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  • 31. Oktober 2012 12 3 Min.

Grimmig und stolz: Detlef Stoffel

"Detlef – 60 Jahre schwul" zeichnet mit Archivmaterial die westdeutsche Schwulenbewegung in ihren Höhen und in ihrem Tiefpunkt nach. Mittendrin: Ein Aktivist, den die Zeit vergessen hat.

Von Norbert Blech

Wie würde es Harvey Milk heute gehen, wäre er nicht ermordet worden? Wie lebten all die weiteren Homo-Aktivisten der ersten Stunde? In "Detlef – 60 Jahre schwul" wagen Stefan Westerwelle und Jan Rothstein einen intimen Blick auf einen Aktivisten, den die Zeit vergessen zu haben scheint.

Bielefeld, das stellt diese Dokumentation mit ihrem umfassenden Archivmaterial klar, war einst ein Hot-Spot der Bewegung, die freilich längst weitergezogen ist. Detlef Stoffel ist dageblieben. Er wird 60, kümmert sich um seine 91-jährige Mutter, lästert und grollt über sie, über seine Wehwehchen, über das Leben.

Zeitweilig wirkt das unangenehm RTLig, auch unsympathisch, doch Westerwelle und Rothstein geht es nicht um Krawall und Nerverei. Sie zeigen einen Mann in zwei Phasen eines Lebens: Früher engagiert und glücklich in der Schwulen-WG, in aufregenden Zeiten. Und heute, tja, vor Gayromeo. Eine Szene zeigt ihn beim Sex, und man denkt, Franz-Walter Steinmeier beim Geschlechtsverkehr zuzusehen: Ein bürokratischer, zumindest lieblos wirkender Akt. So liegt ein wenig Traurigkeit über diesem Film.

Bewegung auf Super 8


"Die Schwulen sind da" hieß es in den 70ern in mancher Einkaufsstraße. Sie gingen auch nicht mehr weg.

Dabei hat alles fröhlich-frech begonnen: 1972, zwei Jahre nach seinem Abitur, gründet Stoffel die "Initiativgruppe Homosexualität Bielefeld". Er veranstaltet mit Freunden Kulturwochenenden, lebt mit Mitstreitern in einer WG und diskutiert in Einkaufsstraßen mit heterosexuellen Bürgern. Mit zunehmender Länge des Films bekommt man erst ein Gespür dafür, wieviel Mut das damals bedeutete. Und wieviel Freude am gemeinsamen Kampf.

Denn das alles wirkt lange her – und ist dabei doch aktuell: Im Film fahren Detlef und seine Freunde in einer angemieteten Straßenbahn durch die Bielefelder Innenstadt, lange vor dem ersten CSD Deutschlands. In Weißrussland ist der Pride noch heute verboten, aber erst vor zwei Wochen kurvten ein paar wenige mutige Aktivisten mit einer Straßenbahn und vielen Regenbogen­flaggen durch Minsk umher, ungläubig bestaunt von Passanten wie einst Detlef und seine Kameraden.

Heute also Regenbogen­flaggen, wo früher Parolen waren und Transparente. Heute auch Mobilkameras, um diese ersten Pflanzen einer frischen Bewegung zu dokumentieren und direkt zu verbreiten. Damals gab es nur Super 8 und Detlef, der viel filmte und so der Dokumentation über ihn unvergessliche Momente zusteuern konnte. Es gibt etwa schöne Aufnahmen von Brühwarm, dem Soundtrack der Bewegung: "Wann fangen wir endlich an, schwul zu leben?" Corny Littmann und Lilo Wanders kommen – ebenso wie der Schauspieler Gustav Peter Wöhler – als Zeitzeugen zu Wort.

Youtube | Der Trailer zum Film

Der vergessene Aufbruch


Der Tumult in der Bonner Beethovenhalle bedeutete das Ende der Schwulenbewegung der 70er Jahre

Später gründet Stoffel den Bio-Laden "Naturkost" und schafft einen der ersten homofreundlichen Arbeitsplätze des Landes. Mit der Schwulenbewegung geht es da bereits im Streit bergab, alles endet in einem sensationellen Geschrei in der Bonner Beethovenhalle, als eigentlich Bundestags­abgeordnete zu ihren Positionen befragt werden sollen. Auch hier bietet die Dokumentation Archivmaterial, das einen sprachlos zurücklässt.

Trotzdem ist heute vieles erreicht, vieles selbstverständlich – und der Aufbruch von einst, seine Akteure sind vergessen. Bewegung beiseite, geht so natürlich immer der Lauf der Generationen. Wen interessiert es etwa, wofür Mutter Stoffel einst stand, wie stark sie vielleicht für ihr Leben – und ihren Sohn – kämpfen musste? So stellt der Film auch allgemeine Fragen zum Älterwerden, zum Erreichen der eigenen Ziele.

In einer Szene sieht man Detlef im Urlaub, ohne Mutter, ohne die müde Alltagszickigkeit. Vielleicht hat er noch einen Aufbruch vor sich.

Infos zum Film

Detlef – 60 Jahre schwul. Dokumentation, Deutschland 2012. Regie und Produktion: Stefan Westerwelle, Jan Rothstein. Kamera: Jan Rothsein. 90 Minuten. FSK 16. Verleih: Pro-Fun Media.

Kinostart: 1.11. (u.a. Berlin, Xenon)
7.11. Leipzig, Passage-Kinos
9.11. Duisburg, Filmforum
9.11.-14.11. Saarbrücken, Filmhaus
15.11.-28.11. Bielefeld, Lichtwerk
23.11. Köln, Exposed Filmfestival
24.11. Wiesbaden, Exground
-w-

#1 Prime_EvilEhemaliges Profil
  • 31.10.2012, 20:24h
  • Aus Bielefeld ist noch nie was gutes gekommen.
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#2 sveni-MausAnonym
  • 31.10.2012, 21:56h
  • Biele - WAS?
    Das gibt's doch gar nicht ;-)
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#3 smweber
  • 31.10.2012, 22:29hBerlin
  • Sagt mal, habt Ihr sie noch alle?!? Was für ein dummer, ekelhafter, beleidigender Artikel! Keine Ahnung von nichts, der Herr Blech (nomen est omen!) aber das Maul aufreissen und einfach mal so drauflos behaupten, interpretieren und denunzieren. Ganz, ganz mies, widerwärtig und beschämend!!
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