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Widerstand
Ehe-Debatte in Großbritannien mit Nazi-Keule
- 10. Oktober 2012 2 Min.

Lord Carey sieht die Homo-Ehe als ersten Schritt in den Faschismus (Bild: Trinidad-News.com / flickr / by 2.0)
In Großbritannien kämpft Premierminister David Cameron zum Teil gegen die eigene Partei für die Öffnung der Ehe für schwule und lesbische Paare – Kritik kommt insbesondere von Kirchen-Vertretern, die mit einem Nazivergleich die Debatte anheizen.
Die konservativ-liberale Regierung hatte versprochen, noch in der aktuellen Legislaturperiode die Ehe für Schwule und Lesben zu öffnen – also bis spätestens 2015 (queer.de berichtete). Insbesondere die beiden Kirchen machen Stimmung gegen den Plan. Für Empörung sorgte am Montag der Ex-Chef der Church of England, George Carey. Bei einer Kundgebung gegen Homo-Rechte in Birmingham warnte der 76-Jährige davor, dass Christen, die sich gegen die Ehe-Öffnung aussprechen, wie Juden im Dritten Reich behandelt werden würden: "Erinnert euch, dass auch die Juden in Nazideutschland erst beschimpft wurden. Das war der erste Schritt zu einem totalitären Staat", so Carey. Er erklärte, in Großbritannien könnte die Öffnung der Ehe "nicht vorhergesehene Konsequenzen" haben.
Die anglikanische Staatskirche hat bereits mehrfach davor gewarnt, dass die Gleichbehandlung von Schwulen und Lesben im Eherecht "die Natur der Ehe als Verbindung zwischen Mann und Frau verändern" könne. Außerdem befürchtet sie, dass Pfarrer gezwungen werden könnten, Homosexuelle zu vermählen. Allerdings hat noch kein aktives Führungsmitglied die Nazi-Vergleiche von Carey wiederholt.
Katholische Kirche: Kinder als Nazis beschimpft
Auch die katholische Kirche arbeitet bei der Frage der Ehe-Öffnung mit Nazivergleichen. So beschwerte sich John Deighan, der für die katholische Kirche in Schottland parlamentarische Lobbyarbeit betreibt, am Wochenende bei EU-Abgeordneten der Europäischen Volkspartei und der Europäischen Konservativen darüber, dass junge Christen als "Nazis" beschimpft werden: "Ich kenne Kinder in Schottland, darunter auch mein eigenes zwölfjähriges Kind, die als 'Nazis' oder 'Fanatiker' gebrandmarkt werden, weil sie keine Ehe-Öffnung wollen", so Deighan.
Die Ehe-Öffnung ist in Großbritannien ein Schritt der konservativen Partei, sich zu modernisieren. Innerhalb der Tories ist der Plan jedoch umstritten: So veröffentlichten die Homo-Gegner der "Coalition for Marriage" am Wochenende eine Umfrage, nach der 71 Prozent der konservativen Bezirksvorsitzenden die Öffnung der Ehe ablehnten. 70 Prozent glaubten, dass dieser Schritt der Partei schaden zufügen würde.
Trotz des Widerstandes gibt es im Parlament eine Mehrheit für die Ehe-Öffnung. Premierminister Cameron sowie wichtige Minister haben bereits angekündigt, für die Gleichstellung zu stimmen. Der liberaldemokratische Koalitionspartner und die oppositionelle Labour-Partei wollen geschlossen für einen Gesetzentwurf zur Öffnung der Ehe stimmen. (dk)















Der zweite Nazi-Vergleich entspricht den Tatsachen.