https://queer.de/?17635
- 16. Oktober 2012 3 Min.

Direkt in der ersten Folge küsst Diener Thomas (l.) seinen adligen Freund (Bild: Screenshot)
Der griechische TV-Sender NET ist in Kritik geraten, nachdem die öffentliche-rechtliche Station einen Männerkuss aus der britischen Serie "Downton Abbey" heraus geschnitten hat. Verantwortliche des Senders begründeten die Zensur mit Jugendschutzgründen.
Die Folge aus der ersten Staffel der Kostümserie war am Montag ab 22.05 Uhr ausgestrahlt worden. Binnen weniger Minuten beschwerten sich Fans auf Twitter über die fehlende Szene, in der ein Diener (Footman) einen Herzog küsst, mit dem er eine heimliche Beziehung unterhält. Später schaltete sich auch die größte Oppositionspartei, das Linksbündnis SYRIZA, in den Streit ein.
Die Nicht-Ausstrahlung des Kusses sei "ein klarer Fall von Zensur und ein extremer Akt von Homophobie und Diskriminierung", so die Partei. Deren Abgeordneter Dimitris Papadimoulis twitterte, der Sender müsse erklären, auf den Druck welcher Partei man die Zensur ausgeübt habe.
Der Sender gab an, man habe den Kuss geschnitten, um die Jugendschutzbestimmungen für die Uhrzeit und die Kriterien der vorgeschalteten Altersfreigabe zu erfüllen. Bei einer nächtlichen Wiederholung am Dienstag werde man die Szene ausstrahlen, teilte ein NET-Sprecher mit.
Serie ab Weihnachten im ZDF

Wie in "Das Haus am Eaton Place" (Upstairs, Downstairs) geht es in "Downton Abbey" nicht nur um die reichen Grundbesitzer, sondern auch um die Dienerschaft (Bild: ITV)
Das britische Kostümdrama, das mit einem Chaos um die Erbfolge des titelgebenden Anwesens nach dem Untergang der Titanic beginnt und in der zweiten Staffel den ersten Weltkrieg thematisiert, läuft in Großbritannien derzeit in der dritten Staffel und hatte in deutscher Sprache im Pay-Kanal Sky Premiere.
Die unterhaltsame Mini-Serie überzeugt mit Humor, hervorragenden Schauspielern und perfekt ausgeleuchteter Optik. Erschaffen wurde sie von dem Schauspieler und Autor Julian Fellowes (Drehbuch "Gosford Park"). Die Serie des Privatsenders ITV, die in Amerika dem öffentlich-rechtlichen Sender PBS Einschaltquotenrekorde bescherte, wurde international vielfach ausgezeichnet: 2011 wurde sie elfmal für den Emmy nominiert, 2012 sechzehnmal. Ingesamt holte die Serie sechs Emmys, allein zwei davon gingen an Maggie Smith als beste Nebendarstellerin.
Ab November ist "Downton Abbey" in Österreich auf ATV und ab Weihnachten im ZDF zu sehen – man sollte freilich die englischsprachige Version bevorzugen, die verschiedenen Akzente von Graf- und Dienerschaft sind Teil des Dramas wie des Vergnügens. Die Rolle des schwulen Dieners Thomas (Robert James-Collier) ist ebenfalls vielfältig: Die Beziehung aus der ersten Folge geht noch in eben dieser zu Brüche, dann folgt ein vergeblicher Flirt mit einem türkischen Diplomaten, der aufgrund anderer Verwicklungen nicht auffliegt – danach ist erstmal Schluss mit dem Liebesleben und man lernt Thomas vor allem als Feigling und Intriganten kennen. Erst in den neuesten Folgen deutet sich wieder eine schwule Romanze an.
Strafe für taiwanischen Sender
Die Zensur von homosexuellen Küssen ist weltweit keine Seltenheit, manchmal braucht es schon Olympia, um einem Land den ersten lesbischen TV-Kuss zu bringen (queer.de berichtete). In Taiwan hingegen ging ein TV-Sender mit einem Kuss den Behörden zu weit.
Der Sender "LS Time" hatte im Februar einen Kuss zwischen zwei Frauen aus einem Film aus dem Jahr 1992 gezeigt. Das war zuviel für die TV-Aufsichtsbehörde: Sie verhängte jetzt ein Strafgeld in Höhe von 300.000 Taiwan-Dollarn (rund 7.860 Euro). (nb)
Mehr queere Kultur:
» auf sissymag.de
20:15h, arte:
Close
Einfühlsamer Film von Lukas Dhont über die beiden 13-jährigen Jungs Leo und Rémi, die nach dem Wechsel auf eine höhere Schule Opfer homophober Häme mit katastrophalen Folgen werden.
Spielfilm, B/F/NL 2022- 2 weitere TV-Tipps »
















Grotesk!