR-Bürgerrechtler, der Bürgerrechte von Schwulen und Lesben mit Füßen tritt: Arnold Vaatz, direkt gewählter CDU-Abgeordneter aus Dresden (Bild: Wiki Commons / Laurence Chaperon / CC-BY-SA-3.0-DE)

Micha Schulze schreibt an den Bundestags­abgeordneten Arnold Vaatz, der eine Gleichstellung von Eingetragenen Lebenspartnern ablehnt, weil "zu wenige Kinder geboren werden".

Sehr geehrter Herr Vaatz!

In diesem Jahr ließ Ihre Partei, die CDU, endlich mal die Katze aus dem Sack. In der noch immer andauernden Sommerlochdebatte um die Gleichstellung Eingetragener Lebenspartner im Steuerrecht übertreffen sich Politiker der Union seit Wochen mit den aberwitzigsten Begründungen, warum Homo­sexuelle in Deutschland weiterhin diskriminiert gehören. Es gebe "Qualitätsunterschiede" zwischen Homos und Heteros (Thomas Goppel), Gleichstellung sei "Werbung" (Veronika Bellmann) oder "keine Menschenrechtsfrage" (Erika Steinbach), zudem liege "unsere Zukunft (…) nicht in gleich­geschlechtlichen Lebensgemeinschaften" (Katherina Reiche).

Nun haben auch Sie sich zu Wort gemeldet, als ehemaliger DDR-Bürgerrechtler und seit zehn Jahren stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. "Deutschland leidet nicht an einer Diskriminierung von Schwulen und Lesben, sondern an der Tatsache, dass zu wenige Kinder geboren werden", schreiben Sie auf die Frage eines Mitglieds der "Initiative 2=2" auf abgeordnetenwatch.de. Sie sehen deshalb "keine gesellschaftliche Notwendigkeit, eingetragene Lebenspartnerschaften durch eine Gleichstellung im Einkommensteuerrecht genauso wie die Ehe mit Steuervergünstigungen zu unterstützen".

Ein offener Aufruf zur weiteren Diskriminierung

Ihr Satz und die darin vorgenommene Vermischung zweier Themen, die so rein gar nichts miteinander zu tun haben, ist eine demagogische Meisterleistung. Und eine Unverfrorenheit obendrein: Da maßen Sie sich als heterosexueller Ehemann und Vater von vier Kindern an, zu definieren, was in Deutschland wichtig ist und was nicht, und schließen dabei die täglichen Erfahrungen einer gar nicht so kleinen Minderheit aus. Wenn schwul-lesbische Bürger Diskriminierung erleben, ist dies aus Ihrer Sicht offensichtlich nicht nur irrelevant, sondern völlig in Ordnung. Ihre Antwort an die "Initiative 2=2" ist ein offener Aufruf zur weiteren Ausgrenzung und Benachteiligung!

Zudem, Herr Vaatz, ist es eine reine Ansichts- und keine "Tatsache", ob in Deutschland "zu wenige" Kinder geboren werden – objektive Kriterien für eine "richtige" Geburtenrate kann es nun mal nicht geben. Ein unumstößlicher Fakt hingegen ist, dass Schwule und Lesben in Deutschland noch immer nicht in allen Bereichen dieselben Rechte haben wie Heterosexuelle.

Wären Sie wirklich so kinderfreundlich, wie Sie sich darstellen, hätten Sie doch ein Adoptionsrecht für homosexuelle Paare unterstützen können. Dies lehnen Sie jedoch ebenfalls ab: "Für die gesamte Entwicklung eines Kindes halte ich Mutter und Vater als Bezugspersonen für unverzichtbar", schreiben Sie entgegen aller wissenschaftlichen Erkenntnisse auf abgeordnetenwatch.de.

Worunter leidet nun Deutschland wirklich? Aus meiner Sicht an arroganten und unbelehrbaren Volksvertretern, die Minderheitenrechte mit Füßen treten und sich mit rhetorischen Entgleisungen disqualifizieren. Zumindest in Ihrer Partei scheinen Sie da in bester Gesellschaft zu sein!

  • Micha Schulze, Jahrgang 1967, ist Geschäftsführer von queer.de und seit 25 Jahren in schwul-lesbischen Medien zu Hause. Normalerweise schreibt er vor allem Konzepte, Angebote, Rechnungen und Mahnungen, in dieser Kolumne aber immer wieder auch Emails an Leute und Organisationen, über die er einfach nur den Kopf schütteln kann.
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#1 stephan
  • 03.10.2012, 11:05h
  • Sehr gut, Micha! Du hast es wieder einmal gut getroffen! - Ich hätte manches schärfer - dafür aber wohl weniger sachlich - geschrieben
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#2 David77Anonym
  • 03.10.2012, 11:30h
  • *Gäähn*

    Ja klar doch, Deutschland leidet an zuwenig Kinder - warum wird dann nicht konsequent die Eheschliessung ab 60 verboten und kinderlose Ehen aufgelöst?

    ""Deutschland leidet nicht an Diskriminierung von Schwulen und Lesben"

    Aha. Dann stelle ich mal fest: Ehepaare leiden nicht an Diskriminierung, wenn andere Formen mit den gleichen Pflichten gleichgestellt werden.
    Und für die Geburtenrate ist das doch völlig irrelevant.
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#3 pöolikujzhAnonym
  • 03.10.2012, 11:40h
  • Klar, logisch, die LGBT sind natürlich daran schuld das zu wenig Kinder geboren werden....

    Was für ein Realitätsferner schwachkopf ist der?

    Vielleicht wäre es mal sinnvoll darüber nachzudenken warum immer weniger junge Heteros eine Familie gründen.

    Sinnvoll wäre es über prekäre beschäftigung, Hungerlöhne, Leiharbeit, Unsicherheit und mangelnde zukunftsaussichten nachzudenken.

    anstatt wieder den LGBT die schuld zu geben.

    Zumal es absolut irrsinnig ist, die LebPart zu benachteiligen wegen zu wenig Kindern.
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