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- 12. Oktober 2004 3 Min.
Mit der Verleihung des Spohr-Preises an die Deutsche Bahn hat sich der Völklinger Kreis einen Bärendienst erwiesen, findet Norbert Blech.
Eines muss man dem Völklinger Kreis, dem "Bundesverband Gay Manager", lassen: Bislang hat sich kaum jemand dafür interessiert, wem der Verband am 13. Oktober seinen diesjährigen "Max-Spohr-Preis für angewandtes Diversity Managment" verleihen will - zu unbedeutend ist der Kreis der selbsternannten Homo-Manager, zu offensichtlich die Verleihung in erster Linie plumpe PR. Doch seitdem gestern die Deutsche Bahn als Preisträger durchsickerte ist zumindest die Aufmerksamkeit garantiert.
Die hohe schwule Auszeichnung geht nun also indirekt an Bahnchef Hartmut Mehdorn, einem der umstrittensten, will sagen: ärgerlichsten Chefs Deutschlands. Dem Leiter eines Unternehmens, das seit Jahren aus den Negativ-Schlagzeilen nicht herauskommt. Man darf schon froh sein, dass der Preis nicht an Toll Collect, Rest-Karstadt oder an den Ex-Vorstand und -Aufsichtsrat von Mannesmann geht. Die Vorstände waren doch bestimmt auch schwulenfreundlich...
Nun ist es sicherlich üblich, wenn ein schwuler Verein wie auch eine schwule Zeitung oder ein schwules Online-Portal alles durch die rosa Brille sieht. Aber soll man dabei andere Farben übersehen? Die Deutsche Bahn mag mit ihren schwulen und lesbischen Mitarbeitern ja nett, vielleicht gar vorbildlich umgehen. Aber wie sieht der Umgang mit ihren schwul-lesbischen Kunden aus? Früher gab's die günstigere Partner-Bahncard auch für alle Homo-Paare - bei der Bahncard-25 wird dieser Vorteil nur noch Paaren mit Kindern gewährt.
Viel schlimmer: Auch als Bahncard-50-Kunde, als Pendler, Spontan-Fernfahrer und Raucher habe ich das Gefühl, mit meinen Eigenheiten bei der Deutschen Bahn wenig erwünscht zu sein. Warum auf die Vielfalt der Kunden eingehen, wenn das unnötig Kosten verursacht, fragt die Bahn und allen voran ihr Chef Mehdorn - und schreibt im Fernverkehr immer höhere Verluste, verliert Kunden. Vom Diversity-Gedanken, der bei großen Unternehmen auch auf die Kundschaft anzuwenden ist, hat er nichts verstanden.
Als Pendler erlebe ich es fast täglich, dass das oft wenig geschulte Sicherheitspersonal der Bahn besonders gerne Ausländer kontrolliert. Dass Schaffner bei Deutschen das Nachlösen im Zug zulassen, bei Ausländern oder Deutschen mit ausländischer Herkunft jedoch nicht. Ist es ein umgesetzter Diversity-Gedanke, wenn man Obdachlose und Drogensüchtige vom Bahnhof samt Vorplatz vertreibt, um erwünschten Zielgruppen wie beispielsweise Schwulen mit all dem "Pink Money" ein Einkaufen in edler Umgebung zu ermöglichen?
Die Bahn hat einen Diversity-Preis nicht verdient. Aber geht es Mehdorns letzten Freunden vom Völklinger Kreis überhaupt darum, den Gedanken wirklich zu Ende zu führen? Die Preisverleihungen sind doch in erster Linie ein Mittel, um sich selbst ins Gespräch zu bringen - mit den Großen der Wirtschaft, mit möglichen Arbeits- und Auftraggebern.
Diversity-Managment ist sicherlich etwas Positives, aber wird es nicht auch überbewertet? Ein Manager, der die Vielfalt seiner Mitarbeiter nicht erkennt, respektiert und gar nutzt, ist am falschen Platz. Wer für diese Erkenntnis unzählige Seminare braucht, ist sein Geld nicht wert. Mit der Verleihung des Spohr-Preises wird gefeiert, was normal sein sollte.
Wichtiger wäre es, wenn die Führungskräfte, so sie denn welche sind, schwulen Unternehmen helfen, in denen es gelegentlich an Qualifikation und häufig an Unterstützung mangelt - hier könnte beispielsweise ein Info- und Förderpool aufgebaut werden. Ohnehin der Mittelstand - um die kleinen Unternehmen, in denen schwule Mitarbeiter es erst recht schwer haben können, kümmert sich niemand. Ein ebenso deutliches und wichtiges Signal wäre es, wenn sich die Homo-"Führer" endlich für ein uneingeschränktes Antidiskriminierungsgesetz einsetzen würden.
Doch vom Völklinger Kreis ist all das nicht zu erwarten. Zu guten Managern, ob nun schwul oder heterosexuell, gehört nämlich immer auch ein hohes Maß an Sensibilität gegenüber Mitarbeitern, Kunden und Stimmungen. Mit der Verleihung des Spohr-Preises an die Deutsche Bahn haben die Gay Manager bewiesen, dass sie genau dies nicht besitzen.
12. Oktober 2004














Das Verhältnis der amerikanischen Gay Manager zu der Gay Community und ihren Verbänden ist geprägt von Unterstützung und politischer Klugheit.
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